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Phantom
Panthera lupus




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8.

Die Fahrt dauerte ein paar Stunden, auch wenn die Strecke nicht all zu lang war. Ich war froh, als wir das Ziel endlich erreicht hatten und die Transporter- sowie meine Käfigtür wieder geöffnet wurden. Sogleich sprang ich hinaus, plusterte mich kurz auf und sortierte sorgfältig mein Gefieder. Dann öffnete ich meine Flügel und stieg in den Himmel empor. Übermütig drehte ich ein paar Runden. Ich liebte es, den Wind in meinem Gefieder zu spüren, hoch oben, wo der Himmel grenzenlos schien – dieses unglaubliche Gefühl von Freiheit. Und wie hatte schon ein Mensch – Konrad Lorenz sein Name – richtig erkannt: „Kolkraben fliegen zum Vergnügen. Sie genießen spielerisch den Reichtum ihrer Fähigkeiten.“
Mit Leichtigkeit hätte ich einfach davonfliegen können, doch mir reichte es, zu wissen, dass ich es konnte.

Mit einem Mal sah ich aus dem Augenwinkel etwas braunes vorbeifliegen. Jay C. stieg einige Meter neben mir auf einer Thermik empor, segelte weit über mir durch die Luft, nur um dann in hohem Tempo wieder zu Boden zu stürzen. Ihm war deutlich anzusehen, dass die Jagd auf Futter dabei nur eine Nebensache für ihn war. Auch er genoss in vollen Zügen die Freiheit und das Ende des Winters. Nur selten waren wir gemeinsam in der Luft, da wir uns nach Annas, Ginas und Merles Ansicht zu oft stritten.

Von hier oben konnte ich gut das Treiben unten beobachten: der Zeltaufbau war in vollem Gang. Und während die meisten Tiere noch unterwegs waren, war Ben mit seinen bereits angekommen. Gerade ließ er sie auf einer nahegelegenen Wiese aus dem Hänger. Die beiden Pferde stürmten buckelnd los, fielen dann in Schritt und begannen zu grasen. Nach einer Weile trabten sie zurück zu Ben, der bereits ihre Arbeitsgeschirre zurecht gelegt hatte. Aus der Luft sahen die beiden Pferde recht klein aus, doch der Schein trügte. Von hier oben war auch nicht zu sehen, wie der Boden unter ihren Hufen erzitterte, wenn sie galoppierten. Nachdem Maya nun nicht mehr mitreiste, gehörten sie jetzt zu den größten Tieren des Circusses. Gelassen folgten Goliath, der weiße Shire Horse–Wallach und Samson, ein Clydesdale, Ben durch die entstehende Zeltstadt. Dabei störte es weder Goliath, der von Anfang an dabei war, noch Samson, der zum ersten Mal dabei war, wenn der Traktor oder ein Truck dicht an ihnen vorbeifuhr.
Während ich weiter entspannt durch die Luft segelte und alles im Auge behielt, begann für die beiden Pferde die Arbeit. Sie halfen beim Aufstellen der Masten und überall dort, wo ihre enorme Kraft benötigt wurde. Was mich wunderte war, dass sie es scheinbar nicht einmal unbedingt als Arbeit ansahen, sondern sich auch noch darüber freuten, etwas tun zu dürfen.
Schließlich trafen auch die anderen Pferde ein. Nadine fuhr (wie immer) als erste mit ihrem Wohnmobil mit Pferdeanhänger auf die Wiese, um ihren Hengst Firedancer zu entladen. Dabei fiel mir etwas auf, dass mich näher an sie heranfliegen ließ – jedoch erst, als Firedancer außer Reichweite war. Ich konnte nicht glauben, was ich sah. Lachend – was sich für euch Menschen wohl eher nach einem Krächzen anhörte – kreiste ich über ihrem Kopf. Ausgerechnet die Person, die die letzten zwei Jahre immer wieder beteuert hatte, sich nie wieder Strähnen zu färben, hatte nun doch wieder zwei weiße Strähnen im Haar. Nadine verschränkte die Arme vor der Brust, sah mich böse funkelnd an und presste ein „Wehe!“ durch die Zähne. Ein menschliches Lachen nachahmend drehte ich über ihr einen Salto. „Gleich rumst es. Wenn du dich nicht verziehst, verfüttere ich dich an Paddy!“ rief sie und streckte einen Arm nach mir aus. Schnell flatterte ich aus ihrer Reichweite auf einen nahen Zaunpfahl. Auch wenn ich wusste, dass sie ihre Drohung nicht ernst meinte – vor allem, da ich gesehen hatte, wie sie Paddy, ihren Python, erst am Morgen gefüttert hatte.

Inzwischen waren auch die großen Pferdetransporter an die Weide gefahren und Svenja und Merle brachten die Pferde ins Freie. Sicherheitshalber flatterte ich vom Zaunpfahl auf eine der Fahrerkabinen der Transporter. Bei den Pferden ging es immer ziemlich wild zu, wenn sie aus den engen Anhängern durften, erst recht bei Saisonstart. Es gab einige kleinere Kämpfe, doch schließlich war die Rangordnung wieder hergestellt.
Wir Tiere konnten uns den Rest des Tages ausruhen, während die Arbeiten an der Zirkusstadt weitergingen.


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~ Wer sich vor dem Wolf fürchtet, der soll nicht in den Wald gehen. ~

07.11.2005, 20:53
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7.

