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Kleine Wölfin
Jungwolf




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Mit den Augen eines Wolfes

Seit den Zeiten, als nur Sonne und Mond uns Licht gaben, kannte ich Dich. Aus den riesigen und undurchdringlichen Wäldern heraus beobachtete ich Dich. Ich war Zeuge, als Du das Feuer bändigtest und fremdartige, neue Werkzeuge machtest.

Von den Kämmen der Hügel und Berge aus sah ich Dich jagen und beneidete Dich um Deine Jagderfolge. Ich fraß Deine Beutereste und Du fraßt meine Beutereste.

Ich lauschte Deinen Gesängen und sah Deinen Schatten um die hellen Feuer tanzen. In einer Zeit, so weit zurück, dass ich mich kaum mehr erinnern kann, schlossen sich einige von uns Dir an um mit Dir an den Feuern zu sitzen. Sie wurden Mitglieder Deines Rudels, jagten mit Dir, beschützten Deine Welpen, halfen Dir, fürchteten Dich, liebten Dich.

Und für sehr lange Zeiten lebten wir so zusammen, denn unsere Wesen waren sich sehr ähnlich. Deswegen hast Du die Zahmen von uns adoptiert. Ich weiß, einige von Euch respektieren auch mich, den Wilden. Ich bin ein guter Jäger. Auch ich respektierte Dich. Auch Du warst ein guter Jäger. Ich sah Dich oft gemeinsam mit den Zahmen Beute erlegen.

In jenen Zeiten gab es alles im Überfluss. Es gab nur wenige von Euch. Die Wälder waren groß. Wir heulten zusammen mit den Zahmen in der Nacht. Einige von ihnen kehrten zu uns zurück, um mit uns zu jagen. Einige von ihnen fraßen wir, denn sie waren uns zu fremd geworden. So lebten wir zusammen für lange, lange Zeiten. Es war ein gutes Leben.

Manchmal stahl ich von Deiner Beute, und Du stahlst von meiner Beute. Erinnerst Du Dich, wie Dein Rudel hungerte als der Schnee hoch lag? Du fraßt die Beute die wir erlegt hatten. Das war unser Spiel. Das war unsere gegenseitige Schuld. Manche nannten es ein Versprechen.

Wie viele der Zahmen aber wurdest auch Du uns immer fremder. Wir waren uns einst so ähnlich, aber jetzt erkenne ich einige der Zahmen nicht mehr und ich erkenne auch einige von Euch nicht mehr. Du machtest auch die Beute zahm. Als ich begann, Deine zahme Beute zu jagen (es waren dumme Kreaturen auf die die Jagd keine Herausforderung war, aber die wilde Beute war verschwunden), jagtest Du mich und ich verstand nicht, warum.
Als Deine Rudel immer größer wurden und begannen, gegeneinander zu kämpfen, sah ich Eure großen Kriege. Ich fraß jene, die Du erschlagen hattest. Dann jagtest Du mich noch mehr, denn für mich waren sie Nahrung, aber Du hattest sie getötet.

Wir Wilden sind nur noch wenige. Du zerstörtest unsere Wälder und brachtest viele von uns um. Aber ich jage immer noch und füttere meine versteckten Welpen, wie ich es immer getan habe. Ich frage mich, ob die Zahmen eine weise Wahl trafen, als sie sich Euch anschlossen. Sie haben den Geist der Wildnis vergessen. Es gibt viele, viele von ihnen, aber sie sind mir so fremd.
Wir sind nur noch wenige und ich beobachte Dich immer noch, um Dir auszuweichen.

Ich denke, ich kenne Dich nicht mehr länger.

(Canis lupus)

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11.01.2007, 18:42
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Kleine Wölfin
Jungwolf




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Freiheit - eine Wolfsgeschichte


Geschichten werden ausgedacht, sobald die Sonne untergeht. Geschichten, die manchmal eine andere Zeit, eine andere Wirklichkeit auferstehen lassen. Die Wände weichen zurück und geben den Blick auf die Vergangenheit frei - auf die Sterne einer längst vergangenen Nacht und unendliche Wälder, durch deren Finsternis noch lange keine Straßen führen würden.

