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Sesshoumaru
sama




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Die schrägsten Experimente der Welt

Wahrer Forschergeist schreckt vor nichts zurück. In einem neuen Buch hat der Journalist Reto U. Schneider die kuriosesten wissenschaftlichen Versuche gesammelt. Wir stellen eine kleine Auswahl davon vor

Wahrer Forschergeist schreckt vor nichts zurück. In einem neuen Buch hat der Journalist Reto U. Schneider die kuriosesten wissenschaftlichen Versuche gesammelt. Wir stellen eine kleine Auswahl davon vor

1837 Darwin am Fagott
Manche Experimente muss man sich einfach aus der Sicht der untersuchten Tiere vorstellen. Da windet sich ein Wurm in einem Topf mit Erde, und was sieht er, wenn er über den Rand blickt? Einen der bedeutendsten Naturwissenschaftler, Charles Darwin, der sein Fagott an den Topf hält und mit geblähten Backen den tiefstmöglichen Ton spielt. Wer nun glaubt, der Wurm sei überrascht, könnte sich täuschen. Der Gelehrte hat nämlich schon auf der Flöte und auf dem Klavier für ihn gespielt.

Darwin begründete nicht nur die Evolutionslehre, er erforschte auch über vierzig Jahre lang das Leben der Regenwürmer. Dabei wollte er unter anderem klären, ob die Würmer hören können. Als sie auf keines der Instrumente reagierten und sich auch nichts anmerken ließen, als Darwin sie anschrie, schloss er in seinem Buch über Die Bildung der Ackererde durch die Tätigkeit der Würmer im Jahre 1881: »Würmer haben keinen Gehörsinn.«


1852 Der Muskel der Lüsternheit
Wie der alte Mann hieß, dessen Bild heute in Kunstausstellungen hängt, hat der Arzt Guillaume Benjamin Armand Duchenne de Boulogne nie verraten. In seinem Buch Méchanisme de la physionomie humaine erfahren wir nur, dass er als Schuhmacher arbeitete und sein Gesichtsausdruck zu seinem »gutartigen Charakter« und seiner »beschränkten Intelligenz« passte. Mehr beschäftigte Duchenne, wie seine Leser darauf reagieren könnten, dass er für seine Versuche nicht ein schöneres Gesicht ausgewählt hatte. Doch der Arzt hatte gute Gründe, den zahnlosen Alten zu bevorzugen: Einerseits ließ die faltige Haut die Muskeln besonders deutlich hervortreten, andererseits litt er seit langem an einer fast kompletten Gefühllosigkeit des Gesichts. Ein unschätzbarer Vorteil, der Duchenne erlaubte, »die einzelne Aktivität der Muskeln so effizient zu untersuchen wie an einer Leiche«. Auch wenn die Bilder des Schuhmachers zuweilen an Folterszenen erinnern: Er spürte nichts, seine Atmung blieb während der Experimente regelmäßig und ruhig, wie der Arzt versicherte.

Seit 1842 untersuchte Duchenne Epileptiker, Spastiker und Paraplegiker, indem er einzelne ihrer Muskeln mit Strom reizte. Ließ sich ein gelähmter Muskel elektrisch stimulieren, schloss Duchenne, musste der Fehler im Gehirn oder in der Verbindung dorthin liegen; wenn nicht, lag das Problem im Muskel selbst. An diese Arbeit erinnert heute der Name der Duchenne-Muskeldystrophie.

Der Mediziner verfolgte nicht nur wissenschaftliche, sondern auch ästhetische Ziele. Durch die elektrische Stimulation des Gesichts versuchte Duchenne, möglichst echt aussehende Gefühlsregungen hervorzurufen, und er benannte die Muskeln nach den Gefühlen, bei denen sie aktiviert wurden: den Muskel der Traurigkeit, des Schmerzes oder der Lüsternheit. Der Unterschied zwischen einem echten und einem falschen Lachen liegt demnach im Orbicularis oculi, pars lateralis, einem Muskel, der das Auge umfasst und nur bei einem natürlichen Lachen aktiviert wird. Er »gehorcht nicht dem Willen«, schrieb Duchenne. »Sein Fehlen entlarvt den falschen Freund.«

