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Nala
Löwin




Dabei seit: Januar 2002
Herkunft: Königsfelsen

Beiträge: 772
Nala ist offline
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Ach jaa.... *traurig ist* ....

da ist die Natur mal auf dem Vormarsch... ohne großes vom Menschen gewolltes Auswilderungsprogramm, also einfach so siedeln sich Wölfe in der Oberlausitz an und schon hat man wieder Theater...
Meine Güte, kann man denn nicht von einer halbwegs aufgeklärten Zivilisation ein bisschen Vernunft erwarten?
Nööö... Ziatat des Oppppas "Hundert Jahre lang hatten wir Ruhe..... die Wölfe sollte man abschaffen" Toll!!! Echt, toll!!! Irgendwie erinnert mich das an die sambischen Farmer, die z.B. aus Angst vor Geparden etc. sofort einen Steppenbrand auslösen, damit die Tiere nicht zu nah kommen, was sie damit für Unheil anrichten ist erst mal egal... Da werden Wildlife Schulen von Europäern errichtet, um Aufklärung zu betreiben und hier fast vor der Haustür????
Wahhhhhh *zitter * ein Wolf !!! *Nala wird übel bei dieser Unverhältnismäßigkeit der Panik* ´
Na was passiert denn, wenn sich per Zufall mal eines der in Polen lebenden letzten Wisente hierher verirrt???
Ich könnts Euch verraten, dann steht garantiert in der Zeitung "Mammut gesichtet"

So, aber nun mal zum Eigentlichen: hier im Forum gibt es ja eine nicht zu übersehende Anzahl von Wölfen, ich kenn mich in der Materie nicht so aus, aber kennt ihr denn vielleicht jemanden, (so einen richtigen Wolfskenner) den man davon überzeugen könnte mal dort vor Ort einen aufklärenden Diaabend zu veranstalten?
Oder meint ihr dass hat keinen Zweck?

Ich texte hier nämlich mal wieder 7.00 morgens und *zugeb* da bin ich immer noch sehr idealistisch drauf.....


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20.06.2002, 06:52
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Candy
Terrier




Dabei seit: März 2002
Herkunft: Pulheim
Nordrhein-Westfalen (DE)
Beiträge: 252
Candy ist offline
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Hallo, Ihr Lieben,

ich hätte auch noch einen sehr interessanten Artikel zu diesem Thema!