Bevor es endgültig losging, verabschiedete sich Anna von dem Teil ihrer Tiere, die auf dem Gnadenhof bleiben würden. Ich begleitete sie dabei. Zuerst ging sie zu ihren Pferden – zu Starling, die schon einige Jahre hier lebte, bis auf wenige Ausnahmen keine Menschen mochte und sich nicht transportieren ließ; zu Brown Beauty, dem alten Zirkuspferd, das trotz seiner 28 Jahre nur ungern zurückblieb, da es die Auftritte in der Manege und den Applaus des Publikums noch immer liebte und dieses vermisste; zu Artax, einem alten, halbblinden Wallach, der einst auf einem der berüchtigten Todestransporte gelandet und in letzter Sekunde gerettet worden war und der aus gesundheitlichen Problemen nun nicht mehr mitkonnte; und schließlich zu Princess Sandra, einem ebenfalls nicht mehr ganz jungen, ehemaligen Military-Pferd, dem Anna die Transporte auch nicht mehr zumuten wollte. Danach verabschiedete sie sich von Maya und schließlich begab sie sich zum Gehege ihrer beiden alten Löwen. Dort trafen wir auf Charleen, die sich ebenfalls von den Katzen verabschiedete, und auf Cat, die dabei auf Charlie aufpasste.
Wenig später stießen auch noch Jake und Caisey dazu. Ich wunderte mich noch immer ein wenig über Jakes Wandlung: Als er vor einigen Jahren zum Circus kam, hatte er mit uns Tieren nicht viel am Hut. Das änderte sich erst, als er zusammen mit Charlie an einer von Annas Nummern teilnehmen durfte. Auch Kimba, einer der Löwen, war lange Zeit daran beteiligt gewesen, wodurch Jake seine Liebe zu den Katzen entdeckt hatte.

Nachdem sich alle ausführlich verabschiedet hatten, brachte Cat Charlie und Jake zum US-Schulbus, in dem die Kinder reisten, und auch Caisey machte sich auf den Weg zu ihrem Fahrzeug. Anna brachte mich zu einem der Transporter, in dem sich bereits einige Tiere befanden und sperrte mich in meinen Käfig. Ich hasste es, eingesperrt zu sein, doch da noch kein Autobauer Gurte für uns Vögel entwickelt hatte, blieb mir nichts anderes übrig. Allerdings ließ Anna mich durchaus manchmal bei kürzeren Strecken auf dem Beifahrersitz mitfahren. Es war aber auch schon vorgekommen, dass Jay C. und ich die ein oder andere Kurzstrecke fliegend zurückgelegt hatten.

Ich hörte, wie die Motoren der schweren Zugmaschinen gestartet wurden – sie fuhren wie immer als erste vom Hof. Schließlich kamen die Transporter – und somit auch wir – und dann die restlichen Fahrzeuge an die Reihe. Die letzten würden wie immer die Pferdetransporter sein, da die Verladung der gut 50 Pferde die meiste Zeit in Anspruch nahm. Vor allem die Vollblüter mussten sich erst noch ein wenig auf den Weiden „auspowern“ – wie es ihre Reiter nannten – bevor sie sich verladen ließen.


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~ Wer sich vor dem Wolf fürchtet, der soll nicht in den Wald gehen. ~

29.09.2005, 18:12
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6.

Einen Tag lang ruhte die Arbeit völlig. Einige Pferde wurden verladen, ein ehemaliger Armeelaster aus Pattys Besitz mit Schlitten, Reifen und Skiern vollgepackt – dann ging es auf in den Harz. Auch ich durfte mit. Zunächst begaben wir uns auf den Brocken – der dank der vielen Touristen für die Hexen längst nicht mehr von all zu großer Bedeutung war. Dort sah ich aus sicherer Entfernung den Kindern beim Spielen in dem mehr als mannshohen Schnee zu. Auch die Hunde, die mitgekommen waren, tollten begeistert durch den Schnee. Vor allem Nova, Annas schottischer Hütehund und Jasmins Husky Sky tauten bei diesem Wetter erst so richtig auf.
Später im Tal schaute ich ihnen aus der Luft dabei zu, wie sie sich auf ihren Schlitten und Skiern von den Pferden durch den Schnee ziehen ließen. Die Hunde liefen freudig nebenher. Selbst Sile schien daran Spaß zu haben. Die Freudenjauchzer der Kinder waren weithin zu hören


Doch bald schon verabschiedete sich der Winter und der Frühling zog ins Land. Die Natur erwachte langsam aus ihrem Winterschlaf, überall begann es zu grünen und zu blühen und die Zugvögel kehrten aus dem Süden zurück. Es war an der Zeit, in die neue Circus-Saison zu starten.

