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Shirarch





Dabei seit: August 2002
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Beiträge: 238
Shirarch ist offline
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Ich habe auf einer Webseite über Wildtiere http://www.hsus.org/ace/14488 ein heftiges Videos (teils geheim gefilmt) gesehen. Ich dachte ich stell es mal rein, weil es ja auch zum Thema paßt.

http://stream.realimpact.net/?file=reali...res/big-top.smi

Man braucht aber den Realplayer

27.11.2002, 09:24
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Panther
Pantherkönig




Dabei seit: Juni 2002
Herkunft: Camargue/France
Camargue (F)
Beiträge: 734
Panther ist offline
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fuer mir haben tiere gefuehle. sie sind fuer mir lebewesen. und lebewesen sind auch die menschen.

aber ich muss zugeben. ich mag den zirkus. bis dahin waren mir gewiss dinge nicht so klar, wie sie in diesem sachlichen artikel dargestellt worden sind. ich habe verstanden und meine ansichten in bezug auf wildtiere in zirkus geandert fuer mich.

ich werde zirkus weiter moegen, aber auf andere art. es gibt in die zwischenzeit ganz spannende zirkusunternehmen, die auskommen ohne tierdressuren. haben diese das schon laenger erkannt oder bauen sie auf andere prinzipien der zirkuskunst?

danke fuer die wirklich gute artikel, fundiert und klar, so dass ich konnte verstehen.


__________________
Panther Koenig Jamie oder auch CJP ...

16.10.2002, 07:13
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Appaloosa
Löwe




Dabei seit: Januar 2002
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Sachen (DE)
Beiträge: 220
Appaloosa ist offline
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Zitat:
Original von Spiritus, der Panther
Spritus, Animus, Sophus... Seele, Herz, Verstand...
Leider beziehen die meisten Menschen diese 'menschlichen' Eigenschaften noch immer nicht auf Tiere. Was ist menschlich? Liebe, Mitleid, Freundschaft? Keineswegs, denn all diese 'Menschlichkeiten' besaßen Tiere schon lange, bevor die Evolution an die Menschen auch nur einen Gedanken verschwendet hat. Menschlichkeit: Egoismus, Gier, Schadenfreude, Verachtung, das ist menschlich. Und es ist schwer, dies alles von sich zu weisen, jeden Tag muss man sie bekämpfen, damit man 'menschlich' bleibt.
Inspiration, Liebe, Abwechslung, das braucht jedes Wesen, egal ob auf zwei oder vier Beinen, Schwingen oder Flossen, ansonsten kommt Manus ans Licht... und das ist nicht erfreulich.

Spiritus, auf der ewigen Suche... nach Verständnis


Es ist nicht von der Hand zu weisen, was du geschrieben hast.

Ich werde das Thema von der (kalten) logischen Seite , sowie aus der Seite der Forschung betrachten, soweit es mir möglich ist:

[IMHO]Das Manko ist, dass der Mensch nur eine oberflächliche Beziehung zu Tieren hat. In meinem Fall heisst das, dass die Mensch-Tier-Beziehung im Vergleich zur Tier-Tier-Beziehung (innerhalb einer Tierart zb. Löwe-Löwe oder Tiger-Tiger etc. was sonst ) nur oberflächlich ist, dies fängt schon teilweise bei der Kommunikation an.
Daher ist es nicht zu 100% möglich festzustellen, ob das Tier Gefühle hat, Freundschaft oder Liebe empfindet. Erschwerend kommt hinzu , das Tiere so gut wie keine Emotionen zeigen können, wie weinen, lachen etc. (für uns Menschen wichtig um zu urteilen!).
Tja und die heutige Verhaltensforschung stützt sich weitgehenst auf die Reaktionen eines Tieres. Ich denke mal, dass in diesem Forschungsbereich noch sehr, sehr viel offen ist - dies betrifft auch die neuronale Forschung, denn da stehen wir noch ganz am Anfang. Bis wir Klarheit haben werden, wird noch sehr, sehr viel Zeit vergehen oder wir werden es nie erfahren. [/IMHO]

Ich denke das Tiere zu mehr fähig sind als wir Menschen erahnen können.


