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Phantom
Panthera lupus




Dabei seit: Oktober 2002
Herkunft: woanders
Niedersachsen (DE)
Beiträge: 1080
Phantom ist offline
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@Marina: danke, daß du hier so offen drüber gesprochen hast. ich wollte auch schon nachfragen, hab mich aber nicht getraut, hatte irgendwie angst davor, angst vllt auch, Wunden aufzureißen...

meine Schüchternheit ist auch schuld dran, daß ich Jamie nicht näher kennenlernen konnte. er war mir vom ersten Beitrag an, den ich von ihm gelesen hab, sympathisch.

man, er war bloß 1 Jahr älter als ich...ups, noch nichma ganz nen Jahr...


__________________

~ Wer sich vor dem Wolf fürchtet, der soll nicht in den Wald gehen. ~

Dieser Beitrag wurde von Phantom am 30.03.2003, 21:21 Uhr editiert.

30.03.2003, 21:19
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Artami
Junglöwin




Dabei seit: Dezember 2002
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Artami ist offline
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ich hoffe, marina ist nicht sauer, wenn ich dir die Antwort auf diese Frage gebe: Jamie starb mit 27Jahren....im Juli wäre er 28Jahre alt geworden.....

lg artami


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Wenn alle Tiere, die umsonst gelitten haben, im gleichen Moment schreien würden, würde eine unglaubliche Katastrophe die Welt verwüsten, und die wenigen überlebenden Menschen würden taub und im Wahnsinn umherirren.
OSCAR GRAZIOLI

30.03.2003, 21:09
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Imiak
Jungwolf




Dabei seit: März 2003
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Imiak ist offline
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Danke, freut mich, wenn euch meine kleine Geschichte gefällt und ich vielleicht dem einen oder anderen etwas Licht ins Dunkel bringen konnte (hoffe, das klingt jetzt nicht zu gehoben oder etwa gar nach Eigenlob ). Wie gesagt, es war mir einfach ein Bedürfnis, diesen Text zu schreiben, neben dem eigentlichen Auslöser vielleicht auch deshalb, um zu zeigen, wie schön auch die scheinbar alltäglichen Dinge sein können, wenn man sie einfach nur bewusst betrachtet.

Ja, jetzt verstehe ich die Hintergründe auch etwas genauer, obwohl man sich den Großteil schon aus den Postings und betreffenden Seiten zusammenreimen konnte. Jedenfalls danke auch für die Erklärung, auch wenn es im Großen und Ganzen natürlich nicht viel Unterschied macht, 'wieso' und 'weshalb', was zählt ist einfach nur 'dass', und das alleine ist schon traurig genug.

Kaysha, ich glaube, die Antwort auf deine Frage kannst du finden, wenn du dir einmal die Signaturen von den anderen ansiehst.


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So when the birds fly south
I'll reach up and hold their tails
Pull up and out of here
And bridle the autumn gails
Down to the burning cliffs
To the everlasting rolls
To marry the untold blisses
And anchor this lost soul

>Patrick Wolf, Teignmouth<

Dieser Beitrag wurde von Imiak am 30.03.2003, 20:51 Uhr editiert.

30.03.2003, 20:51
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Kaysha
Katz




Dabei seit: März 2003
Herkunft: nrw
Nordrhein-Westfalen (DE)
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Klar,du hast mir auf jeden Fall geholfen...Danke dass du mir dies alles erklärt hast...
es steht nur noch eine,eigentlich unwichtige Frage für mich offen: Mit wie vielen Jahren starb Jamie?du musst mir die frage nicht beantworten,wenn es mich nichts angehen soll....

auch an imiak,deine geschichte ist wirklich schön....

eure Kaysha


__________________


Dieser Beitrag wurde von Kaysha am 27.02.2004, 18:26 Uhr editiert.

30.03.2003, 19:57
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Marina
Pantherkönigin




Dabei seit: September 2002
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Beiträge: 814
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Ja Kaysha ich versuche es Dir zu erklären. Und ich tu es hier und nicht in einer PN, weil es vielleicht auch andere Neu-Member interessieren könnte. Ich sage, ich versuche, denn einfach ist es nicht.

Jamie hatte ein sehr schlechtes letztes Jahr mit viel Kummer, mit viel Schmerz und mit vielen Erlebnissen, die ihm zusätzlich zu seinen alten Wunden, neue beigebracht haben. Er hat in seinem noch nicht so alten Leben mehr mitgemacht, als manch einer, der 90 Jahre alt wird. Und oft auch hat er zuviel an andere gedacht und gerne zu wenig an sich selbst.