Liebe Grüße

Trudi

Märchen wirken

1. Juni 2002
Zwei Meldung aus der Neuzeit, 2002. Man möchte es nicht glauben, aber diese steinalten schimmeligen Märchen der Angst vor Wölfen und Bären - sie lebt. In den Köpfen von zeitgenössischen Menschen. Ein "Rotkäppchen-Syndrom" hätten die Bewohner aber nicht, meinte ein heimischer Biologe. Was dann? Natürlich fordert niemand Wolfs-Events am Abend mit Lämmerbraten, damit man sieht, was man als Attraktion hat. Aber es ist halt ein Unterschied zwischen fernseh-servierter Wolfs-Wildromantik und dem allabendlichen Zaungast von einem hungrigen Wolfsrudel, das sich eben selber versorgen muss. Und zwar aus der Gegend, in die sie nun mal grenzenlos gewandert sind.
Nun haben wir die Tatsache, weil das Märchen und die falsche Romantik quasi gemeinsam unsere Wahrnehmung und unseren Realitätsinn testen. Schon durchgefallen. Meinungsmacher schüren, oft noch wilder als die Einwohner. Der böse Wolf als Einschaltquotenbringer.
Liegt es an der lausigen Aufklärung von Fernsehen und Boulevard-Zeitungen, liegt es an den Lehrern, zur Zeit immer wieder Omegas der Bildungsmisere; liegt es an den Eltern, die ja immer anschaffen statt halbwegs bildende Literatur lesen müssen?
Ja, werden denn immer mehr Menschen schneller blöder?
Es gibt keine Ausreden, man hätte es nicht besser gewusst. Denn man kann sich überall informieren, wenn man wenigstens das kapiert und das Angebot annimmt.
Zwei Ereignisse:
Alarm in der Oberlausitz (Sachsen): Wieder Schafe getötet, diesmal vier. Auf einem Hof. Der Verdacht der Polizei war schnell verkündet - die Täter waren Wölfe. Dumm gelaufen, denn Experten klärten den Mordfall auf. "Das waren keine Wölfe", sagt Biologin Gesa Kluth, die Sachsens Wölfe erforscht und zur - ein Titel der Presse - "Sonderkommission (Soko)" des Umwelt- und Agrarministeriums gehört.
Die Nervosität in der Region ist verbreitet, seit die Wölfe im April und Mai 33 tragende Schafe einer Herde in der Nähe des eben geschilderten Ortes gerissen haben sollen.
Der Fall war klar. Der gezielte Drosselbiss in die Kehle, die Tatzenabdrücke, die gelben Augen, die der Schäfer nachts gesehen haben will (da sieht er aber mit Infrarot!?), verrieten Wolfsspuren. Gesa Kluth geht davon aus, dass es Jungtiere des Oberlausitzer Rudels waren. Die Elterntiere seien bisher so nicht aufgefallen, doch der Nachwuchs streife umher und suche ein neues Revier. Der Schäfermeister legte sich danach auf die Lauer. Kein Wolf kam.
Die Landesregierung kam für die Schäden auf, zahlte 256 Euro pro Tier, stellte vorübergehend einen Schäfer ein und finanzierte einen besseren Schutz: elektrische Lappenzäune mit wehenden roten Tüchern, die nach Meinung der Biologen den Angreifern suspekt sind. In der Regel...
Wenn doch noch was passiert, werden wieder Nachtwachen eingerichtet. Dann könnte auf die Wölfe auch mit Gummigeschossen aus Schrotflinten gezielt werden, um sie zu vergraulen.
Die Wölfe, die bisher geschützt auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz lebten, müssen auch mit Schmerzen erzogen werden. Der "einst verteufelte Grossräuber" (Zitat Pressetext) war mehr als 150 Jahre ausgestorben. 1995 siedelten sich zwei Alphatiere aus Polen diesseits der Grenze an. Die Rückkehr der Wölfe ist für den Artenschutz spektakulär und wurde ein Medienereignis. Schliesslich bilden sie die einzige Population im westlichen Mitteleuropa.
Doch die Schafsattacken verunsichern die Bewohner der Muskauer Heide. Egal, ob von Hunden oder Wölfen. Panik ist Panik.
Eine Rentnerin, die am Waldrand wohnt, wagt sich nicht mehr in die Beeren und Pilze. "Das ist mir unheimlich", sagt sie. Der Ehemann steht ihr bei: "Hundert Jahre war hier Ruhe. Doch jetzt hat jeder Angst." Die Rentner fütterten bisher vom Küchenfenster aus sogar weisse Hirsche, sagen sie. Nun aber würden Rot- und Damwild vertrieben, bedauern sie. "Und wenn die Wölfe im Winter Hunger haben, fallen sie vielleicht Menschen an", fürchten sie Eine andere Rentnerin sagt, was manche im Ort denken: "Die Wölfe soll man abschaffen."
Der Biologin sträuben sich die Haare: "Wölfe sind scheue Tiere und greifen keine Menschen an. Sie werden sich nicht in Gefahr begeben". Die Wolfs-Kommission hat daher nicht nur eine Hotline eingerichtet, unter der sich Polizei, Fachleute, Amtstierärzte und Naturschützer im Krisenfall rasch verständigen können. In Arbeit ist auch eine Image- und Informationskampagne, um Sorgen zu zerstreuen und die Wolfsregion zu vermarkten. Die geschützten Tiere fühlen sich in der Lausitz wohl. Es ist gerade ein neuer Wurf zu erwarten.