Bevor es allerdings endgültig losging, tauchte Joe, der Schmied, auf dem Gnadenhof auf. Er und Johanna überprüften noch einmal alle Pferde auf ihre (Reise-) Tauglichkeit. Die meisten der Kinder und Jugendlichen verzogen sich derweil in eine Scheune, die ihnen derzeit als Übungsraum diente. Joes Erscheinung und seine kauzige, ruppige Art waren ihnen nicht geheuer. Begleitet wurde Joe wie immer von seinem nicht mehr ganz jungen Neufundländer Rufus, worüber ich mich immer freute. So hatte ich ein weiteres Opfer für meine Streiche. Unermüdlich flatterte ich um ihn herum, stupste ihn mal hier und pickte ihn mal dort, hüpfte vor seiner Nase herum und bewarf ihn mit kleinen Ästen. Wenn Joe oder jemand anderes mich verscheuchte, zog ich mich in einen Baum zurück, nur um nach einer kleinen Pause von vorne zu beginnen. Das Spiel wiederholte ich so lange, bis ich ein anderes Opfer fand.
Hat da eben jemand gesagt „Der arme Hund“? Keine Sorge, Rufus hat ein dickes Fell, in zweierlei Hinsicht. Außerdem hat er mittlerweile gelernt, sich zur Wehr zu setzen und den Spieß umzudrehen.

Da saß ich also auf einem Baum, putzte mein Gefieder, um die zerzausten Federn wieder richtig zu ordnen und hielt nebenbei Ausschau nach einem neuen Opfer. Dieses fand sich schneller, als ich dachte. Enigma, Charlottas P.R.E.-Hengst, trottete am Baum vorbei. Ich wartete den richtigen Moment ab und ließ mich dann auf seinen Rücken ‚fallen’. Doch genauso schnell war ich auch schon wieder in der Luft. Verdutzt flatterte ich zu Boden und schaute dem davongaloppierenden Grauschimmel hinterher. Nun wusste ich, was Charlotta, die Enigma in der „Hohen Schule“ ausbildete, mit den „Schulen über der Erde“ meinte. Enigma hatte mich mit einer einwandfreien Courbette mit anschließender Kapriole abgeschüttelt. Fürs Erste hatte ich genug und zog mich in den Baum zurück. Meine Hoffnung, dass niemand diese Pleite gesehen hatte, wurde schnell zunichte gemacht. Charlotta, Merle und Anna standen ein paar Meter weiter prustend vor lachen am Koppelzaun. „Nimm’s nicht zu schwer, Flagg“, rief mir Anna zu, „aber du bist nun mal selber schuld.“ Ja, ja, sie hatte ja recht und es war mir auch eine Lehre. Von nun an würde ich mich nicht nur von den - teilweise recht nervösen und daher unberechenbaren – Rennpferden fernhalten, sondern wohl besser auch von den Dressurpferden, die die ‚Hohe Schule’ beherrschen.


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04.09.2005, 23:47
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5.

Jeden Tag wurde nun mehrere Stunden lang geprobt, neue Nummern einstudiert, die neuen Circus-Mitglieder eingearbeitet. Für alle – auch, oder gerade für uns Tiere – war es harte Arbeit. Doch schon bald wurden die Vorbereitungen von etwas unterbrochen, was einige von uns Tieren und Menschen so schon lange nicht mehr und ein paar noch nie gesehen und erlebt hatten – Schnee! Vergeblich hatten die Kinder in den letzten Jahren darauf gehofft, doch nun war endlich wieder einmal alles weiß.

Gespannt beobachtete ich Sundalis erste zaghafte Schritte in das unbekannte, kalte Etwas. Zögerlich folgte sie Maya ein kurzes Stück durch den Schnee, bevor sie im Trab in den geheizten Stall zurückkehrte. Nein, dieses Wetter war so gar nicht nach ihrem Geschmack. Weitaus mutiger war da schon Baghira, das Reitpony-Fohlen, bei seiner ersten Begegnung mit dem Schnee. Übermütig tollte es mit zwei weiteren Fohlen über die Weide. Pegasus, der sich auf einer Nachbarweide befand, ließ sich davon anstecken und galoppierte mit hoch erhobenem Schweif über die Wiese.
Ich verstehe die Menschen nicht, die glauben, wir Tiere hätten keine Gefühle. Glaubt mir, auch wir empfinden Liebe, Freude, Trauer und was es da noch so alles gibt, nur vielleicht manchmal auf etwas andere Art.
So konnte ich bei Pegasus in diesem Moment durchaus so etwas wie Neid spüren. Der Vollblut-Araberhengst hatte nie eine richtige Kindheit gehabt. In Baghiras Alter war er bereits eingeritten worden, mit nur einem Jahr hatte er seine ersten Rennen bestreiten müssen. Selbst als er sich – als Folge des zu frühen Einreitens – verletzte, musste er weiter an Rennen teilnehmen – vollgepumpt mit Medikamenten. Aufgeputscht durch die Medikamente verspürte er keine Erschöpfung – so kam es wie es kommen musste: Bei einem Rennen brach er kurz vor dem Ziel zusammen, wofür ihn sein Besitzer noch an Ort und Stelle erschießen wollte. Doch der Zufall wollte es, dass sich im Publikum jemand befand, der sich wie kein anderer in die Tiere hineinversetzen konnte. Er rettete den Hengst, päppelte ihn auf und schenkte ihn schließlich Anna, der er noch etwas schuldete. Der Hengst erholte sich und wurde wieder völlig gesund. Doch er musste fast alles noch einmal neu lernen. Zum ersten Mal in seinem Leben wurde er wie ein Lebewesen und nicht wie ein Sportgerät behandelt. Es dauerte etwas, bis er begriff, dass „aus der Box holen“ nicht unbedingt Arbeit bedeutete und dass es noch etwas anderes als galoppieren gab. Zum ersten Mal lief er über frisches, grünes Gras, zum ersten Mal knabberte er an einem Apfel... Dass er nun einen neuen Namen trug, machte ihm nichts aus. Es gefiel ihm sogar, da ihn so nichts mehr an sein vergangenes Leben erinnerte. Später bekam er noch einmal einen neuen Namen, von Svenja, seiner Pflegerin. Sie nennt ihn liebevoll ihren „Sohn der Wüste“ und nur sie darf ihn so nennen. Unter ihr konnte er endlich wieder das tun, was er am liebsten tat, das, wozu er gezüchtet worden war: galoppieren. Svenja ist ausgebildeter Jockey, doch an einem Rennen musste Pegasus deshalb trotzdem nie mehr teilnehmen. Mittlerweile ist er 15 Jahre alt, aber im Galopp lässt er noch immer so manches andere Pferd hinter sich.