Ich kann Dir nicht alles sagen, was vorgefallen ist, aber es waren einschneidende Dinge, die zusätzlich auch seinen Körper geschwächt haben, ohne dass er es lange wahrhaben wollte oder beachten wollte. Und alles hat sich zugespitzt. Da er ein sehr feinfühlender Mensch war, hat er sehr wohl gespürt, dass es nun wohl genug war und er es nicht schaffen kann. Er hat zwar angekämpft, immer wieder, aber es ging nicht mehr.

In einem mutigen Einsatz, als er zwei Streithähne auseinander bringen wollte, wurde er verletzt. Ich glaube, die Episode steht sogar irgendwo im Forum in einem Thread. Nach Überschwemmungen, die ein grosses Gebiet verwüstet haben, hat er geholfen und bis zum Umfallen geschuftet. Er hat lange Zeit kaum etwas essen können, weil es ihm einfach zu schlecht ging in seinem Inneren. Er hat auch schon mal dummes Zeug gemacht, weil er im Grunde auch ein wilder Kerl sein konnte und auf sich selbst selten Rücksicht nahm. Alles miteinander und Dinge, die ich Dir einfach nicht sagen darf, haben dazu geführt, dass es ihm unmerklich immer schlechter ging. Schliesslich hatte er eine ziemlich schwere Lungenentzündung. Stur wie er auch sein konnte, hat er die nicht weiter zur Kenntnis genommen und wollte bald wieder raus aus dem Krankenhaus. Schliesslch war er der grosse und starke Panther. Es war zu früh. Es gab einen Rückfall, es gab dann schliesslich einen zweiten Rückfall, als alles doch auf guten Wegen war, auch seine Situation war besser und erfreulicher geworden. Aber es reichte nicht mehr.

Warum genau Jamie wusste ... er ahnte etwas schon länger ... offensichtlich war es so ... ganz genau kann ich Dir das nicht beantworten. Aber ich hoffe, ich konnte ein wenig weiterhelfen.

Dieser Beitrag wurde von Marina am 30.03.2003, 14:01 Uhr editiert.

30.03.2003, 13:58
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Kaysha
Katz




Dabei seit: März 2003
Herkunft: nrw
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Beiträge: 398
Kaysha ist offline
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Ich glaube,dass ich langsam verstehe wer Jamiewar...besonders der Link "Panther Jamie,unser Freund" hilft mir,mir ein bild von ihm zu machen....und ich empfinde anscheinend so wie ihr.Auch wenn ich ihn nie direkt kennen lernen durfte,vermisse ich ihn...
aber,Marina,ich wundere mich warum er wusste dass er bald sterben würde,vielleicht kannst du es mir sagen...
eure traurige Kaysha


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Dieser Beitrag wurde von Kaysha am 27.02.2004, 18:26 Uhr editiert.

30.03.2003, 12:44
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Artami
Junglöwin




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Beiträge: 412
Artami ist offline
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ich bin sehr erfreut, dass die Jamie-Gedenkseite jetzt im Aufbau steht.....
ich will mich natürlich unbedingt eintragen bei den anderen Usern.....aber wie geht das??????
dazuschreiben würde ich auch gerne etwas wie die anderen......

übrigens: dein Beitrag ist suuuuuuper!!!!! ( bei der Jamie gedenkseite mein ich da)


hoffe du hilfst mir weiter! lg artami


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OSCAR GRAZIOLI

30.03.2003, 11:50
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Marina
Pantherkönigin




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Camargue (F)
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Marina ist offline
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Danke Imiak für die Geschichte, die Du Jamie gewidmet hast. Es ist lieb von Dir, dass Du das getan hast und ist schön, was Du geschrieben hast. Es gefällt mir und tut mir gut. Sehr sogar. Und im Moment brauche ich viele Dinge, die mir gut tun, also nochmals danke. Und ... ach ja, Du bist kein Aussenstehender. Jamie hätte Dich sehr herzlich aufgenommen im Kreis und ich tu das hiermit auch.

Ich werde übrigens die kleine Geschichte, die Jamie angefangen hat, bei Gelegenheit fertigschreiben. Es wird noch eine kleine Weile dauern, denn erst muss es gehen, erst muss ich dazu in der Lage sein können.