Ich fürchte, in einem Jahr sind die Wölfe doch vertrieben. Die Unaufgeklärtheit der so genannten Industrienationen sorgt dafür. In Rumänien und anderswo, wo der Landmensch mit all seinen (wesentlich häufigeren) Beutegreifern lebt, würde man über derartige Dummheiten den Kopf schütteln. Angst wird hier aus Nicht-Wissen- Wollen genährt.
Ein Mensch wird es schon schaffen, die Wölfe in Panik zu versetzen, so, dass sie was dergestalt anrichten, dass die Menschen sie endlich wieder vertreiben können (wie weiland im Bayerischen Nationalpark, als ein Caterpillar die massiven Zäune des Freigeheges durchbrach und die Wölfe in die Flucht schlug.)
Die Geister, die sie erst von fern als "toll, guck ma, die Ahnen von unserem Püppi!" anbeteten und dann aus dem Gemüsevorgarten und Kaninchenstall vertrieben.
Rotkäppchen-Syndrom ist eine Verleugnung des ganz normalen Wolfswesens Nun steht das Märchen im Vorgarten und der dickliche Hund bellt. Der Ahn möchte gehen, er hat längst seine Schuldigkeit getan. Und wenn er sich nicht verscheuchen lässt, weil der Komposthaufen so als Frühstück durftet, dann werden die Jäger herzitiert. Gern auch in Uniform der Polizisten Lebendige Einbrecher in die selbstgestrickte Wohnzimmer-Romantik.
Der Haushund sollte nicht mit den Wölfen tanzen wollen (wie es nur seine entzückt-entsetzten Besitzer möchten, so als Verbrüderung), oder mit ihnen Unterordnung oder so was wie halt in der Hundeschule Gelerntes machen. Das sehen die Wölfe ganz anders. Die spielen ja gar nicht wie unser Hund! Die reagieren auch nicht auf Clicker. Die sind aber schlecht sozialisiert! Richtig unnatürlich sind die! Gar nicht wie unser Püppi.
Wo sind wir denn?
In der Anti-Natur. Da fühlen wir uns wohl. Da kennen wir uns aus. Bald kriegen auch die hungrigen Medienwölfe davon Wind. Spot on! Macht hin! Sonst gehen die zu einem anderen Sender, wo sie mehr Lockvögel bekommen. Dann kommt Johannes Baptist Kerner vom Zett-De-Eff und macht eine Sonderschalte aus Sachsen. Er sprach mit den Wölfen. Spot aus.
Andere Panik: Der Mann am Telefon klang fürchterlich aufgeregt: Er japste in den Hörer, ihm sei gerade ein grosser schwarzer Bär entgegen gekommen. Der Polizist, der den Anruf am Sonntagabend um 22.15 Uhr entgegen nahm, glaubte, sich verhört zu haben. Nein: Es sei ein Bär.
Vier Beamte entdeckten das Tier sofort. Und obgleich es "friedlich wirkend rechtsseitig direkt vor der Gartenpforte eines Grundstücks" lag, näherten sie sich dem grossen Fellbündel doch mit der gebotenen Vorsicht "und stets auf Eigensicherung bedacht." Man kann sich die Erleichterung der heldenhaften Ordnungshüter vorstellen, als sich der Bär als gutmütiger Neufundländer entpuppte. Da eilte auch Frauchen dazu, erzählte, dass er bereits vermisst wurde und erzählte den vier angerückten Ordnungshütern: Der Rüde hatte die Bekanntschaft einer läufigen Labrador-Hündin gemacht und befand sich halt auf der Suche nach seiner Angebeteten.
Das ging ja noch mal gut.
Wehe, der Neufundländer wäre ein ähnlich massiver, aber kurzhaariger Hund mit schwarzer Maske gewesen. Denn dann hätte es auch kurzhaarige Wolfsbären gegeben, die man der Polizei aufbinden darf.
Ach, wo sich noch keine Wölfe herumgesprochen haben: die weitläufig Verwandten sind schon da. Füchse erobern die Städte. Klar, reichlich komfortable Nahrungsangebote. Feinde? Keine. Die paar Hunde, die draussen leben, pah! Sie passen auf unsere Hunde auf. Schon tummeln sie sich in Zürichs Stadtpärken (geschätzte 1 000) oder auf Allgäuer Campingplätzen. Ungeniert.
Impfköder und Abschiessen haben sie durch schlaue Anpassung oder schnellere Population gekontert. Die Tollwutgefahr ist nur noch eine sehr gering partielle. Meister Reinicke räumt weggeworfene Nahrungsreste auf, vertilgt Mäuse, auch wenn er nun eben durch Intensivlandwirtschaft von den Auen in die Städte vertrieben wurde. Die Rotfüchse sind nun unbezahlte Umweltmitarbeiter. Wir locken sie, sie keckern vor den Müllbergen der Fuchs-du-hast-die-Unschuld-gestohlen-Bürgern. Nur vor dem Eindringen in Hühnerbatterien sollte man die Schlauberger warnen. Sie könnten sich sonst vergiften.
Ich fühlte mich immer schon in Gegenden sicherer, in denen es von echten Wölfen, Bären, Füchsen und anderen tierlichen Beutegreifern nur so wimmelte. Auf die kann ich mich wenigstens verlassen.
Passen Sie gut auf Ihre Hunde auf!
Ihr