Duchenne wollte mit seinen Studien des Gesichts auch den Lauf der Kunst verändern, indem er Regeln formulierte, die den Künstler »bei der wahren und vollständigen Darstellung der Bewegungen der Seele« führten. Vielen der großen Meister der Antike stellte er kein gutes Zeugnis aus. Sie hätten zwar die groben Züge richtig getroffen, aber sonst sei vieles »mechanisch unmöglich«. Der Skulptur des griechischen Priesters Laokoon, von Kunsthistorikern als Meisterwerk gepriesen, fehle es zum Beispiel an der Stirn. Offenbar wussten die rhodischen Bildhauer Polydoros, Agesandros und Athanodoros nichts vom m. corrugator supercilii, der dort unter der Haut wirkt.


1883 Toll, ein anderer zieht!
Bekannt war es schon lange, doch wissenschaftlich bewiesen hat es erst der französische Agronom Max Ringelmann: Der Mensch ist faul. Besonders, wenn er glaubt, es werde nicht bemerkt.

Ringelmanns elegantes Experiment bestand darin, zwanzig Studenten allein und in Gruppen an einem fünf Meter langen Seil ziehen zu lassen, dessen anderes Ende zu einem Kraftmessgerät führte. Dort zeigte sich die Neigung zum Drückebergertum in nackten Zahlen. Wenn zwei Leute gleichzeitig am Seil zogen, leistete jeder durchschnittlich nur 93 Prozent dessen, was er zuvor allein geschafft hatte. Bei drei Leuten waren es noch 85 Prozent, bei vier 77 Prozent. Und so ging die Spirale der Faulheit weiter, bis in einer Gruppe von acht Personen jeder nur noch durchschnittlich die Hälfte seiner Maximalleistung zeigte. Diesen schäbigen Zug der menschlichen Natur nennen die Psychologen heute Ringelmann-Effekt. Sein Fazit steckt schon im alten Witz über die wahre Bedeutung des Wortes Team: Toll, ein anderer macht’s.


1928 Die Kurve der Wollust
Der vom amerikanischen Mediziner Ernst P. Boas entwickelte Kardiotachometer war der Traum jedes Herzspezialisten. Es erlaubte die automatische und kontinuierliche Aufzeichnung der Herztätigkeit, während eine Versuchsperson körperlich aktiv war. Bei allen bis dahin bekannten Geräten hatte sie still liegen müssen.

Boas und sein Kollege Ernst F. Goldschmidt machten sich sofort daran, das Leben von 51 Männern und 52 Frauen zu vermessen. Dabei bestimmten sie auch den Maximalpuls während verschiedener Tätigkeiten: essen (102), telefonieren (106), Musik hören (107,5), tanzen (130,6), Turnübungen (142,6). Spitzenreiter war jedoch mit 148,5 Schlägen pro Minute der Orgasmus. Über den genauen Hergang dieser Messung erfährt man in Boas’ und Goldschmidts Buch The Heart Rate nicht viel. »Wir hatten das Glück, eine Aufzeichnung des Herzschlags eines Mannes und seiner Ehefrau während des Verkehrs zu erhalten«, schreiben sie und konzentrieren sich dann auf die Resultate. Dabei gehen die zwei Mediziner über eine höchst bemerkenswerte Eigenschaft dieses Herzdiagramms hinweg, als gäbe es nichts Normaleres: »Es zeigt vier Spitzen der Herzfrequenz bei der Frau. Jede Spitze steht für einen Orgasmus.« Die Frau hatte in dieser Nacht zwischen 23.25 und 23.45 Uhr vier Orgasmen! Und das mit zwei von unbequemen Gummibändern gehaltenen Elektroden auf der Brust, die über dreißig Meter Kabel mit dem Aufzeichnungsgerät verbunden waren.

Erst der Sexualforscher Robert Latou Dickinson, der das Diagramm 1933 in sein Buch Human Sex Anatomy aufnahm, hatte ein Auge für die vier Spitzen. Allerdings schrieb er sie vor allem der Fähigkeit des Mannes zu, dem er eine »ausgereifte Technik« attestierte, die ihm erlaubte, 25 Minuten in der Vagina der Frau zu bleiben, um auf »ihre vollständige Befriedigung« zu warten.


