Registrierung Kalender Tigerforum-Chat Häufig gestellte Fragen Suche Mitgliederliste Moderatoren und Administratoren Statistik Database Galerie TopListe Glossar Startseite
Tigerforum » Allgemeines » andere Räuber, Jäger, Tiere... » Forschung » Zähne sind Klima-Anzeiger » Hallo Gast [registrieren|anmelden]
« Vorheriges Thema Nächstes Thema » Druckvorschau | An Freund senden | Thema abonnieren | Glossareintrag vorschlagen
Antwort erstellen Neues Thema erstellen
Autor
Beitrag
Sesshoumaru
sama




Dabei seit: Januar 2002
Herkunft: Deutschland
Bayern (DE)
Beiträge: 2462
Sesshoumaru ist offline
Themenstarter Dieses Thema wurde von Sesshoumaru gestartet
Zähne sind Klima-AnzeigerAntwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

Zähne der Pflanzenfresser sind Klima-Anzeiger
Untersuchungen von Thomas Kaiser und Kollegen sind weltweit gefragt

Greifswald Zeige mir Deine Zähne und ich sage Dir, in welcher Klimazone Du lebst. Stimmt im Zeitalter der Globalisierung nicht mehr, aber vor 2000 und mehr Jahren war so ein Schluss schon meistens zulässig. Allerdings können wir die Menschen der Stein- oder Bronzezeit nicht mehr fragen, und mit Schriftgut sieht es bekanntlich schlecht aus.

Helfen kann der Greifswalder Funktionsmorphologe und Zoologe Privatdozent Dr. Thomas Kaiser (42). Und zwar immer dann, wenn Zähne erhalten geblieben sind. Die Beißwerkzeuge der Pflanzenfresser sind ein Spiegelbild ihrer Nutzung. Sie lassen beispielsweise erkennen, ob ein Tier Gras, Blätter, Rinde oder beispielsweise Früchte fraß. Um nicht verspeist zu werden, entwickelten die Pflanzen Abwehrstrategien, damit sich die Zähne ihrer Widersacher schneller abnutzen, sie bilden so genannte Phytolite.

Die Säugetiere antworteten darauf mit hochkronigen Zähnen, die eine stärkere Abnutzung aushalten.

Um gesicherte Erkenntnisse zu gewinnen, werden die Zahnabnutzungen ausgestorbener Tiere mit denjenigen lebender Tiere verglichen, deren Nahrung bekannt ist. So lassen sich tatsächlich Rückschlüsse auf Klima und Vegetation vergangener Zeiten ziehen. In der für diese Vergleiche zur Verfügung stehenden Datenbank sind derzeit etwa 19 000 Tiere verzeichnet.

Das von Dr. Kaiser in Zusammenarbeit namentlich mit Kollegen in den USA seit etwas vier Jahren entwickelte Instrumentarium ist so gefragt, dass er gar nicht alle Wünsche nach Projektkooperationen und Untersuchungen erfüllen kann, da die sehr beengten Verhältnisse im Institutsgebäude Anklamer Straße des Zoologischen Instituts derzeit eine Vergrößerung seiner Arbeitsgruppe gar nicht mehr zulassen. Im Moment laufen allein drei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und zwei vom National Science Foundation (USA) geförderte Projekte.

Zu den bereits gewonnenen neuen Erkenntnissen gehört, dass die Urrinder Nordosteuropas wahrscheinlich eine blattreichere Nahrung als die Hausrinder der ersten steinzeitlichen Ackerbauern, die sich im Wesentlichen von Gras ernährten, zu sich nahmen. Das legen Untersuchungen der Doktorandin Ellen Schulz nahe, die Gebissreste auswertete, die von Archäologen an etwa 250 Fundstellen in Dänemark gesammelt wurden. Diese stammen aus den Jahren 10 500 vor Christus bis zum „Jahre 0“.

Wenn weitere Untersuchungen diese Schlussfolgerung erhärten, wäre die These von der Waldweide, der winterlichen Zufütterung von Blättern bei den Steinzeitmenschen möglicherweise vom Tisch. Weitere Untersuchungen sollen Erkenntnisse zu den dramatischen Veränderungen im Ostseeraum, als die Weltmeere in den Jahrhunderten nach dem Ende der Weichselkaltzeit stark anstiegen und gleichzeitig Senkungsbewegungen im Untergrund des südlichen Ostseebeckens einsetzten, erbringen. Große Flächen Nordeuropas wurden geflutet und innerhalb weniger Jahrtausende entstanden die heutige Ostsee und ihre Inseln.

Das Wissen darum, wie Tiergemeinschaften auf rasche Umweltveränderungen reagieren, ist auch für den Umweltschutz im weitesten Sinne wichtig. „Man kann rekonstruieren, welche Nahrungsgrundlage die einzelne Art wirklich braucht, wieviel Veränderung, z. B. Lebensraumzerschneidung, Verwüstung oder Versteppung, sie erträgt“, erläutert Thomas Kaiser.

Die Untersuchungen der Zähne ermöglichen Vergleiche über Kontinente hinweg. Insbesondere bieten sich dafür die auf allen Erdteilen verbreiteten Huftiere an, sie eignen sich darum als Modellgruppe. Gemeinsam mit Tübinger Wissenschaftlern laufen Untersuchungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dr. Kaiser ist zudem häufig auf dem afrikanischen Kontinent unterwegs. Dort haben Huftiere eine unglaubliche Biodiversität (biologische Vielfalt) entwickelt.

Seine Forschungen haben ihn Skepsis in Sachen der menschlichen Möglichkeiten zum Erhalt von Tierarten im Rahmen aktiven Umweltschutzes gelehrt. Das Überleben einer Tierart ist von einem Netzwerk einzelner Einflüsse wie geologischen Prozessen, anderen Tier- und Pflanzenarten, anhängig.

Wenn z. B. die letzten Elefantenarten verschwinden – eine durchaus mögliche Entwicklung – dann würde das Grasland als Lebensraum zurück weichen. Damit würden viele andere Arten, die an diesen Lebensraum angepasst sind, verschwinden. „Wir stellen immer wieder fest, dass wir auf die Vielfalt des Lebens und auf seine Möglichkeit zur Veränderung und Anpassung angewiesen sind“, sagt der Zoologe.

So nicht etwa die Konstanz, sondern die Veränderung ein fundamentales Prinzip des Lebens. „Nicht nur der Mensch verändert seine Umwelt, er ist eben auch nur ein Rädchen in einem großen Wirkungsgefüge“, so Thomas Kaiser. „Ales ist im Fluss und vielfach entscheidet der Zufall.“

Quelle: Ostsee Zeitung


__________________
Sesshoumaru-sama, Lord of the Western Lands
GVD

17.03.2004, 12:35
Profil von Füge  deiner Freunde-Liste hinzu Email an Sesshoumaru senden Homepage von Sesshoumaru Schicke Sesshoumaru eine ICQ-Nachricht  
  « Vorheriges Thema Nächstes Thema » Standard | Brettstruktur | Baumstruktur
Antwort erstellen Neues Thema erstellen
Gehe zu:

Powered by: Burning Board 1.1.1 © 2001 WoltLab GbR
Code-, Style- und Templateanpassung © 2004 by Sesshoumaru
Seitenabrufe pro Tag im Durschschnitt: 14744.99
.: Kontakt :. | .: Impressum / Disclaimer :.