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Proud_Tigress
Tiger




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5. Die beiden Wölfe:

In einem dicken Wald, wo Wind und Hunger heulten,
War zweier Wölfe Sitz die sich in mancher Nacht
Nicht im Gebiss als Raubsucht heimgebracht,
Die sie recht brüderlich und ohne Missgunst teilten.
Allein sie hatten sich verirrt
Und zu der Beute nicht den rechten Weg genommen.
Bald aber sehen sie die schönsten Schafe kommen;
Doch kommen auch zugleich der Hylax und der Hirt.
Wo die Gewalt unbrauchbar ist,
Bedient sich auch ein Wolf der List.

Sie halten Kriegsrat. Lykaons Enkel spricht:
"Ein rechter Angriff hilft hier nicht.
Ich will mich hinter jenen Hecken
Im Graben tief genug verstecken,
Dann musst du, fern von mir,der Herde Furcht erwecken.
Trab auf sie zu und lass dich sehn;
Der Schäfer wird dich bald entdecken
Und mit dem Hunde dir gewiss entgegengehn.
Da werd' ich schnell den Raub vollstrecken;
Die Kunst der Flucht musst du verstehn."
Der anrde Wolf bejaht's,gestand, dass sein Gefährte
Sich als ein alter Wolf erklärte,
Und hiess den Anschlag wunderschön.

Sie trennten sich, und dieser naht hinan.
Man sieht ihn; Hylax bellt. Den Erbfeind zu erwischen,
Sucht ihn der Schäfer oft im Wettlauf anzufrischen.
Ihm setzen beide nach, doch kömmt ihm keiner an,
Und jener schleicht aus den Gebüschen
Und stiehlt das beste Schaf, das man nur stehlen kann.

So wird man oftmals der Gefahr,
Wo sie am grössten ist, am wenigsten gewahr.

Friedrich von Hagedorn, 1708-1754



So, das wars mal von mir


__________________
LG Proud_Tigress

07.04.2007, 13:31
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4. Von einer Wildsau und einer Wölfin:

Ein Schwein hatt' Ferkel in dem Wald,
Die waren drei, vier Tage alt,
Und eine Wölfin wohnt' nicht weit
Mit ihrer Brut. "Es ist nun Zeit",
So dacht' sie, "dass ich such' mit Fleiss
Für mich und meine Jungen Speis'."
Da ging sie hin zu jener Sau
Und sprach: "Gott grüss' euch, liebe Frau!
Ich danke Gott, der euch mit Gnaden
Entbunden hat ohn' allen Schaden.
Drum bin ich froh im Herzen mein
Für euch und eure Ferkelein.
Doch dass ich heute hab' vernommen
Ihr könntet keine Magd bekommen,
Das hat mein Herz bekümmert sehr;
Ich möcht' euch gern erzeigen Ehr',
Und euch zu dienen und den Kindern,
Will willig ich bereit mich finden,
Will tun, was einer frommen Magd
Zusteht, das sei euch zugesagt."

Die Sau sprach: "Liebe Wölfin mein,
Wenn du mir willst zu Willen sein,
So geh, denn ich bedarf dein nicht,
Du hast ein Mörderangesicht.
Siehst du auch dort den Eber kommen?"

Kaum hat die Wölfin dies vernommen,
Trollt schnell sie sich zu ihren Jungen.
Die List war ihr wohl nicht gelungen.

Moral:
Es gibt wohl Leut', die stellen sich,
Als liebten sie von Herzen dich,
Doch sie sind in des Herzens Grund
Nicht, wie sie reden mit dem Mund.
Sie suchen Eigennutz daneben,
Sollst ihnen keinen Glauben geben.
Drum sei gewarnt und sieh dich vor,
Leih solchen Wölfen nicht dein Ohr.

Erasmus Alberus, um 1500-1553


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LG Proud_Tigress

07.04.2007, 13:09
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3. Der Wolf und der Hund:

Zum Hunde, der schon manche Nacht
An seiner Kette angebracht,
Und wenn der Morgenstern am grauen Himmel hing,
Aufs Gay mit seinem Metzger ging,
Sprach einstens Isegrim: "Ei, Bruder, wie so mager!
Wie elend siehst du aus! Wie schäbicht und so mager!
Dau`rst mich, bist gar ein armer Hund.
Sieh mich mal an, wie frisch und wie gesund
Ich bin!- Ich rieche nach der Luft,
Mein Balg ist parfürmiert mit mancher Staude Duft!
Ich hab` dir immer guten Frass,
Bald frisches Fleisch, bald fettes Aas.
Drauf leck` ich klaren Quell, und traun!
Ich hab` dir immer gute Laun`.
Du aber-" "Ach", versetzte Melack, "ach,
Herr Bruder, nur gemach.
Drum bist du Wolf, ich Hund! Du frei,
Ich aber in der Sklaverei."

Und die Moral? O die ist jedermann bekannt
In Deutschland und in Engelland.

Christian Schubart, 1739-1791

PS: Weiteres folgt (wahrscheinlich) morgen, ich bin zu müde, um weiter zu tippenˆˆ


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LG Proud_Tigress

Dieser Beitrag wurde von Proud_Tigress am 30.11.2007, 18:25 Uhr editiert.

06.04.2007, 19:32
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2. Der Wolf und das Pferd:

An einem schönen Frühlingsmorgen
Betrat ein Wolf voll Nahrungssorgen
Der fetten Anger keimend Grün.
Da sah er mit erwünschten Freuden
Ein wolbefleischtes Füllen weiden,
Das seinen Zähnen reizend schien.