1948 Drogennetze
Spinnen pflegen einen für Wissenschaftler anstrengenden Brauch: Sie spinnen ihre Netze um vier Uhr morgens. Dies machte 1948 dem Tübinger Zoologen Hans Peters zu schaffen, der für Filmaufnahmen des Netzbaus nicht mitten in der Nacht aufstehen wollte. Also fragte er Peter Witt, einen jungen Assistenten der Pharmazieabteilung, ob sich Spinnen vielleicht mit Aufputschmitteln dazu bringen ließen, ihre Netze zu einer freundlicheren Stunde zu weben. Witt versuchte es als Erstes mit Strychnin, Morphium und Dextroamphetamin (Speed). Die Fütterung war einfach: Mit etwas Zuckerwasser vermischt, fraßen die Spinnen jedes Gift. Doch der Erfolg blieb aus. Sie arbeiteten immer noch in aller Herrgottsfrühe, und Peters verlor das Interesse an den Versuchen.

Witt hingegen fand das Resultat hoch interessant: Netze, wie sie die Spinnen unter Drogeneinfluss bauten, hatte er noch nie gesehen. Luftige, dichte, grotesk unregelmäßige, aber auch extrem exakte. Ließ sich das Spinnennetz als Messgerät für die Wirkung von Drogen und Medikamenten verwenden? Witt fütterte die Spinnen mit allem, was der Arzneimittelschrank hergab: Meskalin, LSD, Koffein, Psilocybin, Luminal, Valium. Danach ließ er sie in einem 35 mal 35 Zentimeter großen Rahmen ein Netz spinnen, das er vor einem schwarzen Hintergrund fotografierte. Er entwickelte eine statistische Methode, mit der sich selbst kleine systematische Unterschiede feststellen ließen. Auf dem Bild des Netzes bestimmte er Winkel, Fadenabstände und Flächen und erstellte Tabellen mit der Häufigkeit des Netzbaus, der Größe der Fangflächen und dem Verhältnis der Netzachsen zueinander.

Doch die Hoffnung, das Spinnennetz als universelle Anzeige für chemische Stoffe einsetzen zu können, zerschlug sich. Die ausführlichsten Resultate – mit Hilfe von Statistikprogrammen, die für die Kristallografie entwickelt worden waren – publizierten im Jahr 1995 Wissenschaftler der Nasa (warum ausgerechnet die Nasa solche Versuche durchführte, bleibt rätselhaft). Ergebnis: Für die Drogenprävention eigneten sich die Fabrikate der Spinnen definitiv nicht. Das chaotischste Netz entstand unter Koffein, das schönste unter Marihuana und das regelmäßigste – das hatte schon Witt entdeckt – unter LSD.


1963 Die verlorenen Briefe
Stellen Sie sich vor, Sie fänden auf einem Spaziergang in Ihrer Nachbarschaft einen frankierten Brief auf der Straße, der an die »Freunde der Nazi-Partei« adressiert wäre. Würden Sie ihn einwerfen? Was, wenn er an die »Freunde der Kommunistischen Partei« ginge, an die »Gesellschaft für medizinische Forschung« oder einfach an einen gewissen Walter Carnap?

Vor dieser Frage standen im Frühling 1963 viele Einwohner des US-Städtchens New Haven, die einen solchen Brief fanden. Was die Passanten nicht wussten: Die Briefe waren nicht etwa verloren gegangen, vielmehr hatten Yale-Studenten sie sorgsam platziert – auf der Straße, in Telefonzellen und Läden. Die aufgedruckte Postfach-Adresse »P. O. Box 7147, 304 Columbus Avenue, New Haven 11, Connecticut« hatte der Psychologe Stanley Milgram gemietet. Zwei Wochen nach dem Verteilen der Umschläge waren von je 100 »verlorenen« Briefen 25 an die Partei der Nationalsozialisten dort eingetroffen, ebenfalls 25 an die Kommunistische Partei, 72 an die medizinische Gesellschaft und 71 an Walter Carnap.