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12.08.2005, 23:05
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4.

Noch einige Zeit war ungewiss, ob der Circus in eine neue Saison starten würde. Doch schließlich entschieden sich die Hexen dafür. Das Wetter spielte scheinbar auf der ganzen Welt verrückt – da fühlten sie sich im Circus noch am besten aufgehoben. Eine Zeitung hatte in einer Schlagzeile gefragt, was Mutter Erde den Menschen antut – darüber konnten Anna und die anderen ( und auch wir Tiere ) nur lachen. Die Menschen taten Gaia bei weitem mehr an und sind so längst selbst für so manche Wetterkapriole verantwortlich. Und noch zwei weitere (alberne) Fragen beschäftigten die Menschen dieser Tage: Wie können Tiere Erdbeben vorhersehen? – und: Wie hatten die Indianerstämme sich vor dem Tsunami retten können?
Die Antwort darauf ist so einfach, dass man dafür nicht einmal so intelligent wie wir Raben sein muß: Wir Tiere – und auch die Indianer – achten und hören eben auf Mutter Erde.
***

In den nächsten Tagen trafen immer mehr Tiere auf Johannas Hof ein. Die Ersten waren die Pferde der amerikanischen Circus-Mitglieder. Auch Charlotta hatte wieder einmal einen Teil ihrer Pferde vorrübergehend dorthin gebracht. Diesmal hatten sie jedoch keine Waldbrände zur Evakuierung ihrer ‚Pura Raza Española’ - Hengste und Shagya-Araber gezwungen, sondern anhaltende Regenfälle. Es folgten die Pferde der englischen und schottischen Mitglieder, von denen beinahe alle zum ersten Mal beim Circus dabei sein würden.

Ich freute mich schon sehr auf diese Pferde und ihre Besitzer. Insgeheim hoffte ich, dass darunter ein paar waren, denen man gut Streiche spielen konnte. Ben, Annas Freund, war bisher der einzige aus England gewesen, und dessen Shire Horse Goliath ließ sich - genau wie Ben – einfach durch nichts aus der Ruhe bringen.

Eigentlich hatten einige der Pferde und deren Besitzer mit dem (Dampf-) Zug vom Internat in Schottland abgeholt werden sollen, doch das klappte nicht. So mussten sie mit Pferdetransportern abgeholt werden, was ich schade fand. Im Zug hätte ich wieder mitfahren und anschließend noch einmal im Schloß ‚herumspuken’ können. Ihr glaubt gar nicht, wie verlockend solch alte Gemäuer selbst für uns Raben sind. Vor allem, wenn es dort Kinder gibt, die bei unseren Rufen – erst recht bei den Rufen der Eulen – an Geister glauben. Wie schnell die dann laufen können...
Noch mehr Spaß macht es, wenn die Internatsbewohner dabei auch noch dem Schlosshund oder der Schlosskatze begegnen – deren im Dunkeln leuchtenden Augen sorgen dann für noch mehr Schrecken. (wenn sie bloß nicht so laut dabei schreien würden)
Fast genauso viel Freude macht es, Ares und seine drei Hindinnen zu ärgern. Die Vier sind weiße, teilweise hellgoldenfarbene Hirsche, die im Schlosspark leben. Die sind so schön schreckhaft. Zu lustig, wie dann immer alle hinter ihnen herlaufen, um sie wieder einzufangen.

Doch im Moment war niemandem so richtig nach Späßen zumute. Selbst Anna war diesmal nicht danach zumute, als „Lupina“ mit dem Schlosshund herumzuziehen. So blieben wir auf dem Gnadenhof und warteten auf die Ankunft der noch fehlenden Tiere und deren Besitzer. Rosalie, die Schleiereule, Miezi und Mrs Kitty (zwei von Johannas Katzen) hatten sich bei all dem Trubel an ruhigere Plätze verzogen. Sie waren ganz froh darüber, nicht noch einmal zum Internat mitgenommen zu werden. Vor allem Rosalie nervte es langsam, dass einige Kinder zu gerne einmal ausprobieren wollten, sie als „Postbotin“ einzusetzen.

Zum Schluß tummelten sich gut siebzig bis achtzig Pferde auf den Wiesen des Gnadenhofes und unzählige Kinder, Jugendliche und Erwachsene wuselten durch die Ställe und über den Hof. Es gab noch einiges zu tun, bevor es losgehen konnte.


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07.06.2005, 21:38
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3.