Dort erwachten gelbe, glühende Augen zum Leben und durchdrangen gierig die Nacht. Ein hellgrauer Schatten löste sich aus der Dunkelheit, nur ein Schemen vor dem Schwarz der Wälder. Lautlos bewegte sich die Wölfin hinaus auf die Ebene und betrat als ungebetener Gast das Reich der wilden Pferde .
Von den Hügeln hinab drang der uralte Gesang ihrer Artgenossen zu ihr, das immer gleiche Lied an den Mond, das die Wölfe seit Jahrtausenden sangen. Doch dieses eine Mal antwortete sie nicht, der Hunger war stärker.
Irgendwo da draußen graste ihre Mahlzeit, ein Fohlen vielleicht in dieser Nacht, das sich ein Stück von der aufmerksamen Mutter entfernt haben würde. Warmes, lebendiges Futter für die hungrige Jägerin.

Sie stand einen Augenblick still und spitzte die pelzigen Ohren, die schwarzglänzende Nase in den Wind gereckt. Der grasbewachsene Boden war ihre Landkarte, der Nachtwind der Verräter, der sie zu ihrer Beute führen würde.
Langsam, fast gemächlich trabte sie in die Richtung los, in der sie ihre Mahlzeit wußte - ein Gedanke an den Tod auf weichen Pfoten. Die Jägerin mit den elfenbeinfarbenen Reißzähnen dachte darüber nicht nach, als sie stolz und gelassen die Weite der Ebene durchquerte - und in die Falle ging.

Es schien, als hätten die beiden eisernen Kiefer, die unsichtbar geöffnet auf dem Boden gelegen hatten, nur darauf gewartet, sich bösartig um ihr Hinterbein schließen zu können. Ein eisiger Schreck durchfuhr die Jägerin, die auf einmal selbst zum Opfer geworden war, als ihr stetiger Lauf so unverhofft unterbrochen wurde. In ihrer Angst und ihrem Schmerz begann sie wild an der Fessel zu zerren. Doch die metallenen Fänge bissen sich nur noch fester und drangen tiefer durch Pelz und Fleisch bis auf die Knochen. Erschöpft und noch immer hungrig saß die Wölfin still und hob den Kopf. Diesmal sang eine einzelne Stimme das Lied der Wölfe, rief verzweifelt um Hilfe, doch niemand antwortete. Sie waren fort - die Artgenossen, die ihr jetzt doch nicht hätten helfen können. Allein auf der scheinbar unendlichen Ebene kämpfte die Wölfin gegen die grellen Schmerzen, die ihr der leblose Feind zufügte, kämpfte mit der sinnlosen Ausdauer des Geschöpfs der Freiheit.

Viele einsame Stunden später stieg über den Wäldern der Nebel auf, der den nahenden Morgen ankündigte, und bedeckte die Gräser mit funkelnden Tropfen aus Tau. Aus den getrübten gelben Augen der Wölfin tropften bittere Tränen. Sie hatte keine Stimme mehr, um nach der Freiheit zu rufen, das Herz war leergeweint, so leer wie die Ebene, die sich vor ihr bis zum Horizont erstreckte.
Als dann schließlich die Sonne aufging, brachen die Augen. Das Licht des neuen Morgens spiegelte sich nicht mehr darin, als die hellgraue Wölfin still, reglos im Gras lag - denn jetzt war sie frei. Von allen Fesseln erlöst, hatte der Tod sie in die Freiheit gerufen.

Ihre Geschichte aber lebt bis heute und beginnt immer von neuem, solange es Gefangenschaft gibt.

09.01.2007, 19:54
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leitwolf
Wolfswelpe




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Murrjan und der Wolf

Ein altes Bauernpaar hatte einen Hund, der ihm viele Jahre treu gedient hatte. Der Hund hieß Murrjan. Als Murrjan nun alt und schwach geworden war, beschloß der Bauer, ihn totzuschlagen. Der Hund, der davon gehört hatte, ging in den Wald und klagte dem Wolfe, was ihm bevorstand. Der Wolf aber sagte, er solle nur zu ihm in den Wald ziehen; dann werde er genug zu fressen bekommen. Der Hund befolgte diesen Rat.

In der nächsten Nacht sagte der Wolf zu Murrjan, er wolle zu seinem Bauern gehen und in den Schafstall einbrechen, um sich einige Schafe zu holen. Der Hund gab seine Einwilligung und versprach, nicht bellen zu wollen, wenn der Wolf sich mit höchstens fünf Schafen begnügen würde.

Kaum aber war der Wolf in den Schafstall eingedrungen, so biß er alle Schafe tot, die ihm vor den Rachen kamen, und der Hund, der nun nicht mehr durch sein Versprechen gebunden war, lief vor das Schlaffenster seines alten Herrn und fing dort heftig an zu bellen. Der Bauer aber meinte, der Hund belle nur deshalb, um in das Haus eingelassen zu werden, weil es ihm draußen zu kalt sei, und blieb ruhig im Bette liegen.