Milgram war zufrieden. Der unterschiedliche Rücklauf zeigte, dass sich mit der »Methode der verlorenen Briefe« unauffällig die Einstellung der Menschen zu bestimmten Organisationen und bestimmten Themen erheben ließ. Bei herkömmlichen Untersuchungen wurden die Leute direkt befragt, oder sie füllten Fragebögen aus. Dabei war nie sicher, ob sie ehrlich waren. Vor allem in heiklen Fragen entsprachen die Umfrageergebnisse selten der Wahrheit. Bei Milgrams Briefen war das anders: Weil die Leute nicht wussten, dass sie an einem Experiment teilnahmen, verstellten sie sich nicht.

Die Methode der verlorenen Briefe wurde seither in Hunderten von Untersuchungen angewendet. Milgram selbst sagte mit ihrer Hilfe den Sieger der Präsidentschaftswahlen von 1964, Lyndon B. Johnson, voraus, wenn er auch den Stimmenanteil für Johnson stark unterschätzte. Das Verfahren eignet sich vor allem für sehr kontroverse Themen. In jüngerer Zeit wurden damit die Meinungen zu Kreationismus, Aufklärungsunterricht und schwulen Lehrern erhoben.


1964 Stierkampf mit Fernsteuerung
Der Ort war gut gewählt: Wo sollte ein spanischer Neurowissenschaftler seine Macht über das Gehirn eines Tieres beweisen, wenn nicht in einer Stierkampfarena? José M. R. Delgado stand also in der Arena von Córdoba und schwenkte mit dem rechten Arm ein rotes Cape, in der Linken hielt er eine Funkfernsteuerung. Als der Bulle auf ihn zurannte, ließ er den Umhang fallen und drückte einen Knopf an der Fernsteuerung: Das Tier bremste ab. Dann einen zweiten Knopf: Der Stier trottete gemächlich davon.

Der Stierkampfversuch ist eines der wenigen wissenschaftlichen Experimente, die es auf die erste Seite der New York Times schafften. Die Wirkung blieb nicht aus. »Seit damals habe ich jedes Jahr Briefe von Leuten erhalten, die glauben, ich würde ihre Gedanken kontrollieren«, sagte Delgado später.

Der Professor der Yale University wollte mehr über das Verhalten von Mensch und Tier herausfinden, indem er das Gehirn elektrisch stimulierte. Wie vielen seiner Versuchstiere hatte er auch dem Stier Elektroden ins Gehirn gepflanzt, mit deren Reizung er bestimmte Verhaltensweisen erzeugen konnte. So hatte er schon Affen auf Knopfdruck zum Gähnen gebracht und Katzen zum Angreifen. Bei Epilepsiepatienten konnte er Freundlichkeit, Redefluss und Ängste beeinflussen.

Delgado war nicht nur überzeugt, dass die elektrische Stimulation des Gehirns der Schlüssel zum Verständnis der biologischen Grundlagen des Sozialverhaltens sei, er war auch der Prophet einer neuen »psychozivilisierten« Gesellschaft, deren Mitglieder jetzt im Besitz einer Technik seien, die es ihnen erlaube, »glücklichere, weniger zerstörerische und ausgeglichenere Menschen« zu werden. Diese Vision ist zwar bisher nicht Wirklichkeit geworden, doch die elektrische Stimulation des Gehirns wird heute beim Menschen tatsächlich angewendet: Parkinsonkranke können damit ihre Krankheitssymptome besser beherrschen.


1970 Dr. Fox erzählt Unsinn
Der Vortrag, den Myron L. Fox vor den versammelten Experten hielt, trug den eindrucksvollen Titel Die Anwendung der mathematischen Spieltheorie in der Ausbildung von Ärzten. Und den Teilnehmern des Weiterbildungsprogramms der University of Southern California School of Medicine wurde Fox als »Autorität auf dem Gebiet der Anwendung von Mathematik auf menschliches Verhalten« vorgestellt. Er beeindruckte die Zuhörer mit seinem gewandten Auftritt derart, dass keiner von ihnen merkte: Der Mann war Schauspieler und hatte keine Ahnung von Spieltheorie.

