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Sesshoumaru
sama




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Der Wolf im BundeshausAntwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

Vor einem Jahr wurde im bündnerischen Bergell ein Wolf getötet, der zuvor Dutzende von Schafen gerissen hatte, worauf eine engagierte Wolfsdiskussion einsetzte. Am 23. September entscheidet der Nationalrat, ob er den unter Schutz stehenden Wolf zum Abschuss freigeben will.

MARKUS ROHNER

SOGLIO. «Dort drüben hat alles angefangen.» Emotionslos zeigt Margrit Zimmermann in der Küche ihres Wohnhauses in Soglio Richtung Südwesten. Im kleinen Weiler auf italienischem Boden, hoch über Villa di Chiavenna, habe der Wolf im Februar letzten Jahres seine ersten blutigen Spuren hinterlassen. Tage später war er im Bergell. «Die gerissenen Schafe boten ein Bild des Grauens», schaudert es die Bäuerin heute noch. Tote und halbtote Mutterschafe und Lämmer habe der Wolf in seinem «Blutrausch» auf Soglios Dorfweiden und Alpen zurückgelassen.
Keine leichten Zeiten für Bergeller Bauern: Wirtschaftliche Alternativen zur Schafzucht scheint es in diesem engen Bergtal keine zu geben. Und ausgerechnet jetzt, wo der Wolf Sorgen bereitet, pfuscht ihnen der Bund auf den Alpen mit neuen Sömmerungsvorschriften ins Handwerk. Er macht die Höhe der Subventionen von ökologischen Beweidungen abhängig. Auch wenn der böse Wolf im letzten Herbst zur Strecke gebracht worden ist, das Tier lässt die Menschen zwischen Malojapass und Castasegna bis heute nicht in Ruhe. Angst und Verunsicherung mischen sich immer wieder mit Wut und Verärgerung. Kommt Schafhalterin Zimmermann auf wolfsfreundliche Städter und die Tier- und Naturschützer von WWF und Pro Natura zu sprechen, fällt das Wort von den «so genannten Spezialisten», die ins Tal kämen und den Einheimischen weiszumachen versuchten, was sie zu tun hätten.
Ist Jörg Hess einer dieser «naiven Wolfsfreunde», über die im Tal des Wolfs so gespottet wird? Ein müdes Lächeln huscht über das Gesicht des Basler Zoologen, wenn er auf solche Kritik angesprochen wird: «Der Mensch betrachtet sich als privilegiertes Wesen, obwohl das Wildtier lange vorher hier war.» Das «Problem Wolf» ist für Hess hausgemacht: Früher habe man die Schafe gehütet, heute würden sie nicht selten während Tagen und Wochen unbeaufsichtigt der freien Natur überlassen. «Und dann staunen die Bauern, wenn sich ein Wolf auf ihre Herde stürzt.»
Der Wolf, der eines nachts plötzlich einer unbewachten Schafherde begegnet, folgt nur seinem natürlichen Instinkt. Er ist ein Raubtier, das seine Beute zu suchen, zu jagen und anschliessend zu töten hat. Er stürzt sich auf die wild herumrennenden Tiere, bis sich keines mehr bewegt. Fuchs und Marder verhalten sich im Hühnerstall nicht anders.

Rot- und andere Käppchen
Die allermeisten der in den letzten Monaten aktiv gewordenen «Wolfspolitiker», die vorwiegend aus Berggebieten stammen, sind für den Basler Zoologen Laien – nicht wenige von ihnen auf der Jagd nach Wählerstimmen. Allen voran Ständerat Theo Maissen, der sich am 22. September in Graubünden der Wiederwahl zu stellen hat. Der CVP-Politiker aus der Surselva hat im letzten Dezember in der Ständekammer eine satte 19-zu-8-Mehrheit gefunden, als er verlangte, den Wolf von der Liste der geschützten Tierarten zu streichen. Sollte am 23. September auch der Nationalrat der Motion zustimmen, wird hier zu Lande die Jagd auf den Wolf freigegeben. Damit begäbe sich die Schweiz in Widerspruch zur seit 1982 gültigen Berner Konvention über die Erhaltung der in Europa wild lebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume.
Von Populismus könne keine Rede sein, wehrt sich der angegriffene Politiker gegen Kritik aus dem «Wolfslager». Wenn Wölfe in die Schweiz einwanderten und dort unbemerkt blieben, störe das niemanden. Erst wenn Schaden entstünde, müssten die lokalen Jagdorgane dem bösen Tier den Garaus machen. Isegrim könnte dann unkompliziert und schnell mit der Flinte zur Strecke gebracht werden, ohne dass kantonale Jagdinspektoren oder das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) noch ein Wort mitzureden hätten. Maissen will mit seinem parlamentarischen Vorstoss den «absoluten Schutz» dieses Wildtieres verhindern: «Der schweizerische Alpenraum ist zu eng, zu dicht besiedelt und zu wichtig als touristischer Erholungsraum, als dass wir uns auf solche Experimente, die nur für einige wenige Spezialisten und Beamte von Interesse sind, einlassen dürften.» Das «Konzept Wolf Schweiz» mache klar, dass das Bundesamt die Bedürfnisse dieser Tiere weit stärker gewichte als die legitimen Interessen der Bergbevölkerung.