Als der Bauer am anderen Morgen die Schafe füttern wollte, sah er das Loch in der Wand des Schafstalles und bemerkte, daß ihm eine große Anzahl von Schafen fehlte. Da lief er schnell in die Schlafstube und sprach zu seiner Frau: "Der Murrjan ist doch ein gutes Tier, wir wollen ihn nicht umbringen."

Als Murrjan am folgenden Tage wieder zu dem Wolf kam, bat dieser ihn, er möge ihn doch noch einmal bei dem Bauern einbrechen lassen. Der Hund erwiderte, das ginge nicht an, weil der Bauer den ersten Einbruch schon gemerkt habe. Aber der Wolf, dem die Sache so gut gefallen hatte, ließ nicht nach mit Bitten, und schließlich gab der Hund abermals seine Einwilligung unter der Bedingung, daß der Wolf nicht mehr als ein Schaf rauben dürfe.

Der Wolf war es zufrieden. Aber kaum war er im Schafstall, so war wieder des Mordens schier kein Ende.

Da lief Murrjan unter das Fenster seines Herrn und fing wieder laut an zu bellen.

Als der Bauer erwachte, weckte er schnell seine Frau und den Knecht, und alle drei eilten hinaus nach dem Schafstall. Der Knecht hielt einen Sack vor das Loch in der Wand, und die Bäuerin stellte sich mit einer Heugabel daneben; der Bauer aber ging mit einer Laterne in den Stall.

Nun wollte der Wolf schnell durch das Loch entwischen; aber gerade dadurch kam er in die Gewalt seiner Widersacher. Als der Knecht merkte, daß der Wolf in den Sack gesprungen war, band er diesen schnell zu, und die Bäuerin schlug und stach mit der Heugabel darauf los. Als sie meinten, daß der Wolf tot sei, warfen sie den Sack mit dem Tiere in ein Wasserloch, das sich auf dem Bauernhofe befand. Aber der Wolf war noch nicht ganz tot, und als er das kalte Wasser an seinem Leibe fühlte, raffte er alle Kraft zusammen, daß er sich von dem Sack befreite und wieder ans Land schwamm.

Als Murrjan am folgenden Tage wieder in den Wald kam und den Wolf traf, war dieser sehr böse und wollte ihn wegen seines Verrates auffressen. Aber Murrjan lief fort, und der Wolf konnte ihn nicht einholen, weil er infolge der letzten Abenteuer zu viele Schmerzen an seinem Leibe verspürte.

Der Hund hatte nun wieder gute Tage auf dem Bauernhofe. Der Bauer hatte seine Treue erkannt und behandelte ihn gut. Die Bäuerin hatte ein mitleidiges Herz und kochte ihrem Hofhunde Semmeln in Milch, weil er die Knochen nicht mehr beißen konnte.

So erfuhr Murrjan auf seine alten Tage doch noch eine gute Behandlung und brauchte nicht die Hilfe des Wolfes, um sein Leben zu fristen.


__________________
Tiere sind Freunde und Freunde isst man nicht![SIZE=2][COLOR=red]

09.01.2007, 16:45
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Kleine Wölfin
Jungwolf




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Der Grauwolf

In Kanada sagt man zum Herbst Indianersommer. Wenn die heiße Sommerzeit mit ihrer Mückenplage vorüber ist, schmücken sich im September die Wälder mit allen Farben der Palette. In tiefem Rot über alle Arten von Braun bis zum grellen Gelb leuchten dann die Laubbäume, Büsche und Gräser. Doch des Nachts sinken die Temperaturen schon etliche Grade unter Null. Auch während der Tageszeit kann schon leichter Frost herrschen.

In dem in einer Waldlichtung gelegenen Holzfällerlager, von dem ich schon in meiner ersten Geschichte erzählte, herrschte reges Leben. Die Zeit des Holzeinschlages, die bis zum zeitigen Frühjahr dauerte, war angebrochen. Bald schallten der Lärm der Motorsägen und das Krachen der fallenden Bäume durch die Stille des kanadischen Waldes. Die Männer, die der harten Arbeit des Holzfällens nachgingen, hatten kaum ein Auge für die Naturschönheiten ringsumher.

