Registrierung Kalender Tigerforum-Chat Häufig gestellte Fragen Suche Mitgliederliste Moderatoren und Administratoren Statistik Database Galerie TopListe Glossar Startseite
Tigerforum » Allgemeines » Tierschutz und Umweltschutz » Umweltschutz » Tankerunglück: Prestige & Co. » Hallo Gast [registrieren|anmelden]
« Vorheriges Thema Nächstes Thema » Druckvorschau | An Freund senden | Thema abonnieren | Glossareintrag vorschlagen
Antwort erstellen Neues Thema erstellen
Umfrage: War das Unglück vermeidbar?
Ja
Nein
Ergebnis
Autor
Beitrag [  «    1  2  3  4  ]
Sesshoumaru
sama




Dabei seit: Januar 2002
Herkunft: Deutschland
Bayern (DE)
Beiträge: 2462
Sesshoumaru ist offline
Themenstarter Dieses Thema wurde von Sesshoumaru gestartet
Feuer auf Flüssiggas-TankerAntwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

Schon wieder ein Tankerunglück. Langsam aber sicher wird es auffällig, oder???

Zitat:
von tagesschau.de:
Rund 40 Kilometer vor der Küste Hongkongs ist ein mit 20.000 Tonnen Flüssiggas beladener Tanker in Brand geraten. Das Feuer brach im Maschinenraum, im hinteren Teil, aus. Wegen Explosionsgefahr verließen die 34 Besatzungsmitglieder das Schiff. Löschboote bekämpfen den Brand.


__________________
Sesshoumaru-sama, Lord of the Western Lands
GVD

24.11.2002, 18:10
Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Sesshoumaru senden Homepage von Sesshoumaru Schicke Sesshoumaru eine ICQ-Nachricht  
Sesshoumaru
sama




Dabei seit: Januar 2002
Herkunft: Deutschland
Bayern (DE)
Beiträge: 2462
Sesshoumaru ist offline
Themenstarter Dieses Thema wurde von Sesshoumaru gestartet
Ölteppiche auf allen MeerenAntwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

Die Havarie der Prestige ist der bisher letzte in einer langen Reihe von Tanker-Unfällen mit oft verheerenden Folgen für die Umwelt.

20.Januar 2001: Vor den Galapagos-Inseln im Pazifik strandet der ecuadorianische Tanker Jessica. 643500 Liter Dieselöl fließen ins Meer und bedrohen die einzigartige Tierwelt der Inseln.

12.Dezember 1999: Vor der Bretagne bricht bei schwerer See der in Malta registrierte Tanker Erika auseinander. Etwa 17000 Tonnen Heizöl verschmutzen die Küste auf einer Länge von fast 500 Kilometern. Bis zu 300000 Seevögel verenden.

2.Januar 1997: Der russische Tanker Nachodka bricht in einem Sturm vor Japan auseinander. Etwa 20000 Tonnen Heizöl treiben auf die Küste zu.

16.Februar 1996: Die Sea Empress läuft vor der Südwestküste von Wales auf Grund. Rund 70000 Tonnen Öl fließen in Meer. 200 Küstenkilometer vor allem an zwei Vogelschutzinseln werden verseucht, 25000 Seevögel sterben.

5.Januar 1993: Der liberianische Tanker Braer läuft vor den Shetland-Inseln auf ein Riff. 98000 Tonnen Rohöl fließen in die Nordsee. Stürme verteilen das Öl, die große Katastrophe bleibt aus.

3.Dezember 1992: Der griechische Tanker Aegean Sea läuft bei der Einfahrt in den nordspanischen Hafen La Coruna auf Grund und bricht auseinander. Etwa 81000 Tonnen Öl fließen ins Meer, 200 Kilometer Küste werden verschmutzt.

19.April 1992: Vor der Küste Mosambiks schlägt der mit 66000 Tonnen Öl beladene griechische Tanker Katina P leck. Das Schiff verliert auf der Steuerbordseite die gesamte Ladung eines Tanks.