Kaysha sag, hast Du nun schon ein wenig gemerkt und gesehen, wer Jamie ist? Einige haben Dir ja schon dies und das gesagt. Es stimmt, er ist tot, seit ein wenig mehr als einem Monat und wenn Du Dir alles ein wenig ansiehst und liest, was Dir gepard angegeben hat, weisst Du schon eine ganze Menge über den Pantherkönig. Besonders im Rollenspiel oder auch in seinen Posts sonst lernst Du ihn gut kennen. Er war jemand Besonderes und er fehlt mir sehr. Und er fehlt auch vielen anderen hier, in anderen Foren oder auch sonst. Denn er hat viel Wärme und Freundschaft in die Welt gebracht, in der man oft den Eindruck hat zu erfrieren. Schau Dir diese Dinge mal durch. Wenn Du Näheres wissen möchtest, wenn Du Fragen hast, frag einfach. Danach. Okay?

Dieser Beitrag wurde von Marina am 30.03.2003, 11:22 Uhr editiert.

29.03.2003, 23:04
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Imiak
Jungwolf




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Herkunft: Tal des flüsternden Windes
Wien (A)
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Imiak ist offline
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Vielleicht mag es manchen ja eigenartig erscheinen, wenn ich mein erstes Posting hierhin setze, obwohl ich Jamie gar nicht gekannt habe, aber ich möchte trotzdem hier meine Anteilnahme aussprechen. Immerhin, so traurig die ganze Angelegenheit auch ist, habe ich eigentlich nur dadurch hierhergefunden, einfach, weil ich wissen wollte, wer Jamie war. Mich haben die Reaktionen rundum im Forum und auf den Internetseiten einfach ziemlich bewegt und ich muss sagen, aufgrund davon, was ich von Jamie weiß, bedaure ich, ihn nicht gekannt zu haben, umso mehr, als dass ich nur knapp eine Woche zu spät war, wenn man das so sagen kann. Ich habe jedenfalls das Gefühl bekommen, das die Welt mit ihm einen wertvollen Menschen mehr verloren hat.

Ich habe genau eine Woche danach eine kleine Geschichte geschrieben, die ich Jamie gerne widmen möchte. Anstoß war die Geschichte über den kleinen Panther auf Jamies Homepage, wenn also gewisse Parallelen bestehen sollten, so sind die nicht ganz unbewusst. Vielleicht kann ich damit ausdrücken, dass ich mir doch so einige Gedanken seither gemacht habe, auch was mich selbst betrifft und meine mitunter etwas aufbrausende Art, auf andere zu reagieren.

Ich hoffe, das klingt jetzt nicht wie das Geschreibsel eines Wichtigtuers, der sich einmischen will und ich weiß auch nicht, ob ich als Außenstehender das Recht dazu habe. Aber ich möchte diesen Text doch ganz gerne in Gedenken an den Pantherkönig posten.


