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Geschrieben von PetraB. am 15.02.2004, 16:32:

 

Das klingt ja ziemlich gut. Kann sein, dass ich jetzt gerade ein Brett vor dem Kopf habe, aber dennoch: ist das Reservat in das die Tiger endgültig ausgewildert werden, eingezäunt? Wenn die Freiheit wirklich ''Freiheit'' ohne Zaun wäre, dann sähe ich nämlich einen empfindlichen Eingriff in die heimische Fauna, der sicherlich nicht unproblematisch wäre. Ich denke dabei weniger an die Beutetiere, sondern vielmehr an Beute- und/oder Revierkonkurrenten, wie beispielsweise Geparden und Leoparden ... oder auch Löwen.


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... and yesss ... my rage ...
© Alpha P.


Geschrieben von TamedTigress am 15.02.2004, 12:47:

  Tiger in Afrika ausgewildert!

Born to be wild
Wie Zootigern beigebracht wird zu jagen und zu töten – vom Menschen

Die Großkatzen dösen am Fluss. Die Sonne steht am Zenith und sie sind dankbar für den Schatten des Acaciabaumes. Unter ihnen grasen südafrikanische Antilopen.

Tiger – in Afrika? Will uns da jemand verscheißern?

Nun ja, diese beiden wunderschönen bengalischen Tiger haben eine Geschichte. Zum ersten wurden sie nicht in der afrikanischen Savanne geboren sondern in einem kanadischen Zoo wo sie nach ihren Eigentümern Ron und Julie benannt wurden.

Anstatt eine Attraktion hinter Gittern zu werden wurden sie, mit einem kleinen Wohnblock in Kanada als Zwischenstation, über 6.000 Meilen weit in eine südafrikanische Tierstation namens Tigermoon gebracht.

Gegründet von einem Tiertrainer aus Toronto ist diese Auffangstation eines der innovativsten Tierprojekte welches jemals in Angriff genommen wurde. Es ist auch eines der kontroversesten.

Tigermoon will eine einfache Frage beantworten. Können Zootiger die in Gefangenschaft als verwöhnte Haustierchen aufgewachsen sind jemals ausgewildert werden? Kann der Mensch ihnen beibringen wie man jagt, tötet und auf die gleiche Art für sich selbst sorgt wie ihre wilden Verwandten?

Tigermoon beinhaltet 90.000 Hektar Land in einem abgelegenen Teil Südafrikas und ist von einem 100 Meilen langen und 12 Fuß hohen Elektrozaun umgeben.

„Die Leute sagen wir schaffen es nicht,“ sagt Eigentümer John Varty. „Sie sagen Tiger die in Gefangenschaft groß geworden sind können niemals die nötigen Fertigkeiten erwerben die sie brauchen um in der Wildnis zu überleben. Nun, wer werden es ihnen beweisen...“

Kontrovers an dem Tigermoon-Projekt ist die Entscheidung asiatische Raubtiere in die Wildnis Afrikas zu entlassen, tausende von Meilen entfernt von ihrem natürlichen Lebensraum.

„Natürlich war es nicht ideal.“ Gibt John zu. „Aber was für Alternativen haben wir denn? In Asien gehen die Tigerzahlen seit Jahren immer mehr zurück. Heute gibt es in der Wildnis weniger als 5.000 Tiere, weniger als in Gefangenschaft. Und der Hauptgrund dafür ist die Dichte der menschlichen Bevölkerung.

In Indien leben 320 Menschen auf einem Quadratkilometer, in Südafrika sind es zwei. Ich war in Indien und dort ist man einfach nicht willens unser Projekt zu finanzieren.“

John hofft dass Tigermoon für asiatische Länder eine Inspiration sein wird solche größeren Erhaltungsprojekte zu finanzieren.

Zuerst einmal muss man natürlich erfolgreich sein, und hier kommt Dave Salmoni ins Spiel.

Der Kanadier der als Rausschmeißer in einem Nachtclub angefangen hat wurde dann Tiertrainer und spezialisierte sich auf Großkatzen. Er war es den Varty mit der Entwicklung des Programms betraute welches aus Zootigern wilde Tiere machen sollte.

Sobald die beiden Königstigerchen Ron und Julie, Geschwister, als die ersten Bewohner der Station auserwählt wurden, fing ihr Training an, ein aufwändiger Prozess welcher vier Jahre dauern sollte.

Dave nahm die Kleinen zunächst zu sich nach Hause in die Vorstädte von Toronto. Die Idee (abgesehen davon dass er die Nachbarn erschrecken wollte!) war das Band zwischen den Katzen und ihrem Betreuer zu stärken. Nur wenn sei Dave als ihren Freund ansahen würden sie auf sein Kommando hören.