24.März 1989: Die Exxon Valdez havariert im Prinz-William-Sund vor Alaska. 45000 Tonnen Öl verschmutzen in der größten Umweltkatastrophe der USA 1700 Kilometer Strand und Küste, unzählige Meerestiere verenden.

16.März 1978: Vor der Bretagne läuft die unter liberianischer Flagge fahrende Amoco Cadiz auf Grund. Die ganze Ladung von 228 000 Tonnen Rohöl fließt ins Meer und verdreckt 360 Kilometer Küste. Etwa 15 000 Seevögel sterben, Fischerei und Fremdenverkehr sind betroffen.

12.Mai 1976: Vor La Coruna zerschellt der spanische Tanker Urquillo, mehr als 100000 Tonnen Öl werden an die Küste gespült.


__________________
Sesshoumaru-sama, Lord of the Western Lands
GVD

21.11.2002, 22:50
Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Sesshoumaru senden Homepage von Sesshoumaru Schicke Sesshoumaru eine ICQ-Nachricht  
Siegmar
Jaguar




Dabei seit: Juni 2002
Herkunft:
Brandenburg (DE)
Beiträge: 457
Siegmar ist offline
  Antwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

Cat: Es ist billiger für den Schiffseigner mit so einem Schrottkahn zu fahren. Die Kosten für die Katastrophe zahlt die Allgemeinheit, also du und ich, das ist der kleine Unterschied.

Das das Schiff auseinanderbricht war doch wohl vorher ab zusehen, warum hat Spanien verhindert das es einen geschützten Hafen anlaufen kann. Gut das Öl wär dichter an der Küste ausgetretten, es hätte dann aber nur eine kleinen Küstenabschnitt stark verseucht. Die Möglichkeiten für das Abpumpen des Öles wären dann auch besser gewesen. So wie es aussieht sind ja wohl noch mehre Tanks beim Sinken geborsten, da wird noch eine Menge Öl hochkommen und über einen langen Zeitraum die Küsten verseuchen. Eine Bergung der Fracht ist nur noch schwer möglich, wenn die Teile am Meeresboden ankommt sind wird das Öl durch die dort herrschenden Temperaturen fest. Bei den Kosten, die bei einer Bergung in 3000m Tiefe anfallen, wird man den Mantel des Vergessens über die Unglücksstelle legen.

21.11.2002, 20:39
Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Siegmar senden Homepage von Siegmar Schicke Siegmar eine ICQ-Nachricht  
Spiritus, der Panther
Träumer




Dabei seit: Oktober 2002
Herkunft:
Nordrhein-Westfalen (DE)
Beiträge: 892
Spiritus, der Panther ist offline
  Antwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

Tja, der Mensch kann noch so oft auf die Nase fallen, daraus lernen tut er nur selten. Cat, du hast daher mit deiner Vermutung wohl leider recht.
Menschen könnten so großaritg sein, wäre der ihnen (unsrigen) angeborene Egoismus nicht derart stark ausgeprägt!

Spiritus, aud der ewigen Suche...


__________________
In Gedenken an Jamie Morand a.k.a. Pantherkönig
Vom 31.07.1975 bis 22.02.2003
Don't know where you are, but I'm whit you..

Das Leben ist der Sinn...

21.11.2002, 20:25
Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Spiritus, der Panther senden  
Cat
Streunerin




Dabei seit: März 2002
Herkunft:
Rheinland-Pfalz (DE)
Beiträge: 1174
Cat ist offline
  Antwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

hab meinen dad vor kurzen gefragt, wieso sie eigendlich so ne alte schrottkiste raus aufs meer lassen. antwort: "weil das weniger kostet!"

aber jetzt kostet es sie doch umso mehr oder????

ich will mir nicht ausmalen wie viele tiere bei dieser vermeidlichen katastrophe draufgehn!

ich bin mira uch fast sicher, dass die leute in der zukunft genauso alte tanker auf den ozean lassen und dabei gar nicht daran denken wie gefählich es für sie selbst ist.