Rainer Brinks
Quelle: Hundezeitung http://www.hundezeitung.de/


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20.06.2002, 00:34
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Tai
Liebwolf




Dabei seit: März 2002
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Tai ist offline
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nichts da von bööööse... ich weiß, dass das ironisch gemeint war, aber der Text bringt es wirklich auf den Punkt. Das ist, was man einem, der jetzt noch Angst vor einem Wolf hat, was ich zwar nicht verstehen kann vor zeigen könnte... und das negative Image heftet leider heute immer noch an dem edlen Tier... und der Schluss... naja positiv ist immer gut, aber muss schon stimmen, was da steht... dass zahme gefährlicher sind, als wilde sei mal dahingestellt.


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"versprich mir etwas tai, wenn ich aus irgend ein
grund es nicht schaffe und verschwind von erdboden eines tages, egal wann, nicht traurig sein darueber ja?"

In Gedenken an Panther, am 13.02.03 | † am 22.02.03

19.06.2002, 23:06
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Nala
Löwin




Dabei seit: Januar 2002
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Nala ist offline
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Jaja... der bööööööööse Wolf.... aber vielleicht liegt ja auch in dem negativ Image, was ihm anhaftet, ein Stück weit seine Faszination, bleibt zu hoffen, dass der letzte Abschnitt Deines Postes vom Geo Autor nicht nur so dahingesagt wurde, um dem Ganzen einen positiven Schlußpunkt zu setzten.


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19.06.2002, 18:30
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PetraB.
Alpha-Wolf




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NUN ja ... leider wurde einer der Jungwölfe bereits erschossen ... aber diesen Artikel fand ich trotzdem interessant ...


Wer hat Angst vor Wölfen?

Im Nationalpark Bayrischer Wald sind zwei Jungwölfe aus ihrem Gehege entkommen und stromern seither durchs Unterholz. Ein Grund zum Fürchten? GEO EXPLORER untersucht, warum der Mensch dem Wolf nicht traut.

Text von Utz Anhalt

Die Parkverwaltung will die beiden Ausreißer schnell wieder einfangen. Schließlich steht das verlängerte Wochenende vor der Tür. Und die erwarteten Himmelfahrts-Besucher sollen sich angstfrei bewegen können. Die an Menschen gewöhnten Ausreisser könnten die Hunde der Wanderer als Beutetiere ansehen. Einer der ursprünglich drei Ausbrecher sitzt schon wieder in Verwahrung. Die beiden anderen treiben sich in der Nähe ihres Geheges herum. Noch sind alle darum bemüht, den Ausflug der Wölfe unblutig zu beenden.

Wie der Mensch auf den Wolf kam
Als der Wolf in der Altsteinzeit domestiziert wurde, stand am Anfang wahrscheinlich eine symbiotische und natürliche Arbeitsteilung. Die Wölfe trieben die Huftiere in die Richtung, in der sie die Menschen erlegen konnten. Menschen und Wölfe hatten die gleiche Hauptbeute (große Huftiere) und die gleichen Feinde (Großkatzen und Bären). Nach der Jagd profitierten beide vom Fleisch der Beute. Archäologische Funde gestatten die Hypothese, dass die Wölfe wohl rasch lernten, dass die Abfallhaufen der prähistorischen Lager leckere Knochen und Fleischreste enthielten, wodurch sie in den engeren Kontakt mit Menschen kamen. Um ihre Fraß-Plätze zu verteidigen, dürften die hundeartigen Fleischfresser andere Großraubtiere wie Bären und Löwen von dem Aas (und damit den menschlichen Lagern) vertrieben haben; eine Verteidigungshaltung, die man auch heute noch bei Wölfen beobachten kann. Gut möglich, dass ein kluger Steinzeitmensch die Wölfe deshalb absichtsvoll angefüttert hat, um so Schutz vor den anderen Beutegreifern zu erlangen. Zwischen halb zahmen Wölfen und der gezielten Zucht von Hunden auf spezielle Eigenschaften folgten allerdings noch Jahrtausende.