Er hatte grosse Lust zur Beute;
Nur daß er ieden Gegner scheute,
Der stärker war als Lamm und Schaf.
Drum sollt' es ihm durch List gelingen,
Den jungen Streiter zu bezwingen,
Der an Gewalt ihn übertraf.

Er nähert sich dem stolzen Pferde:
Er schwört, daß auf der ganzen Erde
Kein Wurzelmann ihm ähnlich sey.
Erhabner Houyhnhum*, spricht er weiter:
Ich kenne Stauden, Pflanzen, Kräuter,
Von hier bis in die Tartarey.

Ich kann den Kranken Hülf erteilen,
Spatt, Kropf, Geschwulst und alles heilen,
Dem andrer Helfer Rath gebricht.
Mir müssen Krampf und Würmer weichen;
Den Koller weiß ich wegzuscheuchen;
Und was versteh ich sonsten nicht!

Itzt bin ich darum hier erschienen,
Mit meiner Wissenschaft zu dienen;
Wenn ihnen diese rathen kan.
Sie gehn zu frey, zu rasch im Felde:
Dieß zeigt, daß ich die Wahrheit melde,
Uns Aerzten nicht viel Gutes an.

Dürft ich, weil sie zu sehr sich regen,
Ein Band um ihre Schenkel legen;
Gewiß, sie sollten Wunder sehn.
Ich fordre nichts für Cur und Mühe,
Weil ich den Geiz vor allem fliehe;
Die Heilung soll umsonst geschehn.

Das Füllen dankt ihm und versetzet:
Ich habe mich am Huf verletzet,
Und spüre dort die schwerste Pein.
Herr Doctor! kommt, beseht den Schaden,
Könnt ihr der Schmerzen mich entladen?
Nichts, spricht der Wolf, wird leichter seyn.

Er will auch keine Zeit verlieren,
Und stellt, den Anschlag auszuführen,
Sich unverzüglich hinters Pferd.
Das will, aus gleichgeschwinden Pflichten,
Ihm zum voraus den Lohn entrichten.
Ein Arzt ist seines Lohnes werth.

Der Houyhnhum sucht ihn klug zu machen,
Schlägt aus, zerquetscht des Wolfes Rachen
Und wiehert ihm die Worte zu:
Nichts giebt ein grösseres Vergnügen,
Als den Betrüger zu betrügen;
Freund! das beweisen ich und du.



*Houyhnhum ist der Name, welchen Swift in den Gulliverschen Reisen den Pferden beygeleget hat.


Friedrich von Hagedorn, 1708-1754


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LG Proud_Tigress

Dieser Beitrag wurde von Proud_Tigress am 06.04.2007, 20:51 Uhr editiert.

06.04.2007, 19:16
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Hi

Folgende Gedichte bzw. Geschichten hab ich aus dem (sehr empfehlenswerten!) Buch Der Wolf- Zwischen Mythos und Wahrheit:

1. Der Hirt und der Wolf:

Ein Hirte, der einen erst kurz geworfenen jungen Wolf gefunden hatte, nahm ihn mit sich und zog ihn mit seinen Hunden auf. Als derselbe herangewachsen war, verfolgte er, so oft jemand ein Schaf raubte, diesen auch zugleich mit den Hunden. Da aber die Hunde den Wolf zuweilen nicht einholen konnten und deshalb wieder umkehrten, so verfolgte ihn jener allein und nahm, wenn er ihn erreicht hatte, als Wolf ebenfalls teil an der Beute; hierauf kehrte er zurück. Wenn jedoch kein fremder Wolf ein Schaf raubte, so brachte er selbst heimlich eines um und verzehrte es gemeinschaftlich mit den Hunden, bis der Hirte, nach langem Hin- und Herraten das Geschehene inne ward, ihn an einem Baum aufhängte und tötete.
Die Fabel lehrt, dass die schlimme Natur keine gute Gemütsart aufkommen lässt.

Äsop, 6. Jahrhundert v. Chr.


PS: Weiteres folgt und dein Lied ist trotz allem sehr schön!


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LG Proud_Tigress

Dieser Beitrag wurde von Proud_Tigress am 24.05.2007, 16:14 Uhr editiert.

06.04.2007, 19:05
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Wolfstocher
Wolfswelpe




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Ich liebe spannende und fantastische Legenden und Geschichten über Wölfe genauso sehr, wie verträumte oder geheimnissvolle Lieder und Gedichte über diese wunderschönen Tiere.
Hier könnten wir ja alles zusammentragen.
Wenn ihr also Legenden, Geschichten, Sagen, Fabeln, Lieder, Gedichte, Balladen, usw. mit dem Thema \"Wölfe\" habt, dann nur her damit.

Dieses Lied habe ich auf Deutsch selbst geschrieben und dann ins Gälische übersetzt. Obwohl es von der Grammatik her furchtbar ist und auch viele Wörter unpassend oder weggelassen sind, finde ich, dass das Gälische sehr schön klingt.

Faolchu, mo dartháir.
Láidir cuma na feá,
sé ní stoirm maraigh saibhir.
Is cuma realta geal
an grian na súil.
Faolchu, mo dartháir.

Faolchu, mo dartháir.
Dearg lí an sneachta,
abhainn chun báisteach.
Ach na focal bean
is na gaoth tabhair i neamh.
Faolchu, mo dartháir.

Wolf, mein Bruder.
Stark wie die Buche,
die kein Sturm zu fällen vermag.
Und gleich Sternen leuchte
das Feuer deiner Augen.
Wolf, mein Bruder.

Wolf, mein Bruder.
Rot färbt dein Blut den Schnee,
fließt in vielen Bächen.
Aber dein Ruf wird leben
und der Wind trägt ihn zum Himmel.
Wolf, mein Bruder.

20.03.2007, 18:23
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