Am zweiten Weihnachtstag erfuhr Anna den Grund für Mayas Unruhe und das seltsame Verhalten der Delphine, und auch Sarah im fernen Australien erfuhr ihn. Doch es waren nicht die Berichte und Bilder über das Seebeben in Südostasien im TV – die Auswirkungen dieses Bebens waren so gewaltig, dass die Beiden und die meisten anderen Hexen es ohnehin spürten. Während die Zahl der Toten in den Nachrichten stetig wuchs, verriet den Hexen ihr Gespür schon jetzt die Ausmaße der Katastrophe. Die Zahl würde noch sehr viel mehr steigen.

Nach Weihnachten erhielt Anna einen Anruf von Johanna. Als sie hörte, dass es um Sile ging, musste sie an ihr Versprechen denken. Sie und Johanna versuchten alles, um Siles „Haustier“ aus ihrer Heimat nach Deutschland zu holen. Doch darum ging es nicht.
Nach dem Gespräch lief Anna zu ihren Hunden und drückte die Beiden an sich. Neugierig flog ich zu ihr. Ich fühlte gleich ihre Traurigkeit. Um ihre Aufmerksamkeit auf mich zu lenken, zwickte ich sie ein paar mal leicht mit dem Schnabel. Anna drehte sich zu mir um und strich mir übers Gefieder. Es musste etwas Schlimmes sein – normalerweise hätte sie mit mir geschimpft. (Was sie aber selten wirklich ernst meinte.) Schließlich nahm sie mich in die Arme, drückte mich – womit sie erst aufhörte, als ich zu krächzen begann – gab mir einen Kuss auf den Schnabel und meinte: „Ich muss zu Johanna. Möchtest du mit?“ Die Frage war eigentlich überflüssig, daher brauchte ich ihr auch nicht zu antworten. Anna kannte mich gut genug. Alleine ist es mir viel zu langweilig, bei Johanna ist wenigstens immer was los.

Zu Johanna kamen wir durch ein sogenanntes ‚Raum-Zeit-Tor’. Das ist ein magisches Tor, welches aus purer, magischer Energie besteht. Das ist ziemlich verrückt: Eben ist man noch hier, und im nächsten Moment, mit einem Flügelschlag – oder Schritt – ist man an einem völlig anderen Ort. Anfangs hatte ich ziemliche Angst davor, bis Anna mich einmal unter ihrem Umhang mitgenommen hatte und ich merkte, dass es gar nicht so furchtbar ist. Nur an das leichte Kribbeln hatte ich mich immer noch nicht völlig gewöhnen können.
***
Johanna erwartete uns schon auf ihrem Hof. Auch sie wirkte niedergeschlagen. Kurz nach unserer Ankunft öffnete sich ein weiteres ‚Raum-Zeit-Tor’ in unserer Nähe, durch das vier weitere Hexen kamen. Drei der Hexen kannte ich gut. Es waren Samantha, Bonnie und Caisey, alle drei aus New York. Die Vierte hatte ich – genau wie Anna – erst vor wenigen Monaten kennengelernt: Sile, eine zwölfjährige Inderin. Bonnie und Caisey mussten sie stützen. „Sei ja schön brav, vor allem zu Sile, es geht ihr nicht gut“, raunte Anna mir zu. Dann lief sie zu dem Mädchen und umarmte sie tröstend. Ich blieb verdutzt zurück. Die Beiden brachen in Tränen aus. Fragend blickte ich zu Johanna, doch sie beachtete mich nicht. Schließlich begaben sich die Mädchen in das alte Bauernhaus; Anna und Sile gingen Arm in Arm. Ich folgte ihnen. Vielleicht bekam ich nun heraus, was los war.

Im Haus begann Sam zu erzählen. Was genau sie erzählte, werde ich hier jedoch nicht wiedergeben, denn es war zu furchtbar – zumindest verriet mir das das Verhalten der anderen. Nur so viel: Siles Vater war durch die gewaltige Flutwelle, die durch das Seebeben ausgelöst worden war, getötet worden. Siles Mutter wurde vermisst. Ihr Zuhause existierte nicht mehr, von ihrem Tier fehlte jede Spur. Sile war der Katastrophe entkommen, weil sie in den Winterferien nicht nach Hause gefahren, sondern in dem Internat für Hexen in Schottland, welches sie besuchte, geblieben war. So war alles, was sie noch besaß, ein Koffer mit den Sachen, die sie im Internat hatte. Gleich, als Samantha von ihrem Schicksal gehört hatte, hatte sie sich ihrer angenommen. Sie hatte auch Bonnie und Caisey informiert, damit sie ihr halfen. Bonnie war mit 14, Caisey genau wie Sile mit 12 zur Vollwaise geworden. Die Chance, dass Siles Mutter – lebend – wieder auftauchte, war sehr gering, auch wenn das niemand zugeben wollte.
Sile selbst war kaum ansprechbar. Sie war zu geschockt.

Sam brachte sie zurück ins Internat, da sie dort ihre Freunde hatte. Bonnie und Caisey blieben genau wie Sam vorerst in ihrer Nähe. Anna verfolgte in den nächsten Tagen aufmerksam die Nachrichten und hoffte auf ein Wunder. Vielleicht war ja wenigstens Sundali, Siles dreijähriges Elefantenkalb, noch am Leben. Doch die Berichte verhießen nichts Gutes. Es wurde vermutet, dass nur wenige Tiere überlebt hatten. Anna musste an Maya denken. Ein letztes Mal hatte sie versuchen wollen, die Elefantenkuh mit einem Artgenossen zusammenzubringen. Eigentlich sind Elefanten Herdentiere und sollen nicht allein gehalten werden, doch Maya interessierte das nicht. Seit sie mitangesehen hatte, wie ihre Gefährtin erschossen worden war, duldete sie keine anderen Elefanten mehr in ihrer Nähe. Anna und Sile hatten gehofft, dass Maya bei einem Kalb wie Sundali vielleicht eine Ausnahme machte und die Kleine dulden würde. Nun war wohl auch dieser Versuch schon im Vorfeld gescheitert.