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@Shir Khan: Sehr guter Artikel von Frau Walden, hat mir sehr gefallen.
Es kot** mich an, dass der Mensch die Tiere als Lebewesen 2. Klasse betrachtet.



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MfG Appaloosa

Dieser Beitrag wurde von Appaloosa am 16.10.2002, 01:28 Uhr editiert.

16.10.2002, 00:39
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Spiritus, der Panther
Träumer




Dabei seit: Oktober 2002
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Spiritus, der Panther ist offline
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Spritus, Animus, Sophus... Seele, Herz, Verstand...
Leider beziehen die meisten Menschen diese 'menschlichen' Eigenschaften noch immer nicht auf Tiere. Was ist menschlich? Liebe, Mitleid, Freundschaft? Keineswegs, denn all diese 'Menschlichkeiten' besaßen Tiere schon lange, bevor die Evolution an die Menschen auch nur einen Gedanken verschwendet hat. Menschlichkeit: Egoismus, Gier, Schadenfreude, Verachtung, das ist menschlich. Und es ist schwer, dies alles von sich zu weisen, jeden Tag muss man sie bekämpfen, damit man 'menschlich' bleibt.
Inspiration, Liebe, Abwechslung, das braucht jedes Wesen, egal ob auf zwei oder vier Beinen, Schwingen oder Flossen, ansonsten kommt Manus ans Licht... und das ist nicht erfreulich.

Spiritus, auf der ewigen Suche... nach Verständnis


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In Gedenken an Jamie Morand a.k.a. Pantherkönig
Vom 31.07.1975 bis 22.02.2003
Don't know where you are, but I'm whit you..

Das Leben ist der Sinn...

15.10.2002, 21:09
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Sesshoumaru
sama




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Themenstarter Dieses Thema wurde von Sesshoumaru gestartet
  Zirkus - Der falsche ZauberAntwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

Zirkus - Der falsche Zauber

Dressierte Tiere im Zirkus gelten noch immer als "Attraktion". Die kurzen Auftritte in der Manege, von Musik und Applaus umrauscht, vermitteln dem Publikum, besonders den Kindern, die Illusion, dass es diesen Tieren gut geht. In Wahrheit sind Zirkustiere zu einem erbärmlichen Leben verurteilt.

Viele Menschen haben längst erkannt, dass Tiernummern im Zirkus nicht mehr dem heutigen Verständnis von Tieren entsprechen. In manchen Ländern (etwa in den skandinavischen) sind fast alle Wildtiere im Zirkus schon lange verboten. In Österreich haben die Bundesländer eine entsprechende Vereinbarung beschlossen. Viele Städte und Gemeinden (z.B. in Kanada, Italien, USA) verweigern solchen Unternehmen den Auftritt auf öffentlichem Grund. Verhaltensforscher und Zoologen bemühen sich aus Fachkenntnis zunehmend darum, die üble Tradition der Zurschaustellung "wilder" Tiere zu Unterhaltungszwecken abzuschaffen.

In Deutschland gibt es über 250 (!) reisende Zirkusunternehmen, wobei noch Gastspiele ausländischer Unternehmen hinzukommen. Ein Gesetz, das die Haltung und Dressur von Zirkustieren regelt, gibt es nicht - in einem Land, in dem sonst bekanntermaßen alles und jedes geregelt wird. Das grobmaschige Tierschutzgesetz beschäftigt sich nicht speziell mit Exoten. Die Anregungen in den so genannten "Leitlinien" für Zirkusbetriebe, die im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums erstmals 1990 aufgestellt und zehn Jahre später ein wenig überarbeitet wurden, enthalten nur minimale Anforderungen, die obendrein von Ausnahmen durchlöchert sind und denen überhaupt keine rechtliche Verbindlichkeit zukommt. Ähnliche Leitlinien ohne Gesetzeskraft gibt es für Reptilien, Pferde und Säugetiere allgemein.