21.11.2002, 17:57
Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Cat senden Homepage von Cat Schicke Cat eine ICQ-Nachricht  
nettwork
Panthera leo




Dabei seit: Januar 2002
Herkunft: Österreich
Salzburg (A)
Beiträge: 702
nettwork ist offline
Antwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

So ein Tanker-Unding kommt doch einem AKW gleich. Solange es schwimmt ist es ungefährlich. Wenn was passiert, dann ist es gleich eine Riesenkatastrophe.

Da finde ich doppelwandige Tanker gut, da sie wenigstens ein bisschen was abkriegen können, ohne dass sie gleich untergehen. Wenn es nach mir geht, dann müßten sie 10-wandig sein.

Jetzt spricht man davon, dass das Öl absinkt und sich in der Tiefe verfestigt. Das ist aber alles andere als eine Lösung. Es mag zwar die Gefahr momentan von der Küste fernhalten, aber in der Tiefsee gibt es ja auch Leben.
Man weiß noch viel zu wenig über Tiere in der Tiefe. Schon jetzt hat die Fischerei dort unten riesige Schäden angerichtet. Wenn wir dann noch verklumptes Öl (und Atommüll) runterschütten, was wird das dann werden?

Ich glaube man muss das Risiko bei solchen Bergeversuchen neu abwägen. Vielfach heiß es "das Wetter ist zu schlecht". Aber niemand sprach davon, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist etwas zu ändern. Den Handelnden Personen war es bloß zu risikoreich und zu teuer. Aber man hat es nicht mal versucht!
Jetzt dem Kapitän alles in die Schuhe zu schieben ist sicher nur ein Alibi für die wahren Verantwortlichen.


__________________
Unmöglich ist eine Meinung
und keine Tatsache!
(Adidas Werbung)

21.11.2002, 09:50
Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an nettwork senden Homepage von nettwork  
Spiritus, der Panther
Träumer




Dabei seit: Oktober 2002
Herkunft:
Nordrhein-Westfalen (DE)
Beiträge: 892
Spiritus, der Panther ist offline
  Antwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

Seufz, wiedermal ein buchstäblich schwarzer Tag.
Hab mir nicht alles durchgelesen, schließlich hört man genug davon. Menschen sind wohl doch nicht so lernfähig, sonst wäre der Kahn schon lange außer Betrieb. Wenn se das diesmal auf menschliches Versagen schieben, dreh ich durch. Das Schiff wäre eh irgendwann gesunken, bei dem Zustand!
Hätten die es in nen Hafen gezogen, um das Öl abzupumpen, aber nein! Die streiten lieber darum, wär die Schuld in die Schuhe geschoben bekommt. Also wirds rausgezogen, nicht dass das irgendwas bringt, die Strömung treibts zurück. Und es ist ja nicht so, das die Tiefsee unbewohnt ist.
Also hoffen wir mal, das die Trottel darus was lernen und solche Schiffwracks nicht mehr fahren dürfen.

Spiritus, auf der ewigen Suche... Ich hoff und Bete, das nicht zu viele Tiere wegen unseren Fehlern leiden und sterben müssen!


__________________
In Gedenken an Jamie Morand a.k.a. Pantherkönig
Vom 31.07.1975 bis 22.02.2003
Don't know where you are, but I'm whit you..

Das Leben ist der Sinn...

20.11.2002, 14:19
Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Spiritus, der Panther senden  
Panther
Pantherkönig




Dabei seit: Juni 2002
Herkunft: Camargue/France
Camargue (F)
Beiträge: 734
Panther ist offline
Antwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

shir khan, du hast da ja wirklich etwas an informationen in das forum gestellt. es ist ein schweinerei, was da geschieht oder geschehen ist in mein augen und haette bestimmt vermieden werden koennen. allerdings man kann nicht verbannen sturm von meer, das mir ist sehr wol klar, aber manch anderes ...

was da geschieht der natur und auch den menschen, die leben von dem meer da, ist schon arg, ich finde und macht mich irgendwie ein wenig sauer auch. und was da in die meer zuruekbleibt, einmal mehr, schadet dem ganzen system der umwelt. keine wunder spilt wetter und alles immer mehr verruekt.