Als der erste Schnee fiel, hatte ich mich längst an das harte Leben hier gewöhnt. War die Tagesnorm geschafft und eine kräftige Mahlzeit eingenommen, wurde noch eine Weile erzählt oder Karten gespielt. Doch dann suchte jeder seine Schlafkoje auf.

Ich musste schon einige Stunden geschlafen haben, als ich im Unterbewusstsein ein Heulen Zu hören glaubte, das dem eines

Wolfes ähnlich war. Doch ich war zu müde, so dass ich wie- der fest einschlief. Zur Mittagszeit traf ich Long Nose, unseren Lagerverwalter. Er kam auf mich zu und fragte mich aufgeregt, ob ich in der vergangene Nacht das Heulen eines Wolfes vernommen hätte. Ich bejahte die Frage. Die Erregung des Mannes war mir unverständlich, bis er mir erklärte, dass sich in dieser Gegend noch nie ein Wolf sehen ließ. Er bewohnte diese Gegend schon seit vielen Jahren, aber Wölfe waren ihm noch nicht zu Gesicht gekommen. Das fand ich recht seltsam, denn andere für Kanada typische Tierarten wie

Karibus, Baumstacheltiere, Waschbären, Erdhörnchen hielten sich hier noch auf. Auch Wölfe waren zur damaligen Zeit in Kanada nichts Außergewöhnliches; wer weiß, welchen Grund sie hatten, dieses Gebiet zu meiden. Da jetzt meine Neugier geweckt worden war, versprach ich dem Lagerverwalter, in den nächsten Nächten besser acht zu geben.

Die Sonntage verbrachte ich meistens in der Blockhütte meines Indianerfreundes und seiner Frau; dabei wurde es immer reichlich spät. In dieser Jahreszeit war es ein wunderbares Erlebnis, der Fütterung von wenigstens zwei putzend Wapitihirschen beizuwohnen, die mein alter Freund jeden Winter durchführte.

Ich hatte mich also so gegen Mitternacht verabschiedet und machte mich auf den Heimweg zum Lager, als plötzlich aus nicht sehr großer Entfernung das Heulen eines Wolfes zu hören war. Ich blieb stehen und rührte mich nicht vom Fleck. Das Geheul konnte nur von einem einzelnen Tier stammen. Es entfernte sich und kam doch wieder näher heran. Da Wölfe ja Rudeltiere sind, war es recht seltsam, dass nur ein

einzelnes Stück sich hier aufhielt. Langsam und vorsichtig ging ich dem Wolf entgegen. Bis jetzt konnte ich seine Spur im Schnee nicht ausmachen, obgleich der Mond die Umgebung fast taghell erleuchtete. Ich wollte gerade die Suche nach dem Tier aufgeben und den Rückzug antreten, da sah ich nur fünfzehn Schritte vor mir im hellen Mondlicht einen prächtigen Grauwolf stehen. Was sollte ich jetzt unternehmen? Ich entschloss mich, auf ihn zuzugehen, da das Tier seltsamerweise nicht flüchtig wurde, was sonst jeder andere Wolf getan hätte. Ich hielt ihm meine vorgestreckte Hand entgegen, und er ließ mich bis auf fast fünf Schritte an sich herankommen. Erst dann ging er langsam zurück. Als ich ruhig auf ihn einsprach, spitzte er seine Ohren, die menschlichen Laute schienen ihm bekannt Zu sein. Ich redete weiterhin auf ihn ein, entfernte mich dabei aber langsam und später etwas schneller in Richtung auf unser Lager. Es war kaum zu glauben, aber der Wolf folgte mir in einem gewissen Abstand, ohne mich dabei aus den Augen Zu lassen. Schon lichtete sich der Wald etwas, und die Umrisse der Blockhütten des Lagers waren bereits Zu erkennen. Plötzlich blieb das Tier stehen, heulte leise vor sich hin und legte sich in den Schnee. Ihn weiterzulocken, gelang mir in jener Nacht nicht mehr. Viel geschlafen habe ich in dieser Nacht nicht. Wie kam es, dass dieser Wolf kaum Scheu vor den Menschen besaß ?