Veterinärbehörden schauen - wenn überhaupt - nur oberflächlich nach, ob allzu krasse Abweichungen vom "Üblichen" vorliegen, etwa ansteckende Krankheiten oder auffälliger Schmutz. Sie verfügen in der Regel auch nicht über Experten für Wildtiere. Gewöhnlich sind sie froh, wenn der Zirkus nach einigen Tagen aus ihrem Zuständigkeitsbereich mit unbekanntem Ziel verschwindet. Staatsanwälte stellen Anzeigen meist wegen Geringfügigkeit ein. Die Beschlagnahme selbst extrem schlecht gehaltener Tiere scheitert meist schon daran, dass es keine geeigneten Auffangstationen gibt. Allenfalls müssen die Zirkusleute mit ein paar Auflagen rechnen, nach denen am nächsten Spielort niemand mehr fragt.

Warum lieben wir den Zirkus?
Der "Zauber der Manege" hat eine starke Wirkung. Für die meisten Menschen verbinden sich damit ungetrübt schöne Kindheitserinnerungen - bunte Pracht, glitzernde Kostüme, aufregende Darbietungen von Artisten, Seiltänzern, Jongleuren, mitreißende Musik, tollpatschige Clowns - und die fabelhaften Tiere, die so erstaunliche Kunststücke vorführen, bilden eine Einheit. Ein Besuch im Zirkus ist immer etwas Besonderes, ein festliches Ereignis für die Familie, das aus dem Alltag herausfällt, oft eine Belohnung für Kinder.

Solche Eindrücke setzen sich im Gefühl fest. Aus den Kindern werden Eltern, die das verklärte Erlebnis nostalgisch als ein Stück unbeschwerter "heiler Welt" in sich tragen und ihren eigenen Kindern weitergeben möchten. Damit arbeiten sie, ohne es zu wollen, einer Einrichtung zu, die es verstanden hat, Tierquälerei als fröhliches Geschehen zu tarnen. Kritiker gelten als Spielverderber. Auch Prominente und Politiker schmücken sich hier gern mit ihrer "kindlichen Naivität", damit man sie lieb hat.

Wie leben Tiere im Zirkus?
Die Tradition und die positive Besetzung des Zirkuserlebnisses erlauben es, noch die auffälligsten Missstände zu übersehen. Wo etwa wäre der Grundsatz des Tierschutzgesetzes erfüllt, Tiere artgerecht zu halten und verhaltensgerecht unterzubringen? Wie kann etwa die - lebenslange (!) - Unterbringung eines Nilpferds in einem Wasserbecken, in dem es gerade mal Platz hat, diesem Grundsatz entsprechen? Kann es der Natur eines Panthers gemäss sein, sein Leben in einem Käfig zu verbringen, der nur zwei, drei Schritte Bewegung erlaubt?

Wer seine eigene Vernunft sprechen lässt, muss eigentlich sofort erkennen, dass es völlig unmöglich ist, Tiere im Zirkus artgerecht zu halten.

Alle Wildtiere sind evolutionär auf sehr viel Raum angewiesen, meist auf viele Quadratkilometer. Sie müssen laufen, springen oder klettern, schwimmen oder fliegen. Diese Bedürfnisse werden lebenslänglich nicht erfüllt. Man muss kein Zoologe sein, um zu begreifen, dass allein diese permanente Entbehrung eine permanente Qual darstellt.

Die verschiedenen Tierarten haben darüber hinaus viele weitere angeborene Anlagen. Elefanten etwa leben natürlicherweise in Familienverbänden mit ausgeprägten Bindungen zwischen Eltern, Kindern und Verwandten, in einer sinnvollen Ordnung. Löwenmütter hat wohl schon jeder Fernsehzuschauer beim zärtlichen Umgang mit ihren Kindern beobachtet. Giraffen und Zebras sieht man in großen Herden über die Steppe ziehen. Flusspferde drängen sich dicht an dicht in Gewässern. Andere, wie etwa Stachelschweine, sind Nachttiere, denen das Tageslicht weh tut, Bären brauchen Höhlen, Badestellen, Winterschlaf.