Wölfische Helden im Altertum
Die Germanen verehrten den Wolf. In ihrer kriegsbestimmten Gesellschaft waren die Wölfe, die von den Kriegern beobachtet wurden, wie sie die Leichen der Gefallenen fraßen, Begleiter des höchsten Gottes, des Kriegsgottes Odin. Die Namen der beiden Odinswölfe lauten übersetzt: Gierig und Gefrässig. Auf kriegerischen Wurzeln verweisen noch heute Namen wie Wolfgang (der Gang in die Schlacht), Adolf (der Edelwolf) oder Rudolf (der Ruhmwolf).

Germanische Krieger, ulfhepnar (Wolfshäuter) genannt, kleideten sich in Wolfsfelle, um sich die Kraft von Wölfen anzueignen. ''Den Wolfspelz anlegen'' war gleichbedeutend mit der Anwendung von Gewalt. Das Wort ''Wolf'' stammt vom altgotischen Verb vilvan, was rauben bedeutet. In der germanischen Kriegergesellschaft galt der Raub als Heldentat.
In der bildenden Kunst des Frühmittelalters vertrieben christliche Heilige mit ihrer moralischen Kraft heidnische Dämonen in Wolfsgestalt. Als im 12. und 13. Jahrhundert n.Chr. die mitteleuropäischen Wälder weitgehend gerodet waren und die realen Wölfe vermehrt Haustiere, vor allem Schafe, rissen, wurde der Partner der germanischen Krieger zum Inbegriff des Feindes der mittelalterlichen Bauern.

Christliche Verdammung
Entscheidend sowohl für die Verehrung im germanischen Altertum als auch für die fast religiöse Angst vor dem Wolf im christlichen Mittelalter war und ist auch heute noch das ''menschenähnliche'' Verhalten der Wölfe, welches gerade der Grund dafür war, dass der domestizierte Wolf zum engsten Partner des Menschen wurde.

Die Kirche bezeichnete den Teufel als Erzwolf, die (sesshaften) Christen galten als Lämmer, die vor dem Wolf beschützt werden mussten. Für die adligen Jäger war der Wolf ein Konkurrent in der Hatz auf Hirsche, für die Bauern der Würger des Viehs. An die Stelle der Verehrung der Natur trat der Versuch, die Natur zu unterwerfen. Der Adel drückte seine Macht über die Bezwingung der wilden Tiere aus - insbesondere durch die Jagd auf Wölfe. Das Wort Wargus bezeichnete noch im 16. Jahrhundert sowohl den Verbecher als auch das Tier Wolf.

Sinnbild für Spukgeschichten
Die mittelalterliche Bevölkerung wußte wenig über die biologische Wirklichkeit des Wolfes. Er war das Fremde, das Außen, das unheimliche Element. Ohne Elektrizität waren die Nächte tiefdunkel, erfüllt vom Geheul der Wölfe, während die Bauern sich um kleine Feuer scharten und die Hunde ihren wilden Verwandten mit Bellen antworteten.

In den zeitgenössischen Beschreibungen vermischen sich reale Beobachtungen mit düsteren Fantasien. Draußen in der Nacht des mittelalterlichen Europas lauerten die menschlichen und wölfischen Räuber, die Vampire und Werwölfe, Wesen halb Mensch, halb Wolf, die Kriegshaufen und Wolfsrudel.

So sollte der Wolf heulen, um dem Herrgott seine Sünden zu beichten, ein großer Wolf sollte im monatlichen Wechsel den Mond verschlingen, sein Magen sollte mit den Mondphasen größer oder kleiner werden, der Wintersturm galt als Wolfs Heulen, Wölfe wurden mit schwarzem Fell gemalt (obwohl europäische Wölfe graubraunes Fell tragen), sollten Schafe und Kinder mit dem Maul schleppen (wozu selbst die kräftigsten Wölfe physisch nicht fähig sind) und bei Angriffen auf Menschen heulen (dabei jagen Wölfe immer lautlos).