Regen und Wind

Die Welt um ihn war gewaltig; weit und verwirrend. Voll urtümlicher Schönheit erstreckte sich das hohe vergilbte Gras der Savanne bis zum in der flirrenden Hitze verschwimmenden Horizont und noch darüber hinaus, bis an jenen fernen Ort, wo die flammende glutrote Scheibe der Sonne abends das Land berührte und den Himmel in Brand steckte, ehe die aufziehende Nacht das lodernde Feuer löschte, um es Tags darauf in neuer Pracht wieder erstehen zu lassen. Myriaden unbekannter Geräusche lagen in der Luft, herangetragen vom sacht streichelnden Wind, der das Gras wie trockenes Stroh knistern ließ. Eine schier endlose Vielzahl von wilden Gerüchen begleitete den sanften Lufthauch, die jedem Botschaft brachte, der sie zu deuten vermochte. Einen Moment lang verharrte er in der Bewegung und witterte prüfend, sog den Duft dieser seltsam anmutenden Welt ein, in die er hineingeboren worden war, doch er war noch zu unerfahren, um die Zeichen richtig verstehen zu können. Wie so vieles war auch dies verwirrend für ihn, war mehr, als sein kleines Herz zu fassen vermochte.
Ja, das Land war geradezu durchflutet von jener fremden Schönheit, die ihn auf merkwürdige Weise stärker anzog als der Geruch frischen Bluts und eins mit sich werden ließ, doch es war auch erfüllt von unzähligen verborgenen Gefahren, von denen er noch nichts erahnen konnte. Klein und unbedeutend, das war er in dieser riesigen Welt, den Gewalten der Natur hilflos ausgeliefert. Behutsam setzte er eine Pfote vor die andere, Vorsicht sprach aus seinen ersten Versuchen, geräuschlos durch das Gras zu schleichen, Vorsicht, die auf einer immer noch vorhandenen Unsicherheit beruhte, auch wenn er nicht mehr der Winzling war, der noch vor wenigen Wochen zitternd im hintersten Winkel der Höhle im sandfarbenen, von der gleißenden Sonne ausgebleichten, Fels des Verstecks verkrochen gelegen hatte, eng an das weiche Fell seines Bruders gekuschelt, und es nicht gewagt hatte, das schützende Dunkel zu verlassen und den Hals ins Licht zu recken.
Jetzt war das alles anders. Schon vor geraumer Zeit hatte er immer öfter die Geborgenheit der Höhle verlassen, hatte begonnen allmählich gierig erste Brocken Fleisch zu verschlingen, wenn seine Mutter einen Teil ihrer Beute ins Versteck brachte, und streunte nun fast unentwegt durch das wogende Gras des umliegenden Landes. Zu groß war die Neugier, das weite Revier zu erkunden, viel zu weitläufig, als dass ein Junges wie er sich darin zurechtfinden konnte. Doch so unerfahren und verletzlich er auch noch sein mochte, er ließ sich nicht abschrecken, denn er wusste nichts von den Gefahren, die auf ihn lauern mochten und so schlich er, ein schwarzer Schatten im dürren Gras, mutig am schmalen Bett des Wasserlaufs entlang, der sanft und beruhigend vor sich hingluckerte.
Vollkommen reglos hielt er inne und ließ einmal mehr den Blick seiner wachsamen saphirblauen Augen umherschweifen. Tiefblau, das war sonst auch der Himmel, der sich endlos über seinem Kopf spannte, doch heute war es anders. Ein neuer Duft lag in der Luft, wie er ihn nicht kannte, eigentümlich frisch und verheißend; der Wind, der durch die Halme strich und ihm den Pelz zauste, ungewöhnlich kühl. Fasziniert sog er witternd diese merkwürdige Botschaft auf, versuchte erfolglos, die Bedeutung hinter dem Ozongeruch zu ergründen. Das Blau des Himmels war verschwunden, verdeckt von einer heraufziehenden Wolkenfront, die sich zunehmend massiver zusammenbraute und, sich vor die sengende Sonne schiebend, ihren dunklen Schatten auf die weite Ebene warf, das Land in ein unwirkliches Licht getaucht. Der sonst im Sonnenlicht schneeweiß glühende Gipfel des Großen Berges, der im Norden über der Ebene aufragte, dass seine höchsten glitzernden Felsgrate den Himmel zu berühren schienen, war, in einen Mantel aus bleiernem Grau gehüllt, seinem Blick entzogen. Furchtsam duckte er sich ins Gras, kauerte reglos in ängstlicher Erwartung, nicht wissend, was dieser bedrohliche Schleier, der den Himmel verschlang, bringen mochte.
Gespannte Stille lastete auf dem weiten Grasland, als hielte die Welt ringsum den Atem an. Ein schwaches Grollen rollte von ferne heran, ein Laut, der ihm, der weder Donner noch Regen kannte, wie das furchteinflößende Brüllen eines wütenden Löwen erschien. Und das, soviel hatte er gelernt, bedeutete höchste Gefahr. Das friedliche Plätschern des Wasserlaufs, nach der langen Zeit der Dürre nicht mehr als ein klägliches Rinnsal, wirkte mit einem Mal unnatürlich laut, während zunehmend der Gedanke in ihm aufkeimte, in die Sicherheit der Höhle zurückzukehren.
In einer linkischen Bewegung, nur ein unbeholfener Abglanz der geschmeidigen Majestät, mit der er einst lautlos durch die Savanne schleichen würde, machte er kehrt, als er alarmiert mit den Ohren zuckte. Bebend vor Angst presste er seinen kleinen Körper dicht an den Boden, als ein weiteres Mal das ohrenbetäubende Brüllen des Löwen diesmal unmittelbar über ihn hinwegfegte, begleitet von einer kühlen Windböe, die ihn bis ins Innerste frösteln ließ. Mit weit geöffneten Augen starrte er empor, als der Sturm direkt über ihm war, ließ gehetzt den Blick umher schweifen, doch nicht der leiseste Schatten eines Löwen oder eines anderen Raubtiers zeigte sich. Statt dessen fiel vollkommen unerwartet und entgegen aller Erfahrung Wasser vom dunklen, wolkenverhangenen Himmel.