Von Affen weiß jeder Mensch, wie bewegungsfreudig und unternehmungslustig sie sind und was für interessante, komplizierte Beziehungen sie untereinander pflegen. Was Affen wie der im Zirkus besonders beliebte Schimpanse, dessen genetische Anlagen zu 98,4 Prozent mit denen des Menschen identisch sind, in lebenslanger Gefangenschaft erdulden müssen, kann man sich auch mit wenig Phantasie vorstellen. Schließlich ist dies die höchste Strafe, die unsere Gesellschaft für schwere Verbrechen vorsieht. Welche Verbrechen hat der Schimpanse begangen?

Zahllose Verhaltensmuster, die den "wilden Tieren" von der Natur mitgegeben sind und die für sie eine innere Notwendigkeit darstellen, können auch im besten Zirkus niemals ausgelebt werden. Dafür fehlt schon ganz einfach der Raum und die artgemäße Umgebung. Angeborenes soziales Verhalten kann nie ausgelebt werden, da die Tiere nur Schauzwecken dienen und daher meist einzeln leben müssen, ohne die vielfältigen Kontakte zu Artgenossen.

Transport, Klima, Ernährung - die schleichende Folter
Jeder Zirkus reist. Ein paar Monate im völlig reizarmen Winterquartier - im Frühjahr, Sommer, Herbst wird dann umhergezogen. Der Aufenthalt an den Spielorten dauert meist nur ein paar Tage. Die mitgeführten Tiere "reisen" nicht - sie werden transportiert. Das bedeutet, dass sie über lange Strecken in kleinstmöglichen Käfigen eingepfercht sind und nur minimal versorgt werden können. Wie können solche Transporte "artgerecht" sein?

Alle "exotischen" Zirkustiere verbringen ihr Leben in einem ihnen nicht gemäßen Klima. Sie stammen aus den Tropen, aus dem Dschungel oder, wie etwa der riesige Kodiakbär, aus der Arktis. Selbst die Minimalempfehlungen der "Leitlinien" können in der Praxis kaum erfüllt werden. Für kälteempfindliche Tiere wie Elefanten, Nashörner, Flusspferde ist eine Heizung vorgesehen, was besonders bei kleineren Zirkusbetrieben schon am Geld scheitert. Höchst unwahrscheinlich, dass "die arttypischen Anforderungen der Tiere an Temperatur und Frischluftzufuhr" an all den verschiedenen Spielstätten und bei den Transporten berücksichtigt werden. Zum artgemäßen Klima gehört auch etwa die Feuchtigkeit oder Trockenheit der Luft, Wind und Sonne, Jahreszeitenwechsel, tropischer Regen oder Eiseskälte, je nach den Witterungsverhältnissen der Gegenden, an die die Tiere seit Jahrmillionen evolutionär angepasst sind.


Die Ernährung dürfte bei den größeren Zirkusunternehmen einigermaßen ausreichend sein, bei kleineren ist sogar das nicht immer der Fall. Viele müssen in den Fußgängerzonen der Städte um das Nötigste betteln, besonders im Winter. Auch ist es nicht damit getan, dass die Tiere satt werden. Die Vielfalt von Nähr- und Ergänzungsstoffen, die in der Natur instinktsicher aufgenommen werden, kann ihnen nicht zugeführt werden. Von wissenschaftlich halbwegs abgesicherten Kenntnissen des Ernährungsbedarfs kann bei dem Personal der Zirkusbetriebe nicht die Rede sein. Außerdem dient die Nahrungsaufnahme in der Freiheit nicht nur der Stillung des Hungers. Wildtiere sind darauf eingerichtet, ihre Nahrung zu suchen, auszuwählen oder zu erbeuten. Mit diesen Vorgängen, die unter natürlichen Umständen einen großen Teil ihres Lebensinhalts darstellen, gehen biologisch-chemische und psychologische Prozesse Hand in Hand. Nur hingeworfenes Essen aufnehmen macht die Tiere stumpfsinnig.

An sachgemäße ärztliche Betreuung und Behandlung im Krankheitsfall ist nicht zu denken, da Fachveterinäre für exotische Tiere (noch dazu für die unterschiedlichsten Arten) sehr selten sind und von den meist ländlichen Spielorten aus kaum erreicht werden können.