Am nächsten Morgen war an Bäumefällen im Walde nicht zu denken, da ein heftiger Schneesturm tobte. Mir ließ der Grauwolf aber keine Ruhe, und ich musste versuchen, ihn wieder zu finden. Nachdem ich mir ein Stück Wildfleisch im Küchenmagazin hatte geben lassen, suchte ich die Stelle auf, wo

ich den Wolf verlassen hatte. Es war ziemlich schwierig, wegen der Schneeverwehungen den Platz wiederzufinden. Aber ich brauchte gar nicht zu suchen. Ungefähr dort, wo ich den Grauwolf verlassen hatte, trat er aus dem Gebüsch heraus. Er schüttelte sich den Schnee aus dem Pelz und kam mir ohne Scheu entgegen. Ich hielt ihm das Fleisch hin, und langsam kam er näher und näher. Dann sprang er plötzlich auf mich zu und riss mir den Fleischbrocken aus der Hand. Zuerst war ich natürlich erschrocken, doch bald überkam mich ein großes Glücksgefühl. Es war mir in freier Wildbahn gelungen, einen ausgewachsenen Wolf aus der Hand zu füttern. In kurzer Zeit hatte er seine Mahlzeit beendet und folgte mir zum Lager. Ich unterrichtete meine Arbeitskollegen, und sie ver- sprachen mir, das Tier nicht zu verjagen oder zu verärgern. So hielt sich der Grauwolf, wie ich ihn genannt hatte, während der ganzen Winterzeit in der Nähe unseres Camps auf. In das Innere des Lagers oder in ein Haus ließ er sich jedoch niemals locken. Den eigentlichen Grund für seine Anhänglichkeit habe ich nie in Erfahrung bringen können. Vielleicht ist er als Welpe von Menschen aufgezogen worden? Durch irgendwelche Umstände musste er seine Pfleger verloren haben und war so Zu einem Einzelgänger geworden.

Wir hatten uns alle an ihn gewöhnt. Er bedeutete für uns eine Abwechslung in der Einsamkeit.

Der lange kanadische Winter ging seinem Ende entgegen, und die ersten Anzeichen des nahenden Frühlings machten sich bemerkbar. Der Ruf der Kanadagänse erscholl wieder auf dem Bergsee. Nun hieß es, bald Abschied Zu nehmen und die schönen kanadischen Wälder zu verlassen. Mein indianischer Freund hatte mir versprochen, sich um den Grauwolf zu kümmern, denn es bestand ja die Möglichkeit, dass das Tier sich hier noch längere Zeit aufhalten würde.

Einen Tag vor meiner Abreise machte ich wie üblich die Fleischration für den Wolf fertig und wollte ihn noch einmal füttern. Als ich den Futterplatz erreichte, ließ sich der Grauwolf nicht sehen. Das war in der ganzen Zeit seines Aufenthaltes noch nie vorgekommen. Ich wartete lange auf ihn, aber er kam nicht. Auch am nächsten Tag war meine Suche nach dem Grauwolf umsonst. Wahrscheinlich hatte er, weil es Frühling werden wollte, Anschluss an ein Rudel gesucht.

05.01.2007, 15:54
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white wolf
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Hallo!

Hab da eine neue Geschichte zu erzählen. Ich heiße olivia bin 23 jahre jung, und komme aus kärnten. Bin ein Wolf Fan,. Zu meinen Geburtstag bekam ich mein Größten Traum erfüllt. Ich durfte hinter die kulissen nach Herberstein in der Steiermark. Nicht nur das ich durfte den ganzen Tag die Tiere kennenlernen, mit ihnen spielen usw. Wie wir im tierpark waren, sagte die tierpflegerin nun zu mir ich durfte ins Gehege, ich sagte: "in was für welches Gehege", hatte ja keine Ahnung!!! Sie sagte ins Wolfsgehege wo 30 Wölfe sind. Ihr könnt euch ja vorstellen wie dann mein Herz zu rasen begann. Nach einigen Vorbereitungen ging ich dann ins gehege mit. Ich kann euch sagen, das kann man einfach nicht beschreiben, das muß man erlebt haben. Es war Adrenalin pur!! Der ganze tag war super, Tierpark Herberstein ist nur weiterzuempfehlen.
So das wars mal von mir www.wolfsfieber.com
liebe grüße olivia

26.05.2004, 15:14
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CleanerWolf
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Och Menno, Imiak, wegen Dir weine ich mich jetzt wieder in den Schlaf


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Menschen haben trotz der Kraft ihrer Vernunft nicht die instinktive Weisheit der Wölfe.
Dr. Erich Klinghammer

14.09.2003, 22:47
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Spiritus, der Panther
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Wunderbar traurig.
Wie recht er hat, die Menschen scheinen blind zu sein...