__________________
Panther Koenig Jamie oder auch CJP ...

20.11.2002, 13:47
Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Panther senden Homepage von Panther Schicke Panther eine ICQ-Nachricht AIM Screenname: keinen YIM Screenname: keinen MSN Passport: jamiemorand@hotmail.com  
Sesshoumaru
sama




Dabei seit: Januar 2002
Herkunft: Deutschland
Bayern (DE)
Beiträge: 2462
Sesshoumaru ist offline
Themenstarter Dieses Thema wurde von Sesshoumaru gestartet
Tankerunglück: PrestigeAntwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

Spanien erwartet die Katastrophe

Einen Tag nach dem Untergang des Öltankers „Prestige“ haben sich Einsatzkräfte an der nordwestspanischen Küste auf eine mögliche riesige Ölverschmutzung und Umweltkatastrophe vorbereitet.

Der sinkende Tanker „Prestige“ (dpa )

An der Küste Galiciens im Nordwesten des Landes sollen weitere zehn Kilometer Öl-Barrieren ausgebreitet werden, sagte Vizepremier Mariano Rajoy.

Zudem will die Regierung die betroffene Gegend zum Notstandsgebiet erklären. Dies schaffe die rechtliche Voraussetzung, um weitere staatliche Hilfen und Steuererleichterungen für die geschädigten Fischer zu bewilligen. Einstimmig beschloss auch das Parlament am Abend, ein Krisenpaket vorzubereiten.

Schätzungen zufolge hat die „Prestige“ bis zu ihrem Untergang rund 270 Kilometer vor der Küste fast 10.000 Tonnen giftiges Schweröl verloren, etwa die Hälfte davon bereits in den vergangenen Tagen.

Sollten auch die restlichen der noch rund 65.000 Tonnen Öl an Bord austreten, droht der Atlantikküste Spaniens und Portugals die gewaltigste Umweltkatastrophe seit Jahrzehnten.

Es wäre nämlich doppelt so viel Öl wie 1989 bei der Katastrophe der „Exxon Valdez“ vor Alaska mit mehr als 250 000 getöteten Seevögeln.

Die spanischen Behörden rechneten jedoch eher damit, dass das Öl wegen der niedrigen Temperaturen in fast 4000 Metern Tiefe sich verfestigen und auf dem Meeresgrund bleiben würde. Experten warnten allerdings, dass Öl an die Oberfläche gelangen könnte, sollten die Tanks bersten, ehe sich dieses verfestigt habe. Umweltschützer sprachen von einer tickenden Zeitbombe im Atlantik.
Langfristig sei es unvermeidbar, dass die Ladung Giftstoffe freisetze.

Nach Einschätzung der Naturschützer hätte die Katastrophe verhindert werden können, wenn Spanien das Abpumpen des Öls in einem seiner Häfen erlaubt hätte. Zudem sei der Tanker vermutlich deshalb auseinander gebrochen und gesunken, weil er dem tagelangen Schleppmanöver nicht habe Stand halten können.

Vizepremier Rajoy verteidigte dagegen das Vorgehen der Regierung. Dank der Entscheidung, die „Prestige“ so weit wie möglich aufs offene Meer zu bringen, sei das Unglück glimpflich ausgegangen. „Andernfalls stünden wir vor einer noch größeren Katastrophe.“

„Mehrere Länder zur Verantwortung ziehen“

Spanien will zudem mehrere Länder für die Ölpest zur Verantwortung ziehen. Verkehrsminister Francisco Alvarez-Cascos sagte, die Regierung prüfe rechtliche Schritte gegen Großbritannien, da der Tanker auf dem Weg in die britische Kolonie Gibraltar gewesen sei, und gegen Griechenland, wo die Reederei sitzt.

Auch wolle man gegen Lettland vorgehen, wo das Schiff beladen worden sei, sowie gegen die Bahamas, unter deren Flagge es fuhr. Die „Prestige“ war 26 Jahre alt und verfügte im Gegensatz zu modernen Tankern über keine doppelte Bordwand.