Viele Tiere werden krank und sterben, von der Öffentlichkeit unbemerkt, an der Unzulänglichkeit der Ernährung, den klimatischen Bedingungen, den Belastungen der Transporte und der ständigen Ortswechsel. Von Stress, Angst, Orientierungsverlust, Krankheiten, Einsamkeit gequält, vegetieren die aus fremden Zonen verschleppten "Künstler" vor sich hin.

Dressur - die Abrichtung zum Automaten

In den letzten Jahren bemühen sich die Zirkusbetreiber darum, den Besuchern einzureden, dass ihre Tiere ohne Gewalteinwirkung die von ihnen verlangten Kunststücke erlernen und vorführen. Die allergrausamsten Methoden, wie sie Jahrhunderte lang gang und gäbe waren, etwa Bären auf glühenden Platten das "Tanzen" beizubringen, systematisches Prügeln oder Stechen mit spitzen Eisenstangen mögen in den besseren Zirkusbetrieben nicht mehr der Alltag sein. Doch gehören sie noch keineswegs überall der Vergangenheit an. Das "Training" ist in der Regel nicht öffentlich, niemand kontrolliert die Mittel und Wege, mit denen Gehorsam erzwungen wird.

Aber auch die sogenannte "sanfte Dressur", derer sich besonders die namhaften Unternehmen der Branche rühmen, ist niemals tiergerecht. Kein freundliches Zureden allein bringt einen Elefanten dazu, sich mit seinem ganzen Gewicht einbeinig auf einem Schemel zu erheben oder überzeugt einen Löwen, seine natürliche Angst vor Feuer zu überwinden und durch einen Feuerreifen zu springen. Die Dressurmethoden mögen zum Teil etwas subtiler geworden sein, aber in jedem Fall bleibt das Prinzip "Strafe und Belohnung" erhalten. Strafe ist mindestens Futterentzug, also Hungernlassen, oft genug die Zufügung von Schmerzen. Angeblich fordere man Zirkustieren nur Leistungen ab, die im Bereich ihrer natürlichen Anlagen liegen. Richtig ist daran nur, dass man Nilpferde nicht zum Fliegen oder Giraffen nicht zum Seilhüpfen abrichten kann. Aber Bären, die Schlittschuh oder Rollschuh fahren, sind nach wie vor eine beliebte Unterhaltung - ist das im Rahmen "natürlicher Anlagen"? Liegt es in der Natur von Elefanten, auf Melkschemeln zu balancieren? Zumindest werden potentielle Verhaltensweisen ausgebeutet, zu denen die Tiere sonst nur in Extremsituationen fähig sind, so etwa wenn sie die Angst vor Feuer oder Lärm überwinden müssen, um einer noch größeren akuten Gefahr auszuweichen. Angst vor dem Peitschenknall und der dadurch signalisierten bevorstehenden Strafe muss einen solchen Auslöser für den Einsatz extremen Verhaltens ersetzen.

Dressur ist in jedem Fall Gewaltausübung. Immer muss der Wille des Tieres gebrochen und in die Richtung gezwungen werden, die derjenige vorgibt, der die Macht ausübt. Im Rahmen der permanenten Gefangenschaft hat das Tier gar keine andere Wahl, als sich dem Willen seiner Beherrscher zu fügen. Sein Gehorsam ist Resignation. Was geschieht wohl mit den Tieren, denen es nicht gelingt, ihren natürlichen Willen aufzugeben - und dadurch ihre Futterkosten und den Erfolg ihrer Dompteure einzuspielen?

In jedem Fall wird das dressierte Tier seiner Würde beraubt. Es wird zum Automaten degradiert, zu einem Roboter ohne eigenen Willen.

Psychische Leiden - das übersehene Innenleben
Im Zirkus sieht das Publikum nur eine äußere Hülle wirklicher Tiere. Zirkusbesucher halten sich in der Regel für tierlieb und bewundern die Schönheit und Geschicklichkeit ihrer Lieblinge. Es ist schon zufriedenstellend, wenn sie äußerlich unverletzt und gut genährt wirken. "Wie's da drinnen aussieht," scheint niemanden zu bekümmern. Das ist eine Folge der antiquierten, aber immer noch im Unterbewusstsein verankerten, Vorstellung, dass Tiere kein Innenleben, keine Individualität, keine "Seele" haben.