Umso erstaunter war ich, als ich wenige Tage später sah, wie Anna beim Schauen eines Berichtes plötzlich große Augen machte und diese auch noch zu Leuchten begannen. „Habt ihr das gesehen?“ fragte sie mich und die Hunde. Sie sprang auf. „Da war ein Elefant!“ Sie konnte nicht glauben, was sie da gesehen hatte. Erst Stunden später erwähnten die Reporter, dass nun Elefanten beim Aufräumen halfen, und es dauerte noch mehr als einen Tag, bis sie erzählten, dass die meisten Tiere wohl überlebt hatten.
Als bekannt wurde, dass die Elefanten die Katastrophe gespürt und auf Hügel geflüchtet waren, war Anna längst wieder auf Johannas Hof – bei Maya. Sie war nicht die Erste. Sile war zusammen mit Caisey ebenfalls dort. Das Mädchen lehnte an der Elefantendame. Als sie Anna bemerkte, trat sie ein Stück zurück und meinte: „Ich habe sie gefragt, ob Sundali vielleicht noch lebt.“ „Und was sagt sie?“ Sile zuckte mit den Achseln. „Ich fürchte, sie weiß es nicht. Anna schaute Maya einen Moment schweigend und nachdenklich an, dann begann sie auf einmal zu lächeln. Sie trat neben Sile und meinte an Maya gewandt: „Na, altes Mädchen, du langweilst dich gerade doch bestimmt wieder, wo du bei der Kälte nicht viel hinauskommst, oder? Möchtest du nicht lieber an einen wärmeren Ort?“ Maya schien sie zu verstehen und nickte. Ob es nur Zufall war, oder Maya Anna wirklich verstanden hatte, überlasse ich euch.

Anna verschwand – und kam wenig später mit einigen miteinander verbundenen kräftigen Ketten und Seilen zurück. „Was ist das?“ fragte Caisey. „Ein Arbeitsgeschirr!“ rief Sile, „was hast du vor?“ „Das ist Mayas Geschirr“, lächelte Anna. „Was meinst du, wie können wir wohl am besten einen Elefanten finden?“ „Mit einem anderen...“ überlegte Sile nach einem Blick auf Maya. „Aber was willst du mit dem Geschirr?“ „Ich werde nach Sundali suchen, aber nebenbei möchte ich dort auch anderweitig helfen“, erklärte Anna. Anna hatte es schon die ganze Zeit kaum noch zuhause ausgehalten. Sie wollte nicht nur untätig herumsitzen, auch wenn sie wusste, dass etliche Hexen bereits in den betroffenen Gebieten halfen. „Ich komme mit“, erwiderte Sile, „du hast Sundali doch noch nie gesehen.“ Anna versuchte, es ihr auszureden, weil sie es für zu gefährlich hielt, doch schließlich gab sie nach.

So kam es, dass sich wenig später Anna und Sile mit Maya und mir – begleitet von Merle mit Jay C. (dem Falken, ihr erinnert euch?) auf der Kaltblutstute Luisa – durch ein erneutes ‚Raum-Zeit-Tor’ in das Katastrophengebiet begaben. Wir Tiere spürten das Leid und Elend überall. Die Stimmung färbte auf uns ab. Dadurch geschah es, dass Jay C. und ich ausnahmsweise einmal friedlich – ohne uns zu zanken – nebeneinander am Himmel kreisten und Ausschau hielten. Maya und Luisa beneideten uns sicher um unsere Flügel. Während wir in der Luft freie Bahn hatten, mussten sie über unzählige Trümmer steigen. Doch die Strapazen lohnten sich, denn das Wunder geschah: Wir fanden die ‚kleine’ Sundali verängstigt in einem Gebüsch auf einem Hügel. Und ein weiteres Wunder geschah: Ausgerechnet Maya war es, die es schließlich schaffte, Sundali zu beruhigen. Seite an Seite marschierten die Beiden zu einer sicheren Stelle, wo Merle und Anna das Tor wieder öffneten. Obwohl glücklich, zumindest Sundali wiederzuhaben, schritt Sile nur widerwillig mit ihr hindurch. Denn Anna und Merle wollten noch bleiben, um zu helfen.

Einige Tage blieben wir dort, bevor wir völlig erschöpft zurückkehrten. Johanna hatte es in der Zwischenzeit geschafft, Sundali aufzupäppeln. Es sollte noch Wochen dauern, bis Maya Sundali akzeptierte. Und auch wenn aus den Beiden vielleicht nie dicke Freunde wurden, war es doch mehr, als Anna zu hoffen gewagt hatte...




Im Gedenken an all die Opfer (Menschen und Tiere) der Flutkatastrophe...






okay, jetzt dürfte klar sein, wann ich mit der Geschichte begonnen hab...


