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Sesshoumaru
sama




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Gläserne Kuh ist undurchsichtigAntwort mit Zitat Beitrag editieren/löschen Nach weiteren Beiträge von  suchen Diesen Beitrag einem Moderator melden        IP Adresse Zum Anfang der Seite springen

Nach Rinderwahn und Maul-und-Klauenseuche wurden europaweit Rinderdatenbanken eingeführt. Die lückenlose Dokumentation der Kuhleben sollte den Konsumenten wieder Appetit aufs Rindfleisch machen. Doch das Kontrollsystem hat Lücken.
von Marcus Stölb

Berlin - Drei Buchstaben, ein Ziel: HIT, das Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere, gilt als das Herzstück des "gläsernen Rinds". Seit September 1999 müssen alle Rinder in Deutschland zentral erfasst werden. Auf der Basis von Paragraph 24 f der Viehverkehrsverordnung (VVVO) wurde zu diesem Zweck auch in Deutschland eine elektronische Datenbank eingerichtet.
Rund 15 Millionen Rinder leben derzeit in Deutschland; Datenflut und Zahlensalat sind damit programmiert. Schließlich gehen bis zu 150 000 Meldungen täglich in der deutschen HIT-Zentrale im Bayerischen Landwirtschaftsministerium ein. Wobei die Datenbank föderalistisch organisiert ist: Jedes Land hat seine eigene Regionalstelle, die wiederum mit der Münchner Zentrale verbunden ist. Dreh- und Angelpunkt des Meldesystems sind die zehnstelligen Ohrenmarkennummern der Rinder sowie die zwölfstelligen Betriebsnummern der Landwirte und Viehhändler. Die große Mehrzahl der Meldungen erfolgt online.

Fehlerquote liegt bei einem Prozent
"Derzeit liegt die Fehlerquote in der Datenbank bei etwa einem Prozent", räumt ein HIT-Mitarbeiter aus München gegenüber SPIEGEL ONLINE ein. Das ist prozentual gesehen wenig, doch bei der Anzahl der Tiere nicht unerheblich. Zumal falsche oder fehlende Meldungen mitunter mutwillig vorgenommen werden, wie Insider wissen wollen. Ein Teil der Verstöße fliegt bei jährlichen Stichproben auf, bei denen regelmäßig fünf Prozent der Betriebe unter die Lupe genommen werden.

Tatsächlich verlässt sich das HIT sehr stark auf die Ehrlichkeit der Meldepflichtigen, vor allem der Händler und Landwirte. Ob Geburt oder Tod, Kauf oder Verkauf - jede Veränderung im Lebenslauf des Rinds muss innerhalb von sieben Tagen der Datenbank gemeldet werden. So sind Verkäufer und Käufer verpflichtet, ihre Tiere ab- und anzumelden. Mit dem Rind wechseln auch Ohrenmarken und Rinderpass ihren Besitzer. Denn ähnlich wie der Personalausweis beim Menschen, soll der Rinderpass im Idealfall das Vieh von der Geburt bis zum Tod begleiten.

So weit die Theorie, doch die Praxis macht es kriminellen Tierhändlern leicht, das System auszutricksen. Verschwindet ein Tier, fischen die Behörden schnell im Trüben, denn in der Datenbank lebt es fort. Wird ein Rind zwar korrekt abgemeldet, von seinem neuen Besitzer aber nicht mehr angemeldet, dauert es mitunter Wochen und Monate, bis die Veterinärbehörden vor Ort tätig werden, nachdem sie zuvor von den HIT-Regionalstellen über die Ungereimtheiten informiert wurden Ein lückenloser Lebenslauf vom Stall bis zur Theke ist dann oft nur ein frommer Wunsch.

Da die meisten Landwirte und Viehhändler ihre Tiere online melden, müssen sich die Behörden zunächst einmal auf die Richtigkeit der Angaben verlassen. Lediglich sehr offensichtliche Fehlermeldungen kann das System erkennen. Würde beispielsweise ein erst wenige Wochen altes Kalb plötzlich als Muttertier gemeldet, würde das die Datenbank sofort merken. Auch können für ein als geschlachtet oder verendet registriertes Tier keine Ohrenmarken mehr nachbestellt werden.

Ohrenmarken: 26 Nachprägungen an einem Tag
Anders sieht die Sache bei mutmaßlich schwarzgeschlachteten Rindern aus, die in der Datenbank fortleben. Für diese Tiere können Ohrenmarken ohne große Probleme nachbestellt werden. Eine Möglichkeit, von der einige Landwirte regen Gebrauch machen, wie Listen belegen, die SPIEGEL ONLINE vorliegen. So hat ein Bauer im Emsland an einem einzigen Tag 29 Ohrenmarken nachprägen lassen.

Die Bürokratie glaubt indes zu wissen, wie sie den Landwirten die Meldepflicht schmackhaft machen kann: schließlich winkt nur für ein mit Pass und Ohrenmarken zur Schlachtbank geführtes Tier eine Rinderprämie. Und die kann bei einem männlichen Vieh zwischen 100 und 300 Euro betragen.

Für Kritiker wie den bayerischen Landwirt Helmuth Meixner haben Rinder derweil einiges gemein mit Autos. Zumindest in punkto Registrierung: Rinderpass und Ohrenmarken seien sozusagen das Pendant zu Fahrzeugbrief und Kennzeichen, so Meixner. Während zahlreiche Autos mit falschen Kennzeichen herumführen, lebten viele Rinder unter fremder Kennung. "Es ist einfach zu leicht, an den Tieren herumzumanipulieren", behauptet Meixner. Ohrenmarken auszutauschen, sei ohne großen Aufwand möglich, sagt der Bayer. Und sollte eine Marke beim abmontieren kaputt gehen, lasse sich leicht eine nachbestellen. Meixner setzt sich für einen Gencode für jedes Rind ein, der in einem Chip gespeichert sein soll. Nach der Geburt solle jedem Tier dieser Chip eingesetzt werden, Verwechslungen seien dann nicht mehr möglich.

Die Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik (GFaI) glaubt derweil zu wissen, wie das gläserne Rind völlig fälschungssicher gemacht werden kann: Mit einem Abdruck des so genannten Flotzmauls. Hautrillen und Furchen zwischen den Nüstern eines Rinds sind nämlich so verschieden wie der Fingerabdruck beim Menschen, wissen die Berliner Forscher. Mittels moderner Bildverarbeitung ließe sich die Hautstruktur schon bei der Geburt eines Kalbs auswerten und die Daten auf einem Chip sowie in einem Zentralrechner abspeichern.

Quelle: Spiegel.de


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Sesshoumaru-sama, Lord of the Western Lands
GVD

17.09.2003, 15:46
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