S, d P


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In Gedenken an Jamie Morand a.k.a. Pantherkönig
Vom 31.07.1975 bis 22.02.2003
Don't know where you are, but I'm whit you..

Das Leben ist der Sinn...

12.09.2003, 21:56
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Imiak
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Imiak ist offline
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Ich möchte hier nach langer Zeit wieder eine Geschichte hereinstellen, die ich gerade gefunden habe. Vielleicht liegt es ja an mir, aber so gerührt wie bei diesem Text war ich irgendwie schon lange nicht mehr. Jedenfalls wirklich toll, wie von Hermann Hesse auch nicht anders zu erwarten, und regt besonders beim Schlusssatz doch ziemlich zum Nachdenken an.


Der Wolf

Noch nie war in den französischen Bergen ein so unheimlich kalter und langer Winter gewesen. Seit Wochen stand die Luft klar, spröde und kalt. Bei Tage lagen die grossen, schiefen Schneefelder mattweiss und endlos unter dem grellblauen Himmel, nachts ging klar und klein der Mond über sie hinweg, ein grimmiger Frostmond von gelbem Glanz, dessen starkes Licht auf dem Schnee blau und dumpf wurde und wie der leibhaftige Frost aussah. Die Menschen mieden alle Wege und namentlich die Höhen, sie sassen träge und schimpfend in den Dorfhütten, deren rote Fenster nachts neben dem blauen Mondlicht rauchig trüb erschien und bald erloschen.

Das war eine schwere Zeit für die Tiere der Gegend. Die kleineren erfroren in Menge, auch Vögel erlagen dem Frost, und die hageren Leichname fielen den Habichten und Wölfen zur Beute. Aber auch diese litten furchtbar an Frost und Hunger. Es lebten nur wenige Wolfsfamilien dort, und die Not trieb sie zu festerem Verband. Tagsüber gingen sie einzeln aus. Da und dort strich einer einzeln über den Schnee, mager, hungrig und wachsam, lautlos und scheu wie ein Gespenst. Sein schmaler Schatten glitt neben ihm über die Schneeflächen. Spürend reckte er die Schnauze in den Wind und liess zuweilen ein trockenes gequältes Geheul vernehmen. Abends aber zogen sie vollzählig aus und drängten sich mit heiserem Heulen um die Dörfer. Dort war Vieh und Geflügel wohl verwahrt, und hinter festen Fensterläden lagen Flinten angelegt. Nur selten fiel eine kleine Beute, etwa ein Hund, ihnen zu und zwei aus der Schar waren schon erschossen worden.

Der Frost hielt immernoch an. Oft lagen die Wölfe still und brütend zusammen, einer am andern sich wärmend, und lauschten beklommen in die tote Öde hinaus, bis einer, von den grausamen Qualen des Hungers gefoltert, plötzlich mit schauerlichem Gebrüll aufsprang. Dann wandten alle andern ihm die Schnauze zu, zitterten und brachen miteinander in ein furchtbares, drohendes und klagendes Heulen aus.

Endlich entschloss sich der kleinere Teil der Schar zu wandern. Früh am Tage verliessen sie ihre Löcher, sammelten sich und schnoberten erregt und angstvoll in die frostklare Luft. Dann trabten sie rasch und gleichmässig davon. Die Zurückgebliebenen sahen ihnen mit weiten, glasigen Augen nach, trabten ein paar Dutzend Schritte hinterher, blieben unschlüssig und ratlos stehen und kehrten langsam in ihre leeren Höhlen zurück.