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05.06.2005, 16:55
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ja, ist von mir. FF=FanFiction



2.

Wie ich schon erwähnte, ist mein Name Flagg, oder zumindest werde ich so gerufen. Den Namen gab mir Anna, eine der Direktorinnen des Circusses. Sie fand mich vor einigen Jahren – noch bevor es allerdings den Circus gab – verletzt auf einer Wiese, fing mich ein und pflegte mich gesund. Sie musste bei mir gleich an Flagg aus Stephen Kings ‚The Stand’ denken. Ausgerechnet eine Figur, die für das Böse steht – und das, wo wir Tiere doch gar nicht böse sind. Nun gut, das hatten wir schon. Aber dennoch gefällt mir der Name, es hätte auch schlimmer kommen können. Und spätestens, wenn ich mal wieder Streiche spiele, sind sich alle einig, dass ich meinem Namen gerecht werde.

Etliche Male hat Anna versucht, mich ‚auszuwildern’, wie es die Menschen nennen, doch ich hatte keine Lust und kehrte jedes Mal früher oder später zu ihr zurück. Schließlich gab sie es auf. Wir einigten uns auf einen Kompromiss und nun lebe ich ‚frei’ bei ihr.

Der Circus hatte in den letzten zwei Jahren bis auf wenige Vorstellungen pausiert. Dieses Jahr sollte es nun wieder richtig losgehen. Da einige der ursprünglichen Mitglieder nicht mehr oder nur noch selten dabei sein konnten, sollten zu Beginn der neuen Saison einige neue Mitglieder zu uns stoßen. Bei ihnen handelte es sich größtenteils – genau wie bei den meisten anderen – um Hexen. Ja, ihr habt richtig gehört, Hexen! Doch wer jetzt gleich wieder an die Hexen aus den Märchen denkt, der irrt. Diese Hexen unterscheiden sich in beinahe nichts von anderen Menschen. Es gibt zwar einige Hexen, die durch ein violettes Glimmern in den Augen auffallen, doch diese gehören zumeist zu den „schwarzen“ Hexen, also zu denen, die die Magie für das Böse einsetzen. Die Hexen, die zum Circus gehören, sind jedoch an sich „weiße“ Hexen, setzen also die Magie für Gutes ein. Egal, wie stark die Macht der Hexen auch sein mag, allmächtig sind sie nicht. So gern es die „weißen“ Hexen auch wollen, sie können weder Kriege ( sofern diese nicht durch Magie verursacht wurden) noch andere Dinge, wie zum Beispiel Naturkatastrophen, verhindern. So kam es, dass die neue Saison von einem Ereignis überschattet wurde, dem die Hexen beinahe machtlos gegenüber standen.


Es begann in der Winterpause. Kurz vor Weihnachten kamen wir wieder einmal fast alle zu unserem alljährlichen Winterfest zusammen. (Bei diesem Fest durften nämlich immer auch wir Tiere dabei sein.) Ich saß gerade bei Anna und ließ mich von ihr kraulen, als plötzlich Sarah – eine Hexe aus Australien – auftauchte. Aufgeregt berichtete sie, dass sich „ihre“ Tiere – zwei Delphine und ein Wal, die zwar frei leben, aber dennoch oft ihre Nähe suchen – seltsam verhielten. Charley, der Buckelwal, hatte sein Lied geändert. Das mag euch vielleicht nicht seltsam erscheinen, doch Sarah kannte sich gut genug mit den Gesängen der Buckelwale aus, um zu wissen, dass Charleys neues Lied vor irgendeiner Gefahr zu warnen schien. Aber das war nicht alles. Nicht lange, nachdem Sarah Charley sein neues Lied hatte singen hören, war dieser zusammen mit den beiden Delphinen Miranda und Mary weit aufs Meer hinausgeschwommen, in tiefere Gewässer. Später am Tag erfuhren die Beiden, dass zwei weitere Delphine - ein Orca und ein Großer Tümmler, mit denen sich Anna angefreundet hatte – sich ähnlich verhielten. Auch sie hatten tiefere Gewässer aufgesucht. Sarah und Anna ahnten, was das zu bedeuten hatte, doch es kam ihnen dennoch merkwürdig vor. Zwischen ‚Sarahs’ Wal und Delphinen und ‚Annas’ Orca und Tümmler lagen mehrere tausend Kilometer.
***
Weihnachten verbrachten die meisten daheim, bei ihren Familien. Anna und Sarah hatten noch nichts konkretes herausgefunden, was die Delphine und den Wal beunruhigte. Am ersten Weihnachtstag besuchte Anna Johanna auf deren Gnadenhof, oder vielmehr wollte sie den Teil ihrer Tiere besuchen, die hier ihren wohlverdienten Ruhestand genossen.
Erst vor wenigen Wochen hatte sie hier von Old Boy, einem alten, zahnlosen Wolf, (der Johanna gehört hatte) Abschied nehmen müssen. Anna hatte sich oft in eine Wölfin verwandelt – die sie Lupina nannte – und war mit Old Boy herumgewandert, oder hatte auf dem Hof oder gar auf dem Circusplatz mit ihm gespielt.