Der Büromensch in Bern
Willy Geiger, Vizedirektor im Buwal, ist einer jener Beamten, die sich berufeshalber auf den Wolf eingelassen haben. Für manch fanatischen Wolfsgegner ist er die Verkörperung des naiven Büromenschen, der am Buwal-Sitz in Ittigen bei Bern von sich behauptet, von den Wildtieren in den fernen Bergeller und Walliser Alpen etwas zu verstehen. «Im Buwal arbeiten keine weltfremden Technokraten, die von der Natur keine Ahnung haben», kontert der studierte Biologe. Der Entwurf des «Konzepts Wolf Schweiz» des Buwal basiere auf den vier Säulen Zusammenarbeit zwischen Bund und Kantonen, Prävention, Schadensvergütung und Information. «Das Konzept folgt dem Grundsatz, dass Schutzmassnahmen Vorrang haben gegenüber Entschädigungszahlungen.»
Ob es uns passe oder nicht, früher oder später würden wieder Wölfe in die Schweiz einwandern. «Dabei dürfen diese unter Schutz stehenden Tiere nicht als Tabu betrachtet werden», bleibt Geiger Realist. Wenn sich ein Tier ständig auf weidende Schafe oder Ziegen stürze, müssten Gegenmassnahmen in Betracht gezogen werden. Ist die Flinte das richtige Mittel dazu? «Die Schutzmassnahmen haben bei uns Priorität. Wir versuchen deshalb Modelle und Haltungsformen zu entwickeln, die sowohl die Schafhaltung auf den Alpen ermöglichen und die gleichzeitig die Schafe vor Angriffen durch Wölfe schützen sollen.»
Im Buwal werden Massnahmen geprüft, wie zwischen dem einwandernden Wolf und den im Berggebiet gehaltenen Nutztieren ein Konsens gefunden werden kann. Von Schafhirten und Schutzhunden ist die Rede, auch von Zäunen, die den Wolf von der Herde fernhalten sollen. Doch die Ansichten über deren Erfolg gehen weit auseinander.
Geiger, ganz nüchterner Verwaltungsmensch, lässt sich ob den unterschiedlichsten Interessen nicht aus der Ruhe bringen. Er weiss, dass mit dem Konzept Wolf der Kompromiss nur schwer zu finden sein wird. Am Schluss des Besuches erwähnt Geiger ein paar Zahlen, um das heiss debattierte und emotionsgeladene «Problem Wolf» in die richtigen Relationen zu setzen. In der Schweiz gab es im Jahr 2000 über 400 000 Schafe. Mehr als die Hälfte weidete im Berggebiet und auf den Alpen. Jährlich dürften etwa 10 000 Schafe während der Sömmerungszeit sterben: Sei es, dass sie abstürzen, an Krankheiten eingehen, von wildernden Hunden gerissen oder von Blitz oder Steinschlag getötet werden. Von Wölfen aber sind seit 1998 insgesamt 370 Nutztiere, vorwiegend Schafe, getötet worden. Macht pro Jahr im Schnitt etwa 100 Tiere, also zirka ein Prozent des geschätzten jährlichen Verlustes.

Der Wert des Lebens
Was ist eigentlich mehr Wert? Das Leben eines Schafes oder das Leben eines Wolfes? «Die Unterscheidung in nützliche Tiere und Schädlinge ist eine Projektion menschlicher Interessen in die Fauna», schreibt Jean-Claude Wolf, Dozent für Ethik und politische Philosophie an der Universität Freiburg i.Ü. Der Professor mit unbestreitbaren Sympathien zu seinem Namenstier will niemanden bestrafen, aber für ihn gilt es Wesen zu achten, «die ihr eigenes Wohl und Wehe haben, auch wenn sie vordergründig betrachtet keine Nutztiere sind». Schafe halte sich der Mensch, um mit ihnen das Gleiche zu tun, wie der Wolf: «Wir töten und essen sie und wollen mit ihnen auch noch Geld verdienen. Ein Schaf, das nichts abwirft, ist unerwünscht.» Wolf macht sich für den Wolf stark. Wir sind gewohnt, den Menschen als Mittelpunkt der Schöpfung zu betrachten, dem alles untergeordnet ist. Erwägungen über «lebenswertes Leben» müssten aber letztlich immer aus der Perspektive jener Wesen angestellt werden, deren Lebenswert zur Debatte steht.



Quelle: Winti-Guide.ch


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Sesshoumaru-sama, Lord of the Western Lands
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19.09.2002, 14:29
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Hier ein ganz interressanter Artikel zur Situation der Wölfe in der Schweiz. Wenn sich die Anti-Wolf-Lobby durchsetzt, dürfen Wölfe "unkompliziert und schnell mit der Flinte zur Strecke gebracht werden"

http://web.wolves.de/shownews.phtml?lang...lfnews&show=532


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Menschen haben trotz der Kraft ihrer Vernunft nicht die instinktive Weisheit der Wölfe.
Dr. Erich Klinghammer

Dieser Beitrag wurde von CleanerWolf am 19.09.2002, 12:40 Uhr editiert.

19.09.2002, 12:38
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