Auf dem Atlantik trieben unterdessen mehrere große Öl-Teppiche, einige von ihnen näherten sich dem Festland. Nach Angaben portugiesischer Meteorologen wird der Wind die schwarze Flut eher Richtung Galicien treiben, wo die Küste bereits auf einer Länge von 200 Kilometern verschmutzt ist. Es sei aber nicht auszuschließen, dass das Öl in den kommenden Tagen auch den Norden Portugals erreicht, sollte sich der Wind drehen.

(sueddeutsche.de/AP/dpa/AFP)



Profiteure des Untergangs

Havarie der „Prestige“: In der Seeschifffahrt sind Nutzen und Lasten extrem ungerecht verteilt
Von Wolfgang Roth

(SZ vom 20.11.2002) Scheinbar war alles in Ordnung. Ein Experte der deutschen Klassifikationsgesellschaft Germanischer Lloyd bescheinigt dem vor Spaniens Küste geborstenen Tanker Prestige einen guten technischen Zustand. Schuld sei der Sturm gewesen, ein Risiko, mit dem die Schifffahrt nun einmal leben müsse. Wenn noch ein Schuldiger gefunden wird, dann ist es wahrscheinlich der griechische Kapitän. „Menschliches Versagen“, wird es dann wieder heißen.

Es ist aber überhaupt nichts in Ordnung in der Seeschifffahrt. In vielen Fällen überdeckt die Formel vom menschlichen Versagen nur die Strukturen des maritimen Transport-Unwesens, das die Risiken auf die Küstenbewohner und Fischer abschiebt und die Weltmeere ganz selbstverständlich als Deponie für Chemikalien und Mineralöl missbraucht.

Profiteure gibt es reichlich. Diejenigen, denen man das am leichtesten nachsieht, sind die meist in Südostasien rekrutierten Besatzungen, deren Heuer nach westeuropäischen Maßstäben mickrig ist, in der Heimat aber Großfamilien ernährt. Die Prestige fährt unter der Flagge der Bahamas, gehört einer liberianischen Gesellschaft und wird von Griechenland aus verwaltet. Diese Art der Streuung ist mittlerweile typisch, von ihr profitieren auch deutsche Reedereien und Abschreibungsgesellschaften.

Deren Druck zur Minimierung der Transportkosten ist nicht zu unterschätzen. Jeder Tag Liegezeit kostet viel Geld, und die Kapitäne haben sich dafür zu rechtfertigen. Kein Reeder wird je zugeben, er habe seinen Kapitän ins Abenteuer gehetzt. Aber die Liste der Havarien belegt, dass immer wieder Abkürzungen durch gefährliche Gewässer eingeschlagen werden und die Schiffe auch bei Sturmgefahr auslaufen. Hindern kann sie kein Hafenkommandant daran. Der mächtige Dumpingdruck auf See hat eine Entsprechung im Gütertransport auf den Straßen: Wann immer in Europa die Lastwagen und ihre Fahrer effizient kontrolliert werden, fällt ein erheblicher Teil wegen Sicherheitsmängeln auf.

Die Prestige mag kein Seelenverkäufer gewesen sein, sondern nur einer der zahllosen Tanker, die noch bis 2015 ohne doppelte Hülle unterwegs sein dürfen. Es dümpeln aber genug Schrottkähne über die Weltmeere. Das zeigt, dass weder auf die Klassifizierungsgesellschaften noch auf die Flaggenstaaten Verlass ist.

Die Schiffe müssen viel umfangreicher als bisher in den Häfen der EU-Staaten überprüft werden. Das setzt konzertiertes Vorgehen voraus, da sonst der eine Hafenstaat davon profitiert, dass ein anderer gemieden wird, weil dieser strengere Maßstäbe anlegt. Dazu müssen die EU-Länder so lange bereit sein, solange nicht im globalen Maßstab ökologische und soziale Mindeststandards heraufgesetzt werden.

Es ist auch nicht in Ordnung, dass immer wieder die Meeresanrainer auf einem Teil ihres Schadens sitzen bleiben – in diesem Falle Spanien. Zu fordern ist eine viel weiter gehende Haftungs- und Versicherungspflicht. Das verteuert
diverse Produkte für die Konsumenten, ist aber nur gerecht: Warum sollen die Küstenbewohner diesen Preis zahlen?