Guter Hund, böser Wolf
Als die Wölfe in Frankreich im 18. Jh. n.Chr. noch zahlreich waren, lautete der Name im Volksmund für die Abenddämmerung ''die Zeit zwischen Hund und Wolf'': Licht und Dunkelheit, Gut und Böse, zwischen dem Hund als Beschützer und dem Wolf als Feind der Menschheit. Der Wolf wurde im europäischen Zivilisationsprozess Sinnbild der bedrohlichen und wilden Natur, der Hund hingegen Symbol der gezähmten und beherrschten Natur. Die Furcht der Bauern war so groß, dass der Wolf wie der Teufel umschrieben wurde, da die Leute Angst hatten, ihn mit dem Nennen seines Namens zu rufen. Sie sprachen von Unzifer (Ungeziefer), Teufelsrachen oder Gierschlund.
Vor Charles Darwins Buch ''Entstehung der Arten'' (1859) gab es in Deutschland kein Bewusstsein darüber, dass biologische Realität und künstlerische Fantasie hinsichtlich der Beschreibung von Tieren nicht identisch waren.

Der unheimliche Allesfresser
Über Jahrtausende hinweg war der Wolf der wehrlose Sündenbock des kleinen Mannes, der für jegliches reale oder imaginierte Verbrechen verantwortlich gemacht wurde. Hungersnöte, Krisen, Verwirrung in Kriegszeiten und die Pest waren Anlässe, massenhaft in Wölfen einen greifbaren Feind zu jagen, der sich aus Futtersuche diesen makabren Situationen zugeneigt fühlte.

Der Wolf wurde in einer Mischung aus richtigen Beobachtungen und falschen Interpretationen über Jahrhunderte hinweg für die Schrecken verantwortlich gemacht, von denen er lediglich profitierte: In Pest-Zeiten kamen die Wölfe in die Städte, da sie vom Geruch der Kadaver angezogen wurden. Im Chaos des Dreißigjährigen Krieges drangen Wolfsrudel aus dem gleichen Grund tief in die verwüsteten Landstriche ein. Der Instinkt des tierischen Jägers war banal: Ihn zog die Nahrung an. Ob dies nun in einer ''edlen'' Jagd auf den Rothirsch oder in einem ''schändlichen'' Verzehr von an Krankheit gestorbenen Rindern geschah, war ihm herzlich gleichgültig.

Totaler Krieg und Ausrottung
Im Deutschland des 19. Jahrhundert wurde der totale Krieg gegen den Wolf weitergeführt. Je mehr sich die industrialisierte Agrarbewirtschaftung ausbreitete, desto vehementer wurde der Wolf bekämpft, als ob es nicht um ein Tier, sondern um die Vertilgung des leibhaftigen Bösen ginge. Ob mit Wolfshunden, Gas oder Giftködern, in Baumgabeln aufgehängten Wolfsangeln, mit Kugel, Strick, Treibjagden, Mistforken und Fallgruben - die Wolfspopulationen wurden so rücksichtslos bekämpft, dass die Spezies Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland nahezu ausgerottet war.
Der Hass war irrational. Zwar vergreifen sich Wölfe gelegentlich auch an Hausvieh, in der Regel jedoch nur, wenn keine anderen Beutetiere zur Verfügung stehen, und es ihnen leicht gemacht wird. Wie alle beutegreifenden Säugetiere sind Wölfe nicht ''böse'', sondern erfüllen eine wichtige Funktion innerhalb ökologischer Systeme. Sie jagen vor allem kranke und schwache Tiere und fördern so die Fitness des evolutionären Geschehens. Sie jagen wie alle Raubsäuger mit dem geringsten Energieaufwand, sind also in der Nähe menschlicher Ansiedlungen eher scheu und ängstlich. Selbst in Hungerperioden greifen Wölfe, abgesehen von tollwütigen Tieren, keine Menschen an.

Umdenken verspricht eine neue Chance
Paradoxerweise sind gerade die wilden Wölfe für Menschen ungefährlicher als die zahmen. Wölfe, die aus Gehegen ausbrechen, können für die Bevölkerung eher gefährlich werden als freilebende Tiere, da die Gefangenschaftstiere ihre natürliche Scheu vor Menschen verloren haben und eher Haustiere als Wildtiere fressen.

Glücklicherweise ist inzwischen Hass und Furcht vor Wölfen der Bewunderung und Faszination gewichen. Trotz der jüngsten Geschehnisse in Bayern und Sachsen gibt es niemand, der sogleich die Erschießung der außer Kontrolle geratenen Wölfe verlangt.

Quelle: GEO EXPLORER


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... and yesss ... my rage ...
© Alpha P.

18.06.2002, 21:38
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