Tierpsychologie und Verhaltensforschung fördern nahezu täglich Beweise dafür zutage, dass diese Auffassung völlig an der Realität vorbeigeht - und jeder Haustierhalter weiß aus Erfahrung, dass sein Tier Gefühle hat. Warum sollte für Wildtiere nicht gelten, was für Hund und Katze gilt? Im Gegenteil, Haustiere, die bei ihren Familien leben, können kurzfristige Einschränkungen ihres inneren Wohlgefühls leichter ertragen, wenn sie in ihre sonst zufriedenstellende Situation eingebettet sind. Wildtiere hingegen müssen nahezu alles entbehren, wonach es sie innerlich verlangt.

Gewiss entwickeln einzelne Tiere zu manchen Betreuern auch Zutraulichkeit. Doch den allergrößten Teil ihrer psychischen Bedürfnisse kann ihnen auch freundliche Behandlung nicht ersetzen. Bewegung etwa ist nicht nur ein äußerer Vorgang, sie ist so sehr Teil der Freiheit, dass die Einschränkung der Bewegungsfreiheit ständigen Stress verursacht. Das gilt auch für die immer wieder geforderte Unterwerfung beim Einüben der Dressurakte. Wut und Hass können sich aufstauen. Wie immer wieder zu lesen ist, entlädt sich solcher Stau nicht selten, indem Tiere ihre Zuchtmeister oder andere Personen angreifen, verletzen oder töten. Dafür erhalten sie dann in der Regel die Todesstrafe.

Eine der schwersten Belastungen ist die furchtbare Langeweile, die in der - ausnahmslos immer zu engen - "Behausung" das tägliche, jahrelange Los der auf Anregung und Beschäftigung angewiesenen Tiere ist. Die Zirkusbetreiber bringen oft vor, dass ihre Tiere weniger der Langeweile ausgesetzt seien als Zootiere. Gewiss stellt der Auftritt, stellen auch die Proben ein bisschen Abwechslung in dem trostlosen Einerlei dar. Aber der Auftritt dauert wenige Minuten, das Training bedeutet Stress. Auslaufmöglichkeiten sind, wenn überhaupt vorhanden, auf winzigen und uninteressanten Raum beschränkt, ein paar Quadratmeter eingezäunter sandiger Fläche.

Trauer, Einsamkeit, Kummer um den einen oder anderen Gefährten, der ihnen manchmal zufällt und dann wieder abhanden kommt, Widerwille gegen aufgezwungene Nachbarn - die Skala der inneren Leiden dieser Arbeitssklaven kann jeder, der Einfühlungsvermögen und einige Kenntnis von den Anlagen der Tiere hat, selbst verlängern. Die Abwehrbehauptung, dies sei eine "vermenschlichte Sicht", greift längst nicht mehr, da die moderneren Forschungen, die sich nicht mehr von oben herab dem Tier nähern, die - biologisch bedingten - elementaren Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier auch im psychischen Bereich nachweisen, wenn auch natürlich in den jeweiligen, artspezifischen Abwandlungen. Eine "Vermenschlichung" hingegen liegt in der törichten Annahme, Affen oder Bären hätten Spaß daran, sich in albernen Verkleidungen mit albernen Kunststückchen zu präsentieren.
Tiere sind keine Automaten, die mittels Nahrungszufuhr "funktionieren". Sie haben ein hoch differenziertes Innenleben. Die dauerhafte Belastung, alle angeborenen Bedürfnisse zu unterdrücken und sich ohnmächtig einer von außen bestimmten, artfremden Lebensweise anpassen zu müssen, kommt einer psychischen Folter gleich. Das gilt auch für die quälende Langeweile der Beschäftigungslosigkeit, zu der sie für den weitaus größten Teil ihres Tageslaufs zeitlebens verurteilt sind.