Schwarze Pest an der Todesküste

Zum dritten Mal seit 1976 ist Galicien von einer gigantischen Ölkatastrophe betroffen.
Von Peter Burghardt

(SZ vom 20.11.2002) Galicien wurde gerade erst wach, als die neue Horrormeldung eintraf. Am Dienstagmorgen um acht Uhr hieß es, die Prestige sei auseinander gebrochen; das hatte man seit Tagen befürchtet. Dann präzisierten Experten, der Tanker sei vorläufig bloß geknickt, die beiden Teile hingen noch lose aneinander, aber das machte die Lage nicht besser.

Das Geisterschiff trieb 133 Seemeilen westlich von Finisterre im Atlantik, gezogen von fünf Schleppern, die es aufs offene Meer hinausgezerrt hatten; nun drohte es zu sinken. In seinem müden Bauch lagerten noch 70.000 Tonnen Schweröl, die ein noch gewaltigeres Desaster anrichten konnten als das ohnehin schon eingetretene, und so war ungewisser denn je, wie diese Odyssee enden würde.

4000 Tonnen Pest schwappten breits ans Ufer

Die ersten Boten der Tragödie hatten das Land längst erreicht. Mindestens 4000 Tonnen der schwarzen Pest schwappten bereits dem zerklüfteten Ufer entgegen, seit per Notruf vor einer Woche das Leck in der Bordwand der Prestige gemeldet worden war. Auf mehr als 130 Kilometern Länge hat sich in unterschiedlicher Stärke ein schmieriger Film wie ein dunkles Leichentuch auf die Costa da Morte, die Todesküste, gelegt, verklebt Federn, Felsen, Sand.

Schon nähert sich die zweite Welle aus dem Kielwasser des Havaristen, das auf der Irrfahrt zurückblieb, 130 Kilometer lang, neun Kilometer breit und bis zu 40 Zentimeter dick, ein grässlicher Bandwurm. Die Strömung drückt den stinkenden Teppich fetzenweise gegen die Klippen; bedroht sind auch die wunderschönen Buchten der Rias Bajas sowie die vorgelagerten Inseln, derweil Kritiker bezweifeln, ob die eingeschlagene Taktik zur Abwehr der Ölpest geeignet war.

Behörden stritten über Zuständigkeit

Ja, behauptet die spanische Verwaltung. Man habe „die größte ökologische Katastrophe der Geschichte“ vermieden, indem die Prestige abgedrängt und künstliche Barrieren errichtet worden seien. Das Ziel der Schlepper war die 200-Meilen-Zone, wo die internationalen Gewässer beginnen. Am Dienstag wurde darum gefeilscht, ob mittlerweile portugiesisches Hoheitsgebiet erreicht worden sei.

Lissabon weigerte sich jedenfalls, einen Nothafen für den leckgeschlagenen Tanker zu öffnen – es handle sich bereits jetzt um eine ökologische Katastrophe, erläuterte Ministerpräsident Manuel Durao Barroso. Umweltschützer allerdings hatten Spanien frühzeitig aufgefordert, die Ladung des Havaristen abzupumpen, statt ihn aufs offene Meer hinauszuziehen. „Wir verstehen das nicht“, klagte Juan Lopez de Uralde, der Direktor von Greenpeace Spanien, „die Technik war da.“

Griechischer Kapitän in Untersuchungshaft

Die Suche nach den Schuldigen ist ohnehin in vollem Gange. Der griechische Kapitän befindet sich in Untersuchungshaft, er soll grob fahrlässig gehandelt und die Zusammenarbeit mit den Bergungskräften verweigert haben. Der galicische Fischereiverband und die Stadtverwaltung von La Coruna wollen sich der Klage gegen die Reederei anschließen; der Zustand der 1976 gebauten Prestige sei bereits mehrfach beanstandet worden, auch fehlt das heutzutage übliche Schutzsystem mit doppelter Tankwand. Spaniens Regierung kritisiert außerdem mangelnde Aufmerksamkeit der Behörden von Gibraltar, wohin die Prestige unter der Billigflagge der Bahamas unterwegs gewesen sein soll, was Großbritannien bestreitet.