Alles, was Fox getan hatte, war, aus einem Fachartikel über Spieltheorie einen Vortrag zu entwickeln, der ausschließlich aus unklarem Gerede, erfundenen Wörtern und widersprüchlichen Feststellungen bestand, die er mit viel Humor und sinnlosen Verweisen auf andere Arbeiten vortrug. Hinter dieser Täuschung standen John E. Ware, Donald H. Naftulin und Frank A. Donnelly, die mit dieser Demonstration eine Diskussion über den Inhalt des Weiterbildungsprogramms initiieren wollten. Das Experiment sollte die Frage beantworten: Ist es möglich, eine Gruppe von Experten mit einer brillanten Vortragstechnik so hinters Licht zu führen, dass sie den inhaltlichen Nonsens nicht bemerken? John Ware übte stundenlang mit dem Schauspieler: »Das Problem war, Fox davon abzuhalten, etwas Sinnvolles zu sagen.«

Fox war sich sicher, dass der Schwindel auffliegen würde. Doch das Publikum hing an seinen Lippen und begann nach dem einstündigen Vortrag, fleißig Fragen zu stellen, die er so virtuos nicht beantwortete, dass niemand es merkte. Auf dem Beurteilungsbogen gaben alle zehn Zuhörer an, der Vortrag habe sie zum Denken angeregt, neun fanden zudem, Fox habe das Material gut geordnet, interessant vermittelt und ausreichend Beispiele eingebaut. Die Tatsache, dass der Stil eines Vortrags über seinen dürftigen Inhalt hinwegtäuschen kann, hieß bald nur noch der »Dr.-Fox-Effekt«.

Auch nachdem die Zuhörer über die wahre Identität von Fox aufgeklärt worden waren, erkundigten sich einige von ihnen nach weiterführender Literatur. Der Vortrag – obwohl nichtssagend und als Betrug entlarvt – hatte durch seinen Stil offenbar das Interesse am Thema geweckt. Ware schlug darauf eine innovative Methode vor, die Motivation der Studenten zu steigern: Professoren könnten, anstatt selber Vorlesungen zu halten, Schauspieler dafür trainieren. In der Los Angeles Times schrieb daraufhin ein Journalist: »Diese Untersuchung hat Implikationen, die selbst ihre Autoren nicht bemerkt haben. Wenn ein Schauspieler ein besserer Lehrer ist, warum nicht auch ein besserer Parlamentarier oder sogar ein besserer Präsident?« Sieben Jahre später wurde Ronald Reagan Präsident der Vereinigten Staaten.


1994 Schönwetterkellner
Im März 1994 betrieb der Zimmerkellner des Casinohotels in Atlantic City, New Jersey, eine seltsame Art des Wetterberichts: Jeden Morgen, bevor er mit dem Frühstück die Zimmertür eines Gastes erreichte, nahm er einen Stapel Karten aus dem Jackett und zog eine davon. Darauf stand eine von vier Vorhersagen: »kalt und regnerisch«, »kalt und sonnig«, »warm und regnerisch«, »warm und sonnig«. Die Hotelzimmer waren schallisoliert und mit dunklen Scheiben versehen, sodass man von drinnen unmöglich das Wetter erkennen konnte. Wenn sich die Gäste danach erkundigten, gab ihnen der Kellner, unabhängig vom wirklichen Wetter, bekannt, was auf der gezogenen Karte gestanden hatte, und verließ den Raum. Mit dem Experiment wollte der amerikanische Psychologe Bruce Rind herausfinden, ob nicht nur die realen Wetterbedingungen auf die Stimmung der Menschen einwirken, sondern bereits der Glaube, es herrsche ein bestimmtes Wetter.

Das erhaltene Trinkgeld zeigte, dass tatsächlich »keine direkte sensorische Einwirkung der Wetterbedingungen nötig ist, um das Verhalten zu beeinflussen«. Anders gesagt: Es lohnt sich für den Hotelangestellten zu lügen, wenn das Wetter schlecht ist. Im vorliegenden Fall erhielt er etwa ein Drittel mehr Trinkgeld, wenn er den Gästen sagte, die Sonne scheine. Die Temperaturangabe war ohne Einfluss. Auch Kellner, die nicht lügen wollen, können davon profitieren: Vier Jahre später fand derselbe Forscher in einem italienischen Restaurant heraus, dass bereits eine gute Wettervorhersage für den nächsten Tag auf der Rückseite der Rechnung ein Viertel mehr Trinkgeld einbringt.

Quelle: die Zeit


__________________
Sesshoumaru-sama, Lord of the Western Lands
GVD

17.09.2004, 20:37
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