Die pädagogische Gefahr - das Zerrbild von "wilden Tier"

Schon sehr kleinen Kindern wird durch den Zirkus ein falsches Bild von dem Wesen der Tiere vermittelt. Die Illusion ist perfekt, da die erzwungenen Leistungen auch noch Bewunderung erzeugen. Das betäubt die Frage danach, wie die tierlichen Artisten wirklich sind und wie ihnen zumute sein mag. Niemand scheint sich zu fragen, wo unFazit d wie sie ihr Leben außerhalb der Manege verbringen. Und selbst wenn die engen Käfige hinter den Kulissen sichtbar werden, realisiert kaum jemand, dass sie der lebenslängliche "Wohnraum" von Arbeitssklaven sind. Dass Käfige, Gitter, Peitschen und "wilde" Tiere zusammengehören, prägt sich als Selbstverständlichkeit ein.
Der Zirkus feiert die Herrschaft des Menschen über die Tierwelt. Er führt auf spielerische Weise vor, dass uns das "Recht" zustehe, über alle Geschöpfe dieser Erde nach Belieben zu verfügen. Wenn wir uns von Kindheit an daran gewöhnen, es für "normal" zu halten, dass Wildtiere nach unserer Peitsche zu tanzen haben, erlernen wir nicht den Respekt vor der Würde und dem Eigenleben anderer Wesen.

Fazit
Wildtiere gehören nicht in den Zirkus. Es gibt keine Möglichkeit, sie dort artgerecht zu halten. Sie müssen ihr Leben in kleinen Käfigen verbringen, haben kaum Bewegung, keinen natürlichen Kontakt mit Artgenossen, keine fachgemäße Betreuung. Sie sind einem fremden Klima und dem Stress häufiger Transporte ausgesetzt. Zirkustiere sind Zwangsarbeiter. Die kurzen Auftritte, die nur durch harten Drill möglich gemacht werden, täuschen das Publikum über ihr unglückliches Dasein hinter dem Manegenglanz hinweg. Kindern wird ein falsches Bild von dem wirklichen Wesen ihrer "Lieblinge" vermittelt, eine Karikatur. Der moderne Zirkus - und davon gibt es immer mehr - kommt ohne die Versklavung "wilder Tiere" aus und bietet mit den Leistungen freiwilliger menschlicher Artisten ein Vergnügen, das nicht mit Tierleid erkauft wird.


Das können Sie tun

Besuchen Sie keinen Zirkus, der Tiernummern im Programm hat !

Erklären Sie Ihren Kindern und deren Freunden, warum der Zirkus kein Vergnügen für die Tiere ist. Sprechen Sie auch mit anderen Eltern darüber.

Unterstützen Sie die Zirkusunternehmen, die ohne Tiere arbeiten, durch Ihren Besuch. Damit helfen Sie auch Ihren Kindern eine moderne Vorstellung vom Zirkus zu bekommen.

Schreiben Sie an Zirkusunternehmen, die in Ihrer Region mit Tiernummern werben, und erklären Sie ihnen, warum Sie solche Vorstellungen für nicht mehr zeitgemäß halten.

Fordern Sie Ihre/ n Bürgermeister/ in, auf, keine Gemeindegrundstücke für Zirkusbetriebe mit Tiernummern zur Verfügung zu stellen. Wenden Sie sich auch an das Veterinäramt und die Umweltschutzbehörde.

Schreiben Sie Leserbriefe an die lokalen Zeitungen.

Fordern Sie das Bundesumweltministerium oder das Ministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft auf, ein Gesetz gegen die Haltung von Wildtieren in Zirkussen auf den Weg zu bringen:
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 11055 Berlin, www.bundesumweltministerium.de
Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, 11055 Berlin, www.verbraucherministerium.de

Beteiligen Sie sich an Unterschriftenlisten gegen Tiere im Zirkus, und starten Sie selbst solche Aktionen.

Regen Sie Ihre Kinder dazu an, Listen anzufertigen und Unterschriften in der Schule zu sammeln oder z.B. Malwettbewerbe zu veranstalten, die das traurige Leben von Zirkustieren und ihr so ganz anderes Leben in Freiheit zum Thema haben.

Fordern Sie bei uns Material an, z.B. Flugblätter für Kinder, Hinweise auf Bücher oder Adressen von zuständigen Behörden.
Autorin: Sina Walden


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Sesshoumaru-sama, Lord of the Western Lands
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15.10.2002, 18:28
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