Als sie nach ihrer Elefantenkuh Maya sah, fiel ihr gleich die Unruhe des Tieres auf. Maya gab ein leichtes Brummen von sich. (Wer glaubt, dass Elefanten nur trompeten können, der hat noch nie einen echten Elefanten aus der Nähe gesehen. Elefanten verfügen nämlich über eine breite Skala von Lauten.) Doch da war noch mehr, wusste Anna. „Na, was ist los, altes Mädchen?“ fragte Anna sie, ging vorsichtig zu ihr und legte eine Hand auf die runzelige Haut. Anna schloss einen Moment die Augen und lauschte. Wenn jemand die Beiden so gesehen hätte, hätte er sich wohl gewundert und gedacht, Mensch und Elefant befänden sich in einer Art Trance. Doch dem war nicht so. Ich saß auf einer Kiste am Stalleingang und selbst hier spürte ich die vibrierende Spannung in der Luft, die von Maya ausging. Sie gab Töne in einem Frequenzbereich von sich, die für Menschen nicht hörbar waren, für eine Hexe wie Anna jedoch schon. Allerdings nützte Anna das nicht sehr. Ihre Vermutung, dass ein Beben drohte, aufgrund des Verhaltens der fünf Meeressäuger vermutlich ein Seebeben, schien sich zu bestätigen, aber Maya konnte ihr nichts genaues mitteilen. Nachdenklich verließ Anna schließlich den Stall wieder, Maya begleitete sie noch ein Stück. (Anna hätte es nie zugelassen, dass ihre Elefantenkuh – egal, ob bei ihr zuhause, im Circus oder auf dem Gnadenhof – angekettet wurde. Auch einen Elefantenhaken fasste sie niemals an.) Ich erhob mich von der Kiste und flatterte hinterher.


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~ Wer sich vor dem Wolf fürchtet, der soll nicht in den Wald gehen. ~

05.06.2005, 16:53
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Das ist ja eine nette Geschichte... geht die dann später noch weiter? Ist die von dir geschrieben?
Was heisst FF´s`?

05.06.2005, 08:33
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Phantom
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  Flagg ~ Ein Rabenleben ^^Antwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

dies wird - trotz des Titels - keine Story, die nur von einem Raben handelt. vielmehr ist der Rabe der Erzähler in dieser Story möchte ich versuchen, mal ein wenig mehr auf den Circus, der in einigen meiner FFs eher am Rande auftaucht, einzugehen, oder besser gesagt vor allem auf einige Charas, die sonst nicht oder nur kurz erwähnt werden, vor allem aber werden hier die Tiere im Vordergrund stehen.




Flagg
~ Ein Rabenleben ~



1.

Hallo, mein Name ist Flagg. Ich gehöre zur Familie der Corvidae, zur Gattung Corvus, mein lateinischer Name lautet Corvus corax. Oder einfach gesagt: Ich bin ein Kolkrabe. Ein sprechender Rabe? – werdet ihr euch vielleicht fragen. Oh ja, so etwas können wir. Wir Rabenvögel sind äußerst intelligent. Einst galten wir als Heilige Vögel bei den Germanen, Persern, vielen Stämmen Sibiriens und den Indianern Nord- und Mittelamerikas. Sie sahen in uns Boten, Begleiter und Ratgeber von Sturm- und Lichtgottheiten. Wir waren Symbol der Weisheit und der göttlichen Kraft. Aber wir sind auch ein uraltes Symbol für Tod und Verderben. Im alten Testament werden wir als Inkarnation des Bösen beschrieben. Hexen sollen sich in unsereins verwandelt haben...
Dabei sind wir selbst nicht böse, können es gar nicht sein. Das Konzept des Bösen ist in der Natur unbekannt. Nur eine einzige Art – der Mensch – hat Moralvorstellung entwickelt und damit das Gute und Böse erfunden.

Der Mensch war es auch, der uns vielerorts beinahe völlig ausgerottet hat. Immer wieder tauchen Schreckensnachrichten von Raben auf, die Schafe töten, weshalb uns viele gern tot sehen würden. Dabei vergreifen wir uns außer an Aas für gewöhnlich höchstens an kranken, alten und geschwächten Tieren – so ist unsere Natur.


Ich selbst bevorzuge allerdings Hundefutter – am liebsten welches, das ich den Hunden direkt vor deren Nasen aus ihren Näpfen stibitze. Mein zweitliebstes Essen sind Mäuse, welche eigentlich das Futter für die Schlangen sind. Allerdings mopse ich die, bevor sie in den Futternäpfen landen.

Schlangen? Da muß ich wohl ein wenig erklären. Ich lebe – zumindest den Großteil des Jahres - in einem Circus, der derzeit circa 60 bis 70 Artisten, Fahrer und sonstige Mitglieder zählt. Außerdem leben hier 40, manchmal sogar bis zu 50 Pferde, etliche Hunde, eine handvoll Kamele, Kühe, Ziegen, ein Falke, mit dem ich mich des öfteren Streite (tz, der gibt immer damit an, dass er besser fliegen kann...), manchmal auch ein Panther, dann noch die bereits erwähnten Schlangen – eine Kobra und ein Python – und noch einige andere Tiere.

Ich lebe hier freiwillig und könnte jederzeit davonfliegen, denn eingesperrt werde ich für gewöhnlich nicht. Wozu auch? Kaum ein Schloß ist vor mir sicher. Aber warum sollte ich mich davonmachen, wo ich hier alles hab, was mein Herz begehrt?


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~ Wer sich vor dem Wolf fürchtet, der soll nicht in den Wald gehen. ~

04.06.2005, 19:56
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