Die Auswanderer trennten sich am Mittag voneinander. Drei von ihnen wandten sich östlich dem Schweizer Jura zu, die anderen zogen südlich weiter. Die drei waren schöne, starke Tiere, aber entsetzlich abgemagert. Der eingezogene helle Bauch war schmal wie ein Riemen, auf der Brust standen die Rippen jämmerlich heraus, die Mäuler waren trocken und die Augen weit und verzweifelt. Zu dreien kamen sie weit in den Jura hinein, erbeuteten am zweiten Tage einen Hammel, am dritten einen Hund und ein Füllen und wurden von allen Seiten her wütend vom Landvolk verfolgt. In der Gegend, welche reich an Dörfern und Städten ist, verbreiteten sich Schrecken und Scheu vor den Ungewohnten Eindringlingen. Die Postschlitten wurden bewaffnet, ohne Schiessgewehr ging niemand von einem Dorf zum andern. In der fremden Gegend, nach so guter Beute, fühlten sich die drei Tiere zugleich scheu und wohl; sie wurden tollkühner als je zu Hause und brachen am hellen Tage in den Stall eines Meierhofes. Gebrüll von Kühen, Geknatter splitternder Holzschranken, Hufgetrampel und heisser, lechzender Atem erfüllten den engen, warmen Raum. Aber diesmal kamen Menschen dazwischen. Es war ein Preis auf die Wölfe gesetzt, das verdoppelte den Mut der Bauern. Und sie erlegten zwei von ihnen, dem einen ging ein Flintenschuss durch den Hals, der andere wurde mit einem Beil erschlagen. Der dritte entkam und rannte so lange, bis er halbtot auf den Schnee fiel. Er war der jüngste und schönste von den Wölfen, ein stolzes, herrisches Tier von mächtiger Kraft und gelenken Formen. Lange blieb er keuchend liegen. Blutig rote Kreise wirbelten vor seinen Augen, und zuweilen stiess er ein pfeifendes, schmerzliches Stöhnen aus. Ein Beilwurf hatte ihm den Rücken getroffen. Doch erholte er sich und konnte sich wieder erheben. Erst jetzt sah er, wie weit er gelaufen war. Nirgends waren Menschen oder Häuser zu sehen. Dicht vor ihm lag ein verschneiter, mächtiger Berg. Es war der Chasseral. Er beschloss, ihn zu umgehen. Da ihn Durst quälte, frass er kleine Bissen von der gefrorenen, harten Kruste der Schneefläche.

Jenseits der Berge traf er sogleich auf ein Dorf. Es ging gegen Abend. Er wartete in einem dichten Tannenforst. Dann schlich er vorsichtig um die Gartenzäune, dem Geruch warmer Ställe folgend. Niemand war auf der Strasse. Scheu und lüstern blinzelte er zwischen den Häusern hindurch. Da fiel ein Schuss. Er warf den Kopf in die Höhe und griff zum Laufen aus, als schon ein zweiter Schuss knallte. Er war getroffen. Sein weisslicher Unterleib war an der Seite mit Blut befleckt, das in dicken Tropfen jäh herabrieselte. Dennoch gelang es ihm, mit grossen Sätzen zu entkommen und den jenseitigen Bergwald zu erreichen. Dort wartete er horchend einen Augenblick und hörte von zwei Seiten Stimmen und Schritte. Angstvoll blickte er am berg empor. Er war steil, bewaldet und mühselig zu ersteigen. Doch blieb ihm keine Wahl. Mit keuchendem Atem klomm er die steile Bergwand hinan, während unten ein Gewirr von Flüchen, Befehlen und Laternenlichtern sich den Berg entlangzog; zitternd kletterte der verwundete Wolf durch den halbdunkeln Tannenwald, während aus seiner Seite langsam das braune Blut hinabrann. Die Kälte hatte nachgelassen. Der westliche Himmel war dunstig und schien Schneefall zu versprechen.

Endlich hatte das erschöpfte Tier die Höhe erreicht. Es stand nun auf einem leicht geneigten, grossen Schneefelde, nahe bei Mont Crosin, hoch über dem Dorfe, dem er entronnen. Hunger fühlte er nicht, aber einen trüben, klammernden Schmerz von der Wunde. Ein leises, krankes Gebell kam aus seinem hängenden Maul, sein Herz schlug schwer und schmerzhaft und fühlte die Hand des Todes wie eine unsäglich schwere Last auf sich drücken. Eine einzeln stehende, breitästige Tanne lockte ihn; dort setzte er sich und starrte trübe in die graue Schneenacht. Eine halbe Stunde verging. Nun fiel ein mattrotes Licht auf den Schnee, sonderbar und weich. Der Wolf erhob sich stöhnend und wandte den feinen Kopf dem Lichte entgegen. Es war der Mond, der im Südwesten riesig und blutrot sich erhob und langsam am trüben Himmel höher stieg. Seit vielen Wochen war er nie so rot und gross gewesen. Traurig hing das Auge des sterbenden Tieres an der matten Mondscheibe, und wieder röchelte ein schwaches Heulen schmerzlich und tonlos in die Nacht. Da kamen Lichter und Schritte nahe. Bauern in dicken Mänteln, Jäger und junge Burschen in Pelzmützen und mit plumpen Gamaschen stapften durch den Schnee. Gejauchze erscholl. Man hatte den verendenden Wolf entdeckt, zwei Schüsse wurden auf ihn abgedrückt und beide fehlten. Dann sahen sie, dass er schon im Sterben lag und fielen mit Stöcken und Knütteln über ihn her. Er fühlte es nicht mehr.