„Es war eine winzige Wohnung und sie nahmen den größten Teil von ihr in Beschlag,“ erinnert sich Dave. „Aber es war wichtig dass sie sich erst einmal an die menschliche Gesellschaft gewöhnten.“

Er führte Ron und Julie im Park spazieren, nahm sie mit wenn er mit anderen Großkatzen arbeitete und behandelte sie genau wie Hauskatzen. Die Tiger gewohnten sich schnell an diese Rolle und gründeten sogar Freundschaften mit Hunden.

Stufe drei, drei Monate Später, war die Katzen nach Südafrika zu bringen und sie in einem kleinen Revier am Rande von Tigermoon anzusiedeln. Die Tage und Fertigmahlzeiten in Suburbia waren vorbei. Ron und Julie würden für sich selbst sorgen müssen.

Ihre bemerkenswerte Verwandlung von der Hauskatze zum Raubtier wird von Discovery Chanel gezeigt.

Zunächst hatten Ron und Julie keine Ahnung davon was es bedeutet ein wilder Tiger zu sein. Sie sahen ein totes Zebra im Fluss liegen und wussten nicht dass es ihr Abendessen war – sie spielten nur mit ihm wie mit einem Gummientchen.

Selbst als sie Fleisch kennen lernten musste ihnen beigebracht werden wie man jagt. Aber von wem? Wenn sie wilde Tigerjunge gewesen wären hätte ihre Mutter ihnen alles gezeigt. Stattdessen waren sie von menschlichen Lehrern abhängig.

In verschiedenen simulierten Übrungen wurden die Tiger in ein eingezäuntes Revier gelassen in dem Antilopen und anderes Wild waren. Sie lernten zu jagen aber machten immer noch Fehler.

Einmal tötete Ron ein Stachelschwein und hatte sein Gesicht voller Stacheln. Er merkte wusste nicht dass es nicht wert war ein solch gefährliches Tier zu jagen welches den Nährwert eines Stückes Krabbenbrot hat. Es war auch nicht wert Tiere zu jagen die schneller waren als man selbst. Sie mussten lernen sich anzuschleichen, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten und sich zu verstecken. Aber sie lernten es.

In ihren drei Jahren bei Tigermoon haben die Tiger in ihrem 200 Hektar-Revier mehr als 300 Beutetiere erlegt – von Feldhasen über Warzenschweine bis zu Antilopen.

„Es war faszinierend zu sehen was Instinkt ist und was sie lernen mussten.“ Sagte Dave. „Zuerst wussten sie wie man ein Tier fängt aber nicht wie man es tötet. Aber sie wussten vom ersten Tag an dass man seine Beute vor anderen Raubtieren schützen muss, indem man es in die Büsche trägt. Genau wie Tiger die in der Wildnis groß geworden sind.“

Dennoch waren Ron und Julie in anderen Aspekten immer noch kuschelige Schmusekätzchen. Sie rieben immer noch ihre Köpfe an Dave und hatten keifen Furcht vor Menschen. Wenn unser Jeep vorfuhr, kam Ron angelaufen und sprang aufs Dach. Aber man kann die Wildheit in seinen Augen nicht mehr verkennen.

Als Raubtiere, so stellt der Film heraus, sind sie nicht nur effizient sondern auch blutrünstig. Sie haben es von dieser kleinen Wohnung in Toronto weit gebracht. „Ich bin beeindruckt von ihrem Fortschritt.“ Sagt John Varty. „Um in der Wildnis zu überleben muss ein Raubtier fit, schnell, stark und intelligent sein. Ron und Julie haben alle diese Qualitäten.

Die Menschen vergessen wie anpassungsfähig der Tiger ist. Er konnte in den verschiedensten Ökosystemen überleben – in den Regenwäldern Südostasiens und im verschneiten Sibirien.“
Als Ron und Julie Ende diesen Jahres endlich frei gelassen und von ihrem kleinen Jagdrevier in eines von 12.000 Hektar gelassen werden wird ihre Auswilderung komplett sein und John kann an die nächste Generation denken.

Er plant bis 2010 zwei weitere Tiger in das Reservat zu entlassen und hofft irgendwann einmal 27 oder mehr Tiger zu haben. Was darüber hinaus geht soll in Reservate nach Asien gebracht werden.

Wird der Plan funktionieren? Wird Tigermoon genügend Besucher anziehen um sich selbst zu finanzieren? Wie werden die Tiger reagieren wenn weitere Raubtiere in das Reservat gelassen werden?

So viele Fragen. Aber das Projekt fasziniert bereits.

Wenn man diese wunderbaren Tiere durch die Savannen wandern sieht, so frei wie die Luft, dann ist die Bewunderung bereits größer als die Skepsis. Wenn Tigermoon funktioniert, dann werden wir alle gewonnen

(aus Daily Mail, uebersetzt und leicht gekuerzt von TamedTigress)

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