Im galicischen Regen fließen unterdessen Tränen, und manche Betroffene werden rot vor Zorn. Am Dienstag eilte Innenminister Mariano Rajoy, selbst Galicier, in das Krisengebiet und versprach schnelle Säuberung der Küsten und Schadensersatz. Zuvor hatte bereits die Regionalregierung unter Leitung des ehemaligen Franco-Ministers Manuel Fraga jedem Fischer 30 Euro pro verlorenem Verdiensttag versprochen. Ein schwacher Trost, viele leiden noch unter den Folgen der Tankerunglücke von 1976 und 1992, die Gegend gehört zu den ärmsten Spaniens. Bis auf weiteres wurde an der Todesküste Fischereiverbot erlassen.

Dabei stünde das Adventsgeschäft bevor, der Höhepunkt des Jahres. Der Preis für eine Meeresfrüchtespezialität namens Percebes, die in der Brandung vom Fels gekratzt werden, steigt dabei auf 120 Euro pro Kilo. Jetzt wären sie sogar noch wesentlich teurer, denn die Besten dürfen nicht mehr gepflückt werden. „Diese Weihnachten gibt es flüssige Kohle“, sagt ein resignierter Fischer vom Kap Roncudo, und womöglich kommt es noch schlimmer.

Am Nachmittag begann draußen im Ozean, das Heck der Prestige langsam zu verschwinden, der Anfang vom Ende. Man wisse nicht, ob weiteres Öl ausgetreten sei, meldete Lars Walder, der Sprecher des niederländischen Bergungsunternehmens SMIT. „Im Moment treiben beide Seiten noch im Meer, und wir versuchen, sie von den Schleppern loszumachen.“ Gehen sie unter, dann könnten riesige Mengen des giftigen und extrem schwefelhaltigen Schweröls auslaufen. Insgesamt war ungefähr doppelt so viel an Bord wie 1989 beim Unglück der Exxon Valdez vor Alaska. Die Konsequenzen seien frühestens in zwei Monaten abzuschätzen, erklärte der galicische Fischereiminister Enrique Lopez. Greenpeace-Mann Uralde ist deutlicher: Dem empfindlichen Biosystem drohe „ein Schaden von Jahren“.


„Prestige“ war sicherheitsgeprüft

Vom alljährlichen Check bis zu einer Spezialuntersuchung im vergangenen Jahr hat die „Prestige“ alle TÜV-Regeln eingehalten.
Von Meite Thiede

(SZ vom 20.11.2002) - Mit ihren 26 Jahren war die Prestige hoch betagt, und mit ihrer einwandigen Stahlhülle gehörte sie auch nicht zu den sichersten Schiffen. Aber als rostiger „Seelenverkäufer“ kann sie nach den weltweit vereinbarten Regeln dennoch nicht bezeichnet werden. Der unter der Flagge der Bahamas fahrende Tanker hatte alle nötigen Papiere, die belegen, dass er den internationalen Vorschriften über die Sicherheit von Schiffen voll entsprochen hat.

Erst im vergangenen Mai hatte der alljährliche Check in Dubai stattgefunden; ein Jahr zuvor war in Guangzhou in China eine Spezialuntersuchung im Trockendock vorgenommen worden. Beide Male ohne nennenswerte Beanstandungen, teilte das American Bureau of Shipping (ABS) mit. ABS gehört zu den größten Klassifizierungsgesellschaften, die als „Schiffs-TÜV“ die Sicherheit fast aller auf den Weltmeeren verkehrenden Schiffe prüfen. Die Standards legt die International Maritime Organisation (IMO) fest, die eine Unterorganisation der Vereinten Nationen ist.

Ältere Tanker müssen alle zweieinhalb Jahre zum TÜV

Fast nach jedem Tankerunfall werden die Vorschriften ein wenig schärfer. Nach dem Untergang der Erika Ende 1999 vor der Bretagne zum Beispiel wurden die Prüfintervalle verkürzt: Tanker, die älter als 15 Jahre sind, müssen seither alle zweieinhalb statt alle fünf Jahre zum TÜV. Auch kann ein Reeder sich seitdem nicht mehr durch den Wechsel der Klassifizierungsgesellschaft den Sicherheitstests entziehen.