Mit zerbrochenen Gliedern schleppten sie ihn nach St. Immer hinab. Sie lachten, sie prahlten, sie freuten sich auf Schnaps und Kaffee, sie sangen, sie fluchten. Keiner sah die Schönheit des verschneiten Forsts, noch den Glanz der Hochebene, noch den roten Mond, der über dem Chasseral hing und dessen schwaches Licht in ihren Flintenläufen, in den Schneekristallen und in den gebrochenen Augen des erschlagenen Wolfes sich brach.

Hermann Hesse


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So when the birds fly south
I'll reach up and hold their tails
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Down to the burning cliffs
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And anchor this lost soul

>Patrick Wolf, Teignmouth<

11.09.2003, 22:00
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Imiak
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Ja, diese Geschichte hat schon was für sich und ist aus der Sicht des Wolfes absolut überzeugend und einfühlsam geschildert. Überhaupt ist das ganze Buch Bruder Wolf sehr schön geschrieben. Ein Buch, das erkennen lässt, wie sehr Brandenburg den Wolf respektiert. Die Welt braucht mehr solche Bücher und vor allem mehr Leute mit einer solchen Denkweise.


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>Patrick Wolf, Teignmouth<

15.06.2003, 18:05
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PattWór
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Wie es einmal war und noch hätte sein sollen ...

Ein rührender Mahnruf eines Wolfes an uns Menschen

Seit Sonne und Mond das Licht machen, kenne ich dich. Ich habe dich aus dem einst undurchdringlichen Wald beobachtet. Von Bergkämmen aus sah ich dich jagen und beneidete dich um deine Beute. Ich habe die Reste deiner Mahlzeiten gegessen und du die meinen. Ich habe deine Lieder gehört und deine tanzenden Schatten um helle Feuer gesehen. Zu einer Zeit, die so weit zurückliegt, daß ich mich kaum erinnern kann, schlossen sich einige von uns euch an und saßen mit am Feuer. Wir wurden Mitglieder eurer Rudel, jagten mit euch, beschützten euch, liebten euch. Wir haben eine lange Zeit miteinander verbracht. Wir waren uns sehr ähnlich. Daher habt ihr die Zahmen adoptiert. Ich weiß, daß einige unter euch mich, den Wilden respektieren. Ich bin ein guter Jäger. Auch ich habe euch respektiert. Ihr wart gute Jäger. Ich habe euch beobachtet, wie ihr zusammen mit den Zahmen im Rudel gejagt und erbeutet habt. Damals herrschte kein Mangel. Damals gab es nur wenige von euch. Damals waren die Wälder groß. Es war eine gute Zeit. Manchmal hab ich dich bestohlen, so wie du mich. Erinnerst du dich, als du hungertest, der Schnee tief lag, und du das Fleisch gegessen hast, das wir getötet hatten? Es war ein Spiel. Es war eine Schuld. Manche mögen es ein Verbrechen nennen.
Viele der Zahmen und die meisten von euch sind uns sehr fremd geworden. Einst waren wir so ähnlich. Du hast auch das Fleisch zahm gemacht. Als ich damit anfing, dein zahmes Fleisch zu jagen, hast du mich gejagt. Ich verstehe das nicht. Ich sah, daß deine Rudel größer wurden und gegeneinander kämpften. Ich habe deine großen Schlachten beobachtet. Ich tat mich gütlich an denen, die liegen blieben. Da jagtest du mich noch mehr. Ich verstehe das nicht. Sie waren Fleisch. Du hast sie getötet ...
Wir Wilden sind nicht mehr viele. Du hast die Wälder klein gemacht. Du hast viele von uns getötet. Aber ich jage noch und füttere unsere jungen Welpen. Das werde ich immer tun. Ich frage mich, ob die Zahmen, die mit die leben, eine gute Wahl getroffen haben. Sie haben den Geist verloren, in der Wildnis zu leben. Sie sind zahlreich, aber sie sind fremd. Wir sind wenige. Noch immer beobachte ich dich, daher kann ich dich meiden. Ich glaube, ich kenne dich nicht mehr.


Von Jim Brandenburg


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Homo lupo lupus est.
Scisne, homo, quod lupum essendum profecto significat?


Dieser Beitrag wurde von PattWór am 14.06.2003, 13:06 Uhr editiert.

14.06.2003, 13:03
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