Wie gebannt starrte er hinauf in die aschgraue Gewitterfront. Der Wasserlauf lag bereits zu weit hinter ihm zurück, als dass irgendein unbemerktes Geschöpf beim Hindurchlaufen den feinen, funkelndem Diamant gleichenden, Sprühregen herangetragen haben konnte. Ein leises gleichförmiges Rauschen schwebte durch die unruhig gewordene Luft und schwoll beständig an, während aus gelegentlichen einzelnen Tropfen rasch mehrere wurden, bis sich ein regelrechter Sturzbach aus den Wolken zu ergießen schien. Er schüttelte sich instinktiv, um sein seidiges, wie Mondlicht glänzendes Fell vom Wasser zu befreien, doch beinahe augenblicklich war er wieder völlig durchnässt. Zwischen seinen Tatzen bahnten sich eine Vielzahl munterer Ströme ihren Weg zwischen den ausgetrockneten Halmen, die gierig die Feuchtigkeit aufsaugten und doch die stetig anwachsende Flut nicht aufnehmen konnten, die den staubigen Grund langsam in morastigen Schlamm wandelte.
Überzeugt, das herabstürzende Wasser werde ihn mit sich reißen und ertränken, wenn er noch länger abwartete, suchte er sein Heil in der Flucht. Er konnte nicht wissen, dass aus der Flut, die den Boden hinwegzuschwemmen schien, am Ende neues grünes Leben sprießen würde, dass dies der Segen war, auf den das ausgedörrte Land voller Ungeduld wartete, der das Fortbestehen der Beutetiere, von deren Fleisch er sich ernährte, garantierte und somit auch sein eigenes. Es würde noch seine Zeit benötigen, bis er die komplexen Zusammenhänge begreifen konnte.
In der Zwischenzeit wusste er es nicht besser und entfloh dem von allen ersehnten Regen, im Glauben, das Ende der Welt sei angebrochen. Das von der perlenden Nässe schwere Gras schlug ihm im Lauf an die Flanken, schien ihn festhalten und am Vorwärtskommen hindern zu wollen, doch er bahnte sich unbeirrt weiter seinen Weg, so schnell seine Pfoten ihn trugen. Es war nicht weit bis zur Höhle, denn trotz allem hatte er es noch nicht gewagt, sich allzu weit von dem Versteck zu entfernen, und schon bald war die jetzt vom strömenden Regen dunkel glänzende Felsformation vor ihm, er konnte die Sicherheit verheißende Öffnung unter den übereinandergewürfelten Gesteinsblöcken bereits vor sich sehen. Die breitschirmigen Kronen der Akazien, die vereinzelt den Fels säumten, konnten den sintflutartigen Regen nicht mehr abhalten und boten nur dürftigen Schutz, doch drinnen in der Höhle würde es trocken sein.
Mit zwei flinken Sprüngen hatte er die flachen Felsen, die dem Eingang vorgelagert waren übersprungen und tappte erleichtert hinein ins vertraute Dunkel. In der Gewissheit, dem Wüten der Elemente über der weiten Ebene entronnen zu sein, drängte er sich an das weiche Fell seiner Mutter und rollte sich neben seinem Bruder zusammen, der nur flüchtig einen Spalt weit die bernsteinfarbenen Augen öffnete, den gesprenkelten goldgelben Pelz dichter ankuschelte und wieder einschlief. Geborgen fühlte er, wie die Zunge seiner Mutter sanft über sein triefendes Fell glitt, und der ausgestandene Schrecken verflog so rasch wie eine auseinanderstiebende Herde aufgeschreckter Antilopen.
Die Welt war verwirrend, doch nach und nach begann er zu verstehen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er sich ganz in ihr zurechtfinden würde. Eines Tages würde er dort draußen auf sich allein gestellt überleben müssen und er fühlte, dass er die Kraft dazu besaß. Eines Tages würde er wie seine Ahnen vor ihm durch die Savanne pirschen, lautlos wie ein Schatten, majestätisch und schön, doch mit einer stählernen Kraft, die mit einem einzigen Biss töten konnte, wenn er auf der Jagd war. Noch war er nur ein kleiner Panther, der hilflos auf die Gnade seiner Umwelt vertrauen musste, doch eines Tages würde auch er Teil der Faszination dieser wilden und urgewaltigen Welt sein. Und diese Welt würde in Ehrfurcht erstarren vor dem Brüllen des geschmeidigen Schwarzen Jägers.


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>Patrick Wolf, Teignmouth<

29.03.2003, 20:29
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gepard





Dabei seit: Januar 2002
Herkunft: Kiel (Schleswig-Holstein)

Beiträge: 495
gepard ist offline
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Wenn es dich interessiert, Kayscha, dann kannst du diesen Threat durchlesen: Abschied. Oder du besuchst einmal diese Seite hier: Panther Jamie- unser Freund. Oder noch besser: Lese dir einfach mal ein paar seiner Beiträge durch. Vermutlich bist du schon das ein oder andere mal über einen gestolpert. Und zu guter letzt: Jamie hatte auch seine eigene Homepage: Die Seite des Panthers

Dieser Beitrag wurde von gepard am 29.03.2003, 20:11 Uhr editiert.

29.03.2003, 20:11
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