Die wohl wichtigste Vorschrift für den Schutz der Umwelt wurde 1992 in der so genannten Marpol-Konvention festgelegt. Danach müssen seit 1996 alle Tankerneubauten eine doppelte Stahlhülle bekommen. Entscheidend für den Schutz der Umwelt aber ist die Behandlung der älteren Schiffe: Alle vor 1980 gebauten Tanker müssen bis zum Jahr 2005 verschrottet werden. Doch es gibt Ausnahmen: Je nach Alter und Größe der Schiffe sind die Fristen bis 2007 oder 2015 dehnbar. Die europäischen Länder haben die Möglichkeit, Tankern, für die diese Ausnahmen gelten, die Einfahrt in ihre Häfen zu verbieten.

Nur 900 Schiffe mit Doppelhülle

Die einwandige Prestige gehörte nicht zu einer Minderheit: In der etwa 11000 Schiffe umfassenden Welt-Tankerflotte befinden sich rund 7000 hochseetaugliche Öl- und Ölproduktenschiffe, von denen aber nach der Statistik der Klassifizierungsgesellschaft Germanischer Lloyd (GL) nur etwa 900 eine Doppelhülle haben. Nach Einschätzung des GL hätte ein doppelter Rumpf das Unglück vor der spanischen Küste möglicherweise verhindern können.

Allerdings müssten solche Havarien als Risiken der Schifffahrt einkalkuliert werden, solange noch einwandige Tanker auf den Weltmeeren verkehrten. Weder das Alter noch mangelnde Wartung waren nach Meinung des GL für das Unglück verantwortlich.

Die Prestige hatte in Riga 77000 Tonnen Öl aufgenommen und war auf dem Weg nach Singapur. Die Öltransporte aus den baltischen Häfen haben sich seit Mitte der 90er Jahre mehr als verdoppelt. Für den Handel mit Ölprodukten ist es nichts Ungewöhnliches, dass ein Schiff Zehntausende Meilen zurücklegt, obwohl es unterwegs Dutzende Raffinerien passiert, die das geladene Produkt ebenfalls herstellen. Frachtraten wie Ölpreise steigen und fallen täglich, und es kommt sogar vor, dass ein Schiff in einem Hafen beladen wird, obwohl der Abnehmer der Fracht und damit der Bestimmungshafen noch gar nicht feststehen.

Reederei der Prestige ist die griechische Universe Maritime Ltd.; zum Zeitpunkt der Havarie war das Schiff an die Schweizer Crown Ressources verchartert. Nach Angaben von Universe war der Bestimmungshafen der Prestige nicht, wie zunächst von spanischen Behörden mitgeteilt, Gibraltar. Dort sei nur ein Zwischenstopp geplant gewesen, um die nächste Order aufzunehmen. Der Tanker habe zwar in der Vergangenheit – letztmalig im Juni – Gibraltar angelaufen; diesmal aber sei kein Bunkern vorgesehen gewesen. Nach Meinung der Tankerbranche hat die spanische Öffentlichkeit lediglich eine Chance gesehen, Gibraltar zu kritisieren, nachdem deren Einwohner jüngst abgestimmt hätten, ihren Status einer britischen Kolonie beizubehalten.


__________________
Sesshoumaru-sama, Lord of the Western Lands
GVD

20.11.2002, 12:25
Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Sesshoumaru senden Homepage von Sesshoumaru Schicke Sesshoumaru eine ICQ-Nachricht  
[  «    1  2  3  4  ]   « Vorheriges Thema Nächstes Thema » Standard | Brettstruktur | Baumstruktur
Antwort erstellen Neues Thema erstellen
Gehe zu:

Powered by: Burning Board 1.1.1 © 2001 WoltLab GbR
Code-, Style- und Templateanpassung © 2004 by Sesshoumaru
Seitenabrufe pro Tag im Durschschnitt: 14742.79
.: Kontakt :. | .: Impressum / Disclaimer :.